Nachsynodales Schreiben von Franziskus Marx: Papstschreiben beendet nicht Debatte über Kirchenreformen

12.02.2020

Am Mittwoch wurde das Abschlussdokument von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode veröffentlicht. Darin lehnt er Weiheämter für Frauen vorerst ab. Auch befürwortet er keine Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester. Für Kardinal Reinhard Marx sind Reformdiskussionen damit aber nicht abgeschlossen.

Kardinal Reinhard Marx blickt nach oben
Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz © imago images / Sven Simon

Bonn – Nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus mit seinem Schreiben zur Amazonas-Synode kein Stoppschild aufgestellt für weitere Reformdebatten wie den Synodalen Weg in Deutschland. "Die Fragen der 'kirchlichen Vision' werden gut, auch für die Situation bei uns in Deutschland, studiert werden müssen. Ich sehe nicht, dass eine Diskussion abgeschlossen ist", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Mittwoch in Bonn.

Zugleich verwies Marx darauf, dass das Schlussdokument der Amazonas-Synode und das jetzt veröffentlichte Papstschreiben eine Einheit darstellten und zusammen betrachtet werden müssten: "Der Papst stellt klar: Das Gesamte ist die Frucht der Synode." Es sei bemerkenswert, dass Franziskus die Relevanz beider Schreiben betone und ausdrücklich nicht das eine durch das andere aufhebe.

Relevanz für Synodalen Weg

Reformorientierte Beobachter hatten auf konkrete Aussagen zu einer stärkeren Rolle der Frauen und zur Priesterweihe von verheirateten Männern gehofft. Das Schlussdokument hatte entsprechende Überlegungen aufgegriffen. In seinem aktuellen Schreiben greift der Papst diese nicht auf. Er lehnt Weiheämter für Frauen, etwa als Diakoninnen, vorerst ab. Auch befürwortet er einstweilen keine Lockerung der Zölibatspflicht für katholische Priester.

Franziskus fordere allerdings auf, weiter über diese Themen zu diskutieren, betonte Marx. Allerdings seien dabei die Unterschiede zwischen der Amazonas-Region und anderen Teilen der Welt zu beachten. Die im Papstschreiben enthaltenen Anregungen würden auch in die Diskussionen des Synodalen Wegs zur Zukunft des kirchlichen Lebens in Deutschland einfließen. Franziskus gebe dazu "eine ganze Reihe an pastoralen Anregungen".

Darüber hinaus, so der Kardinal weiter, sei er der festen Überzeugung, "dass die vielen Aspekte des neuen Dokumentes wichtige Impulse für die Arbeit der Kirche mit Blick auf soziale und ökologische Fragen bieten".

Die deutschen Bischöfe würden bei der anstehenden Frühjahrs-Vollversammlung in Mainz Anfang März "über diesen Text und dessen Bedeutung für die Kirche in Deutschland, aber auch die Weltkirche, beraten. Sicherlich werden auch Punkte in die entsprechenden Foren des Synodalen Weges mit einfließen."

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

Edgar Büttner
© privat

Zum nachsynodalen Schreiben von Papst Franziskus Beharrlichkeit ist gefragt

Edgar Büttner ist verheiratet und Priester. Was sagt er zu dem Papstschreiben ’Querida Amazonia’?

13.02.2020

Frauen demonstrieren vor dem Frankfurter Dom mit Plakaten für mehr Rechte in der katholischen Kirche
© Synodaler Weg

Reaktionen auf „Querida Amazonia“ Frauenverbände sind enttäuscht vom Papstschreiben

Papst Franziskus hat in seinem nachsynodalen Schreiben Weiheämter für Frauen vorerst abgelehnt. Für die Frauenverbände ein herber Rückschlag.

12.02.2020

Blick von unten hinauf auf einen Baum, Wurzeln sind im Vordergrund
© Vera Kuttelvaserova - stock.adobe.com

Nachsynodales Schreiben zur Amazonas-Synode Großartige Zumutung

Das langersehnte Papstschreiben zur Amazonas-Synode ist veröffentlicht. Wer klare Ansagen erwartet hat, wird enttäuscht sein. Alois Bierl sieht trotzdem in dem Dokument eine großartige Zumutung.

12.02.2020

Nachsynodales Schreiben zur Amazonas-Synode
© kna

Reformdebatte Das Amazonas-Papier und seine Folgen für den Synodalen Weg

Immer wieder wurde gesagt: Der Text des Papstes zur Amazonassynode wird sich auf die kirchliche Reformdebatte in Deutschland auswirken. Nachdem er nun vorliegt, bleibt dennoch vieles offen.

12.02.2020

© Kiderle

Keine zweite Amtszeit

Seine Ankündigung hat hohe Wellen geschlagen: Kardinal Reinhard Marx hat in einem Brief an die Deutsche Bischofskonferenz seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur für den Vorsitz angekündigt. Er...

12.02.2020

Papst Franziskus schwenkt ein Weihrauchfass, links daneben ist ein Kreuz
© imago images / Rene Traut

Abschlussdokument Amazonas-Synode veröffentlicht Papst lockert Zölibatspflicht vorerst nicht

Es wurde viel gehofft und auch spekuliert, dass es nach der Amazonas-Synode Ausnahmen vom Zölibat geben wird. Im Abschlussdokument von Papst Franziskus ist davon nicht die Rede. Auch zum Thema...

12.02.2020

Papst Franziskus mit Teilnehmern zum Abschluss der Amazonas-Bischofssynode.
© kna

Vatikan Amazonas-Synode für verheiratete Priester in Ausnahmefällen

Drei Wochen tagte im Vatikan die Amazonas-Synode. Nun wurde das Abschlussdokument veröffentlicht. Es thematisiert auch die Zulassung von Frauen zum Diakonat.

26.10.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren