Interreligiöser Dialog Marx: Miteinander von Juden und Christen stärker sichtbar machen

26.04.2021

In einer Videobotschaft sprach Kardinal Marx von der Bedeutung des Judentums für die Glaubensgeschichte des Christentums. Gleichzeitig warnte er vor der Gefahr des Antisemitismus.

zwei Hände die sich halten
Kardinal Marx ist der Dialog zwischen Juden und Christen wichtig. © patila - stock.adobe.com

München/Würzburg – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wünscht sich für die Zukunft, dass das lebendige Miteinander von Juden und Christen stärker sichtbar wird. Zugleich gelte es, noch mehr voneinander zu lernen, sagte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag in einer Videobotschaft. Anlass war die Fertigstellung des bayerischen Synagogen-Gedenkbands "Mehr als Steine", dessen letzte Bücher im jüdischen Gemeindezentrum "Shalom Europa" in Würzburg präsentiert wurden.

Religiöse Vorstellungswelt

Jesus sei schließlich "nicht zunächst katholisch oder evangelisch", erinnerte Marx. "Er ist zunächst gläubiger Jude und wir können ihn nicht kennenlernen, ohne dass wir wirklich tief einsteigen in die Geschichte des Judentums, des Alten Testaments, in seine religiöse Vorstellungswelt." Zugleich würdigte der Kardinal die Werke des Synagogen-Gedenkbands als wichtige Dokumente des Lebens jüdischer Gemeinden in Deutschland.

Die Bände könnten ein Anstoß für weitere Aufarbeitung sein. "Denn natürlich wissen wir, die Geschichte des Judentums in Europa ist auch verwoben mit einer großen Schuldgeschichte, auch der katholischen Kirche", so Marx. Die Judenfeindschaft in Europa, "die auch die Kirche mitbefördert hat, war sozusagen ein Anknüpfungspunkt für den rassistischen Antisemitismus", der im 20. Jahrhundert zur "schrecklichen Schoah" führte, wie Marx ergänzte.

Judentum als heilige Wurzel 

Im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) habe die katholische Kirche ein neues Kapitel aufgeschlagen, erinnerte Marx. Damit sei deutlich geworden, "dass die Juden unsere älteren Geschwister sind, dass das Judentum die heilige Wurzel ist, aus der das Christentum hervorgegangen ist". Somit gelte für Christen, "dass wir uns selbst nicht verstehen können, ohne die Juden kennenzulernen: das Alte Testament, die jüdische Geschichte, die jüdische Liturgie".

Er sei "froh darüber, dass in den Jahrzehnten nach dem Konzil der intensive Dialog zwischen Juden und Christen fortgesetzt wurde", sagte der Kardinal. Zugleich warnte er, der Antisemitismus sei nicht überwunden, sondern bleibe "eine große Gefahr für das Zusammenleben der Menschen". Das Gesamtwerk "Mehr als Steine" sei nun ein Beispiel, "wie der Dialog eben nicht nur theoretisch stattfindet, sondern sich praktisch zeigt". Hier müsse weiter angesetzt werden; auch habe stets zu gelten: "Juden und Christen lassen sich in unserem Land nie wieder auseinanderbringen!" (kna)


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