Praxis statt Theorie Maria-Ward-Realschule lässt viel tüfteln

14.09.2013

Das neue Schulfach "Naturwissenschaftliches Arbeiten" und ein Preis für die Schülerin mit den besten Noten in Mathe, Physik, Biologie und Chemie soll die Mädchen zum Experimentieren motivieren. Besonders stolz sind die jedoch auf die praxisnahe Technik AG: "Seit es uns gibt, passieren keine technischen Pannen mehr!"

„Wir Mädchen können das“: Selbst experimentieren und Versuche auswerten dürfen kommt bei den Sechstklässlerinnen gut an. (Bild: Schule)

München - "An meiner Schule gefällt mir besonders die Lage im Grünen und dass meine Freundinnen hier sind“: Giuliana aus der 5. Klasse ist sich nach dem ersten Schuljahr sicher: Sie hat mit dieser Schule die richtige Wahl getroffen. Der Start fiel ihr leicht, denn Tutorinnen veranstalteten Bastelnachmittage, und es wurde sogar in der Schule übernachtet. Das System, in dem Mädchen aus höheren Klassen „Neulinge“ betreuen, ist bewährt.

Neu seit letztem Schuljahr ist der Morgenkreis in Klasse 5: „Er ist eine leistungsfreie Zeit, in der sich jede Schülerin ganz persönlich wahrgenommen und angenommen fühlen darf – ganz nach dem Motto Mary Wards: Zeige dich, wie du bist, und sei, wie du dich zeigst“, erläutert die Schuldirektorin der Schule in Nymphenburg, Gabriele Wucholt der Münchner Kirchenzeitung. Nach dem Wochenende biete dieses feste Ritual ein „Ankommen-Dürfen“, das gerade für die „oft quirligen“ Fünftklässlerinnen wichtig sei.

Eine weitere Neuerung ist das Schulfach „Naturwissenschaftliches Arbeiten“ in den 6. Klassen. Die Mädchen experimentieren in Biologie, Chemie, Erdkunde und Physik eigenständig und werten ihre Versuche aus. „Es macht Spaß, weil es nicht Theorie, sondern Praxis ist“, und „ganz anders als normaler Unterricht“, loben die jungen Wissenschaftlerinnen auf der Schul-Homepage. Die Rektorin möchte den Schülerinnen Mut  machen, sich mit den Naturwissenschaften auseinanderzusetzen: „Wir Mädchen können das.“ Auch der Siemens-Preis, den die Schülerin der Abschlussklasse mit den besten Noten in Mathe, Physik, Biologie und Chemie bekommt, gehört zu diesem Motivations-Anschub. Noch scheint es den Mädchen aber am Zutrauen zu naturwissenschaftlichen und technischen Fächern zu fehlen: Auch für das neue Schuljahr kam kein entsprechender Zweig zustande.

„Die Technik AG ist da für mich ein Ausgleich“, meint Yvonne, seit Schuljahresbeginn nun eine Zehntklässlerin. 2012 hat sie mit ihren Kolleginnen mit Hilfe des Bayerischen Rundfunks einen Podcast über den Beruf „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ kreiert. Bei Konzerten und Veranstaltungen in der Aula agieren die Mädchen hinter der Bühne und kümmern sich um Ton und Beleuchtung. „Seit es uns gibt, passieren keine technischen Pannen mehr!“, zeigen sich die Technikerinnen selbstbewusst. Vergangenes Schuljahr haben sie ein Video für eine 10. Klasse gedreht, die sie das ganze Jahr über begleitet haben. „Zusammen haben wir gefilmt, den Ton gemacht und am Schluss geschnitten“, erläutert Yvonne. Froh ist sie auch über ihre Erfahrungen aus dem zweiwöchigen Sozialpraktikum „Compassion“, das für alle Maria-Ward-Schülerinnen (Realschule wie Gymnasium) Pflicht ist. Die beiden Schulen teilen sich das Gebäude.

Worauf Rektorin Wucholt sehr stolz ist: Auf ihren engagierten Elternbeirat, der kürzlich etwas ganz Besonderes auf die Beine gestellt hat. Auf dem Schulgelände befindet sich seit Frühling eine Bienenbehausung mit drei Bienenstöcken. Siebtklässlerinnen dürfen sich in der neuen „Bienen-AG“ nun nicht nur ausgiebig mit allen Facetten der Bienenvölker und der Imkerei beschäftigen, sondern auch in einer „Schülerinnen-Firma“ lernen, wieviel Arbeit, Zeit und Geld man in diese stecken muss, um am Ende des Jahres den gewonnen Honig verkaufen zu können. (Karola Braun)


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