Corona-Pandemie Marx warnt vor Fundamentalismus und Verschwörungstheorien

08.09.2020

Wie sehen die Folgen der Corona-Krise aus? Was bedeutet das für Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Kirche? Dazu macht sich der Münchner Kardinal Reinhard Marx grundsätzliche Gedanken.

Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx © imago images / photothek

München –Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnt vor Fundamentalismus, Nationalismus und Verschwörungsmythen als Folgen der Corona-Krise. Dabei müsste diese Krise eigentlich "die Kräfte der Solidarität und der Orientierung am 'Welt-Gemeinwohl' stärken", schreibt er in einem Gastbeitrag für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA, Dienstag): "Dann wäre die Krise auch eine Chance."

Stattdessen aber erlebe die Welt seit Jahren, "dass in vielen Ländern, auch etwa in den USA und Europa, die Polarisierungen, der Nationalismus, der politische und religiöse Fundamentalismus (in allen Religionen) zunimmt und das verbunden zum Teil mit kruden Verschwörungstheorien und plakativen Schuldzuweisungen." Ein Weg zu einer erneuerten weltweiten Solidarität sehe anders aus, so Marx weiter.

Pademie beschleunigt und verschärft Tendenzen

Er schließe sich denen an, die schon jetzt - "noch mitten in der Krise" festhielten, "dass eine einfache Rückkehr zu dem, was vorher war, so nicht gelingen kann und dass diese Pandemie, die in alle Lebensbereiche hineinreicht, Tendenzen beschleunigt und verschärft, die schon vorher erkennbar waren".

Auch wenn es so scheine, dass die Europäische Union ein wenig stärker zusammenrücke und sich auch als globaler und politischer Akteur aufstellen wolle, befürchte er doch, so der Kardinal, dass dies "in einem Jahr vergessen sein" werde und dass "wir verstärkt in eine Renationalisierung und einen Wettbewerb der Eigeninteressen hinübergehen".

Fundamentalismus mit Glauben nicht vereinbar

Gerade in dieser Krise würden "auch im Bereich der Religion die Fundamentalismen stärker", ergänzt der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: "Und auch diese Tendenzen gab es vorher schon, und zwar in allen Religionen. Glaube und Religion werden benutzt für politische Zwecke, für Ideologien, für Abgrenzung und Hass."

Krisen seien eben nicht nur Ausgangspunkte neuen Verstehens, sondern oft Orte der Angst und der Abgrenzung. Dabei bekenne sich die Kirche zu einem Gott, "der der Vater aller Menschen ist, nicht nur der Christinnen und Christen. Und deshalb ist jeder Fundamentalismus mit dem Glauben an den Gott und Vater Jesu Christi unvereinbar."

Die Kirche könne daher nur auf der Seite derer stehen, "die sich für das gemeinsame Haus der Schöpfung für alle Menschen einsetzen und auf der Seite der verantwortlichen Freiheit stehen, die Ausdruck der Gottebenbildlichkeit des Menschen und damit seiner Würde ist". (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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