Deutsche Bischofskonferenz Marx fordert mehr Einsatz gegen rechte Gewalt

17.10.2019

Bei einer Pressekonferenz in Berlin spricht Kardinal Reinhard Marx über das Attentat in Halle, das Klimapaket der Bundesregierung sowie über den Syrienkonflikt und innerkirchliche Debatten.

Kardinal Marx äußert sich in Berlin zu rechter Gewalt, den Klimazielen und innerkirchlichen Debatten.
Kardinal Marx äußert sich in Berlin zu rechter Gewalt, den Klimazielen und innerkirchlichen Debatten. © imago

Berlin – Eine Woche nach der Bluttat von Halle hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erneut sein Mitgefühl mit den Opfern und seine Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft bekräftigt. Die Morde von Halle hätten ihn "zutiefst erschüttert", sagte Marx am Mittwoch in Berlin. Er denke auch an die 50 Menschen, die in der Synagoge gewesen seien.

"Wir müssen alles tun, dass alle Tendenzen hin zu Hass und Antisemitismus überwunden werden", betonte der Kardinal. Die Botschaft der Kirche müsse klar sein: "Wir lassen uns nie mehr trennen von unseren jüdischen Brüdern und Schwestern." Marx beklagte ein Anwachsen des Rechtspopulismus in viele Ländern. Dabei würden auch die Grenzen zum Rechtsradikalismus "schwammig". Dies gelte besonders für die Verrohung der Sprache. Das sei "außerordentlich beunruhigend".

Erinnert an "Laudato si"

Zudem rief er zu einer Umsetzung der "ehrgeizigen Ziele" der Pariser Klimakonferenz 2015 auf. Es gehe um das Überleben, so Marx. Das von der Bundesregierung teilweise schon auf den Weg gebrachte Klimapaket "scheint mir noch nicht ausreichend", meinte der Kardinal. Es werde suggeriert, mit ein paar Maßnahmen sei der Klimawandel zu stoppen. "Da müssen wir globaler denken." Er erinnerte an die Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus, die dieser bewusst vor der Klimakonferenz in Paris 2015 veröffentlicht habe.

Mit Blick auf den Syrienkonflikt sprach Marx von einem "klaren Bruch des Völkerrechts". Er beklagte die Vertreibung unzähliger Menschen, darunter auch Christen, und kritisierte die Waffenexporte. Zur Seenotrettung sagte er, die Grenze des Mittelmeeres dürfe "keine Grenze des Todes" sein. Nötig sei ein faires Verfahren. Es dürfe niemand in eine Situation von Krieg und Gewalt zurückgeschickt werden. Zugleich müssten die Fluchtursachen angegangen werden.

Notwendig und überfällig

Auch zu innerkirchlichen Debatten äußerte sich Marx. Er sprach sich dabei erneut für eine stärkere Beteiligung von Frauen in der katholischen Kirche aus. Sie sei "notwendig und überfällig". Mit "großer Wucht und Eindringlichkeit" hätten das bei der derzeit in Rom stattfindenden Amazonas-Synode auch Länder in Südamerika gefordert. Zudem sei eine mögliche Lockerung des Zölibats Thema in Rom. Viele Bischöfe aus Südamerika seien der Ansicht, es könne nicht hingenommen werden, dass Messen in bestimmten Regionen nicht einmal in der Woche stattfinden könnten, weil es nicht ausreichend Priester gebe.

Mit Blick auf Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer hofft Marx auf eine Entscheidung "in den nächsten Monaten". Die Summe, die Opfer erwarten könnten, werde höher sein. Es sei aber "völlig abwegig, jetzt schon über Summen zu spekulieren". Nach der bisherigen Regelung der "Anerkennung zugefügten Leids" erhalten Betroffene Pauschalzahlungen von rund 5.000 Euro, in Einzelfällen auch mehr. Bislang wurden nach Angaben der Bischofskonferenz rund 9,7 Millionen Euro bewilligt. (kna)


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