GemeinwohlAtlas Marketingexperte gibt der Kirche Tipps zur Imagepflege

24.05.2019

Die Kirche hat ein schlechtes Image, wie das Abschneiden im GemeinwohlAtlas zeigt. Der Münchner Werbefachmann Florian Scherzer hat da ein paar Tipps.

Die Kirche platziere ihre eigentliche Botschaft nicht, sagt Marketing-Experte Florian Scherzer.
Die Kirche platziere ihre eigentliche Botschaft nicht, sagt Marketing-Experte Florian Scherzer. © chiptape - stock.adobe.com

München –„Definitiv hat die Kirche ein Imageproblem“, diagnostiziert Florian Scherzer nüchtern. Das liege allerdings nicht daran, dass zu wenig kommuniziert werde. Der 46-Jährige kennt sich aus, er ist nicht erst seit gestern in der Werbe- und Marketingbranche. Seit 20 Jahren arbeitet er als Art oder Creative Director für verschiedene Agenturen. Ihn überrascht das katastrophale Abschneiden im GemeinwohlAtlas nicht, auch wenn er es schon merkwürdig findet, dass Firmen wie BMW oder die Allianz teils deutlich vor der Kirche landen.

Scherzer, der auch als Schriftsteller tätig ist, macht verschiedene Probleme aus. Zum einen, könne man so positiv über die eigene Aufarbeitung reden wie man wolle, im Gedächtnis bleibe, dann eben doch nur der Skandal. „Das Pflegen von alten Leuten und das Betreiben von Kindergärten wird nie so stark wahrgenommen werden wie der Missbrauch.“ Dabei mache die Kirche ja viel Gutes, aber in der Öffentlichkeit, kreise sie immer nur um sich selbst: Debatten um den „synodalen Weg“ oder über das Zölibat sind vielleicht für die Kirche intern wichtig, interessierten aber die breite Masse eher wenig. Dazu komme, dass bestimmte durchaus öffentlichkeitswirksame Aktionen unglaubwürdig wirkten, wie zum Beispiel Rockmessen.

Florian Scherzer hätte ein paar Ideen für die Kirche.
Florian Scherzer hätte ein paar Ideen für die Kirche. © SMB/Stöppler

Weniger Hirtenbriefe und mehr große Medien

Dabei habe die Kirche ja dieses „2000 Jahre alte Corporate Identity Buch“, sagt der gebürtige Dachauer lachend. In der Bibel stehe ja alles drin. Nur schaffe es die Kirche anscheinend nicht die Botschaften zu konkretisieren. Barmherzigkeit und Nächstenliebe sind Botschaften, die in den meisten gesellschaftspolitischen Themen eine wichtige Rolle spielten. Aber es gebe keine Aussagen zu konkreten Problemen wie etwa die Wohnungsnot in München oder der Abschiebepraxis von Flüchtlingen in Deutschland. Zumindest seien diese oft für eine breite Öffentlichkeit nicht erreichbar. Der Hirtenbrief oder die Predigt seien da nur bedingt geeignet. Besser wäre ein ganz niedrigschwelliger Zugang wie Lokal- oder Stadteilzeitungen.

Wie steht die Kirche eigentlich zu....?

Der Papst mache das viel geschickter. Er schaffe es Botschaften ganz greifbar an realen Problemen festzumachen wie bei seinem Besuch von Flüchtlingslagern auf Lampedusa. In Deutschland schaffe die Kirche das nicht. Zwar gebe es genug Äußerungen zu etwa Nachhaltigkeit, aber nicht zu konkreten Aktionen wie etwas Fridays for Future. Dabei gehe es nicht darum, sich gemein zu machen, aber man könnte Unterstützung signalisieren oder eben auch Kritik äußern.

„Was passiert, wenn es keine kirchlichen Kindergärten mehr gibt?“ Diese Frage müsse die Kirche aktiv stellen. Sie ließe sich beliebig ausbauen auf Schulen, Krankenhäuser oder Altersheime. So könne vielleicht eine Kampagne aussehen. Auch die Kirchensteuer wäre ein gutes Thema. Dafür müsse man die konkreten Zahlen aber breiter streuen und nicht nur im Jahresbericht veröffentlichen. Wie viel bekommt die Caritas, wieviel geht an Altersheime und Kindergärten. So würde man auch Populisten den Wind aus den Segeln nehmen und sich gleichzeitig in eine starke Position bringen.

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de


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