Kinopremiere von "Mary's Land" Maria: Illusion oder Wirklichkeit?

15.02.2017

Wie die Gottesmutter Maria im 21. Jahrhundert wirkt, will der Film "Mary's Land" zeigen. Wie er bei der Deutschlandpremiere in München ankam, lesen Sie hier.

Maria im Film "Mary's Land".
Maria im Film "Mary's Land". © maryslandfilm.com

München – Des Teufels Advokat zieht als Geheimagent im feinen Zwirn durch die Welt des 21. Jahrhunderts. Er interviewt tiefgläubige Menschen, die eine Bekehrung erlebt haben, bei der die Gottesmutter Maria eine besondere Rolle gespielt hat – So könnte die Handlung des Films „Mary's Land“, der am Donnerstag in München seine Deutschlandpremiere feierte, zusammengefasst werden.

Der Streifen ist eine Mischung aus Fiktion, Bibelverfilmung und Dokumentation. So sind die vom Geheimagenten befragten Menschen auch keine Schauspieler, sondern reale Personen, die von ihren Erfahrungen mit der Mutter Gottes berichten. „'Mary's Land' wirft die Frage auf, ob all das, was mit dem Glauben zu tun hat, nur ein 'Spielfilm' ist, oder ob es real ist“, sagte der spanische Regisseur und Hauptdarsteller Juan Manuel Cotelo mk online. Der Zuschauer müsse diese Frage letztendlich für sich selbst beantworten.

Arzt John Bruchalski (links) und Hauptdarsteller und Regisseur Cotelo in Washington DC.
Arzt John Bruchalski (links) und Hauptdarsteller und Regisseur Cotelo in Washington DC. © maryslandfilm.com

Marienerscheinung

Einer der „Verdächtigen“, den des Teufels Advokat im Film befragt, ist der US-Amerikaner John Bruchalski. Er berichtet davon, wie er als Arzt in einer Klinik hunderte Abtreibungen durchgeführt hat. Nach einer Marienerscheinung in dem von der katholischen Kirche nicht offiziell anerkannten Wallfahrtsort Medugorje (Bosnien-Herzegowina) kündigte er und machte seine eigene, „christliche“ Arztpraxis auf. Sein Leben sei dadurch viel erfüllter, sein Glaube an Gott und Maria neu entflammt.

Die großen Marienerscheinungsorte spielen in Mary’s Land eine wichtige Rolle – Guadalupe, Lourdes und Fatima, aber vor allem eben das in Kirchenkreisen durchaus umstrittene Medugorje. Entsprechend sind viele „Fans“ des Streifens vor allem in charismatischen Kreisen, bei Neuevangelisations-Bewegungen und Lebensschutz-Gruppen anzutreffen. Im ausverkauften Rio Filmpalast sorgte der Film für große Begeisterung, der anwesende Regisseur Cotelo erhielt beim Publikumsgespräch viel Lob für sein Werk. Nicht wenige der rund 350 Zuschauer kamen aus dem Umland nach München, um den Film zu sehen.

Marienerscheinungsorte spielen in Mary’s Land eine wichtige Rolle.
Marienerscheinungsorte spielen in Mary’s Land eine wichtige Rolle. © maryslandfilm.com

120.000 Zuschauer in Polen

So ist vor allem auch das Publikum dafür verantwortlich, dass der Film bereits in 28 Ländern gezeigt wurde. Auf der Webseite des Films können Interessierte angeben, dass sie „Mary's Land“ sehen möchten, dazu die Stadt, das Land und sogar das Kino. In Spanien kam der Film laut den Machern so auch ohne einen großen Filmverleih auf 60.000 Zuschauer, in Polen seien es gar 120.000 gewesen. Auch in Deutschland soll der Streifen durch dieses „Nachfrage-Prinzip“ Verbreitung finden.

„Mary's Land“ filmkritisch einzuordnen, fällt schwer. Der Film ist handwerklich ordentlich gemacht, zeigt tolle Bilder und ist mit 111 Minuten aufgrund der Interview-Form etwas zu lang geraten. Der (Glaubens-)Kern des Streifens unterliegt aber einer sehr subjektiven Betrachtung. „Jeder sieht in 'Mary's Land' einen anderen Film“, sagte Cotelo bei der Premiere. Die Glaubenserfahrungen der Protagonisten zeugen von einer faszinierenden Kraft, die bei gläubigen Menschen tiefe Zustimmung, bei kirchenfernen Zuschauern eher Befremden hervorrufen dürfte. (Klaus Schlaug/MK)

"Mary's Land" ist bis zum 15. Februar jeweils um 18 Uhr im Rio Filmpalast in München zu sehen.

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