Zum Neustart der Gottesdienste Marienfigur bei öffentlicher Maiandacht gesegnet

05.05.2020

In Ainring wurde die Aufhebung des Gottesdienstverbots mit einer Maiandacht begangen. Die neu geweihte Statue der Gottesmutter soll eine Begleiterin in diesen schwierigen Zeiten sein.

Mesnerin Maria Utzmeier mit Marienstatue
Mesnerin Maria Utzmeier setzte sich für die Anschaffung der Marienstatue ein. © Veronika Mergenthal

Ainring – Wie in einer meditativen Theater-Choreografie füllt sich, von vorne her, ein markierter Platz nach dem nächsten. Vier Helfer geben mit ruhigen Gesten den Takt vor. Während Volksmusikant Hansl Auer seine Harfe stimmt, erwartet Pfarrer Wernher Bien freudig seine Pfarrfamilie und beobachtet fast ungläubig das skurrile Bild.

Über 20 vermummte Gestalten sind in der Ainringer Pfarrkirche St. Laurentius verteilt. „Man kommt sich vor wie bei einem Raubüberfall“, murmelt einer leise. Dann wird es still. Jeder ist mit sich und seinem Mund-Nasenschutz beschäftigt. Brillenträger nehmen die sich beschlagende Brille ab.

Neue Marienfigur

Diese Maiandacht im Pfarrverband Ainring (Dekanat Teisendorf) war eine der erstem Gottesdienste in der Region Süd. „Ein bisserl gruselig war es schon. Ich hab mich gefreut, dass wir wieder beten können“, verriet Bien hinterher. „Das war auch für mich ein Festtag“, ergänzte Mesnerin Maria Utzmeier. In ihrem Dirndl strahlte sie so richtig. Sie war die treibende Kraft für die Anschaffung einer Marienfigur, die sich die Gläubigen beim Opferkerzen-Ständer wünschten.

Übers Internet fand sie den Südtiroler Schnitzer Florian Rabanser aus Ulrich. Seine 75 Zentimeter hohe Statue aus Lindenholz bekam für die Segnung bei der Andacht einen Ehrenplatz auf dem von der Mesnerin bestickten Deckerl. Mit Kräuterbuschen- und Osterkerzen-Verkäufen sowie beim Pfarrfest erwirtschafteten die Ainringer die rund 1.000 Euro dafür selbst.

Schutzfrau lehrt Gelassenheit

Weil sie grad 52. Hochzeitstag feierte, durfte Utzmeier, die am Tag davor 73 geworden war, den Text von der Hochzeit zu Kana vortragen – ohne Maske. „Die würde ich nicht aushalten.“

Maria sei die Schutzfrau der einfachen Leute, sie sehe die Not der Hochzeitsgesellschaft. Sie habe schon viele Krisen und Seuchen gesehen und „kann uns auch jetzt beistehen in dieser Zeit“, predigte der Pfarrer. In der Figur strahle die Gottesmutter „fröhliche Gelassenheit“ aus. Bien ermutige die Gemeinde, sich der aufblühenden Natur zu erfreuen und wie Maria die nötigen Schritte ruhig und gelassen zu tun.

Harfenist Hansl Auer stellte fest, die Leute seien heute besonders ruhig und andächtig gewesen. Auf dem Friedhof befreiten alle erleichtert ihr Gesicht und tauschten sich – mit genug Abstand – rege aus, etwa über Tipps für bequemere Masken. (Veronika Mergenthal)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Der Mai und Maria

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