Wiedereröffnung in München Maria Ramersdorf: Nichts blieb unberührt

14.08.2018

Münchens älteste Wallfahrtskirche öffnet wieder. Nach mehreren Jahren Renovierung zeigt sich Maria Ramersdorf mit einigen Veränderungen: neue liturgische Orte, ein hellerer Raum, restaurierte Altäre und Pläne für ein Wallfahrtszentrum.

Über dem neuen Altar hängt das frisch restaurierte Chorbogenkreuz.
Über dem neuen Altar hängt das frisch restaurierte Chorbogenkreuz. © SMB/Würschinger

München – Nichts blieb unberührt, sagt Norbert Jocher, der Leiter der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat, über die Umbauarbeiten in Maria Ramersdorf. Als diese Anfang 2012 zum ersten Mal geschlossen wurde, befand sie sich in einem stark verschmutzten Zustand. Es gab viel zu tun: Die Raumschale und diverse Ausstattungen, wie die barocken Altäre mussten restauriert, Gemälde gereinigt und Elektroinstallationen überarbeitet werden. 4,9 Millionen Euro hat die Renovierung insgesamt gekostet. Den Großteil der Kosten hat das Erzbistum München und Freising übernommen.

Kirche im Wandel

Bei den Arbeiten war Norbert Jocher wichtig, dass das Erscheinungsbild der mehr als 1.000 Jahre alten Kirche gewahrt werde. Wer die Pfarr- und Wallfahrtskirche heute betritt, der bekommt ein Gefühl von ihrer Geschichte. "Man merkt dem Raum seinen gotischen Ursprung an, weil der Barock zwar die Rippen abgeschlagen hat, neue Fenster eingebrochen hat, aber die Grundstruktur des Raumes belassen hat. Das 19. Jahrhundert ist sehr präsent durch die Oberflächengestaltungen, durch die Fassungen und ich denke, dass jetzt auch das 21. Jahrhundert präsent ist in diesen neuen Orten", erklärt Norbert Jocher. Gemeint sind mit den neuen Orten Volksaltar, Ambo und Taufbecken, die allesamt komplett neu und aus italienischem Carrara-Marmor gehauen sind.

Der neue Volksaltar aus Carrara-Marmor
Der neue Volksaltar aus Carrara-Marmor © SMB/Würschinger

Rückkehr eines Schmuckstücks

Rechtzeitig zu Beginn des Frauendreißigers am 15. August ist auch der Heilig-Kreuz-Altar von Erasmus Grasser in das Gotteshaus zurückgekehrt. Der wurde zunächst im Landesamt für Denkmalpflege gründlich restauriert und war dann von April bis Juli als Exponat in der Erasmus-Grasser-Ausstellung im Bayerischen Nationalmuseum zu sehen.

Was die Wallfahrer ganz besonders freuen dürfte: Der Unterbau des Altars wurde neugestaltet und verfügt nun über eine drehbare Aufbewahrungsnische für das Stehkreuz, in dem sich der wertvolle Kreuzpartikel von Kaiser Ludwig dem Bayern befindet, mit dem die Gläubigen am Ende der Wallfahrtsgottesdienste einzeln gesegnet werden.

Der Kreuzaltar von Erasmus Grasser
Der Kreuzaltar von Erasmus Grasser © SMB/Würschinger

Konstante Raumtemperatur

Damit der Heilig-Kreuz-Altar, die Votivbilder und das Gnadenbild der Muttergottes am Hochaltar auch nach der Renovierung möglichst lange gut in Schuss bleiben, habe man zudem das Heizungssystem verbessert, so Kirchenpfleger Fridolin Heidler. Mit einer Fußbodenheizung im Chorraum sowie einer Wand- und Sitzheizung im Bereich des Laien-Gestühls wolle man erreichen, dass es in der Kirche auch im Winter eine konstante Raumtemperatur gibt. Die Maßnahme schütze das Inventar nachhaltig, betont Heidler. Dazu gehört auch die Orgel, die wegen der Schmutzarbeiten komplett ausgebaut werden musste.

Pfarrer Harald Wechselberger mit dem Ramersdorfer Kreuzpartikel
Pfarrer Harald Wechselberger mit dem Ramersdorfer Kreuzpartikel © SMB/Würschinger

Wallfahrtszentrum mit Herbergen und Pfarrladen

Damit dieser auch seine gebührende Aufmerksamkeit bekommt, hat sich Pfarrer Harald Wechselberger dazu entschlossen Maria-Ramersdorf von nun an täglich zu öffnen, für Wallfahrer, die wegen des Kreuzpartikels anreisen, ebenso wie für diejenigen, die das Gnadenbild aufsuchen. Damit einher geht für den Pfarrer der Wunsch aus seiner Kirche ein Wallfahrtszentrum zu schaffen. Die nächsten Projekte stehen schon an: Es soll ein Pfarr- und Pilgerheim gebaut werden, wo Pilger schlafen, Exerzitien ausüben und sich theologische Vorträge anhören können. Außerdem wünscht sich Harald Wechselberger einen Devotionalien-Laden, in dem Gegenstände angeboten werden, die mit der Wallfahrtskirche in Zusammenhang stehen.

Nach sechs Jahren Renovierung ist der Zeitpunkt der Wiedereröffnung von Maria Ramersdorf für ihn die passende Gelegenheit, Neues zu wagen. (Ralph Würschinger/ph)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Brauchtum

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