Nach Weltbild-Insolvenz Marx weist Vorwürfe gegen Kirche zurück

13.01.2014

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat Vorwürfe gegen die Kirche hinsichtlich der Führung des Weltbild-Konzerns zurückgewiesen. Er stellte den Angestellten der Verlagsgruppe umfangreiche Hilfen seitens der Bistümer in Aussicht.

Kardinal Reinhard Marx (Bild: imago)

München/Augsburg - Nach dem Insolvenzantrag von Weltbild hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx Vorwürfe gegen die Kirche zurückgewiesen. "Wir konnten es als Gesellschafter nicht verantworten, auf absehbare Zeit dreistellige Millionensummen aus Kirchensteuermitteln zu investieren", sagte Marx am Sonntag der "Süddeutschen Zeitung" (Online). Die Kirche werde die um ihre Arbeitsplätze bangenden Beschäftigten aber nicht im Stich lassen. "Wir sind kein skrupelloser Unternehmer, der die Mitarbeiter einfach davonjagt." Am Freitag hatte der zweitgrößte deutsche Buchhändler in Augsburg überraschend Insolvenz angemeldet. Die Verlagsgruppe gehört der katholischen Kirche.

Der Münchner Erzbischof verteidigte die Entscheidung der Gesellschafter, über die bereits zugesagten 65 Millionen Euro hinaus keine weiteren Millionen zur Sanierung der Verlagsgruppe bereitzustellen. "Wir sind überrascht worden von dem Kapitalbedarf, den uns die Geschäftsführung vergangene Woche nannte." Dieser sei mehr als doppelt so hoch gewesen als bisher bekannt und hätte von den Gesellschaftern kurzfristig aufgebracht werden müssen. Zudem seien die weiteren Geschäftsprognosen "vage und Folgekosten nicht absehbar". Die Kirche habe nicht nur Verantwortung für die Weltbild-Mitarbeiter, sondern auch für die Kirchensteuerzahler.

Der Kardinal stellte den Angestellten der Verlagsgruppe umfangreiche Hilfen seitens der Bistümer in Aussicht. Er könne sich ein Engagement in dem Umfang der zunächst für eine Sanierung zugesagten Mittel vorstellen, erklärte Marx. "Aber zunächst muss sich der Insolvenzverwalter einen Überblick verschaffen und den tatsächlichen Bedarf ermitteln."

Der Kardinal nahm auch Stellung zur Kritik der Gewerkschaft ver.di. Diese hatte den Gesellschaftern vorgehalten, jahrelang mit Weltbild gut verdient zu haben und das Unternehmen jetzt "zum Teufel zu jagen". Marx: "Wir haben in den letzten Jahren jeden Euro Gewinn in das Unternehmen reinvestiert, zudem haben die Gesellschafter immer wieder zusätzlich Geld zur Verfügung gestellt." Es sei richtig gewesen, am kirchlichen Engagement bei Weltbild so lange festzuhalten. "Wir wollten nicht zu früh aufgeben."

Bischöfe könnten keine Unternehmer sein, sagte Marx. "Deshalb wollten wir ja auch zügig mit einer Stiftung eine neue Gesellschafterstruktur schaffen und professionelle Medienexperten von außen als unabhängige operativ Verantwortliche verpflichten." Dazu sei es aber leider nicht mehr gekommen. (kna)

Kategorie: Vor Ort
ID: 9
Kategorie: Aufmacher Startseite
ID: 16
Hauptkategorie: Vor Ort
ID: 9

Das könnte Sie auch interessieren

bücher.de Weltbild übernimmt Onlinebuchhändler

Die Verlagsgruppe Weltbild hat den Onlinebuchhändler buecher.de komplett übernommen. Das Unternehmen vertraue auf das Potenzial des Geschäftsmodells. Über den Kaufpreis wird geschwiegen.

27.08.2014

Insolvente Verlagsgruppe Neuer Investor für Weltbild

Die Vertragsverhandlungen zwischen Paragon und Weltbild sind gescheitert. Die insolvente Verlagsgruppe verkauft an einen neuen Investor. Die Düsseldorfer Droege Group wird neuer Haupteigentümer.

16.07.2014

Investor gefunden Weltbild wird als Ganzes fortgeführt

Für den insolventen Weltbild-Verlag ist ein neuer Investor gefunden. Wie am Montag bekannt gegeben wurde, haben Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und der Münchner Finanzinvestor Paragon Partners GmbH...

13.05.2014

Weltbild 656 Mitarbeiter sollen in Auffanggesellschaft wechseln

Der Insolvenzverwalter der Verlagsgruppe Weltbild in Augsburg ist am Donnerstag vor die Belegschaft getreten. Seine Botschaft: Ein gutes Drittel der Augsburger Angestellten, also etwa 650 Mitarbeiter,...

20.03.2014

Geschäfte sollen weitergehen Bischöfe beschließen: 65 Millionen für Weltbild

Die katholischen Bischöfe haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen zur Unterstützung der insolventen Verlagsgruppe Weltbild verständigt. Sie beschlossen bis zu 65 Millionen Euro für das Unternehmen...

28.01.2014

Weltbild-Insolvenz Erzbistum München und Freising unterstützt mit 20 Millionen Euro

Laut einem Zeitungsbericht wollen die Bistümer München und Freising und Augsburg Arbeitsplätze bei Weltbild retten. Offenbar wollen sie Gelder in Höhe von 35 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das...

24.01.2014

Weltbild-Insolvenz Generalvikar Beer: "Wir konnten den Weg nicht mehr weitergehen"

Das Erzbistum München und Freising ist von der Insolvenz des Medienunternehmens Weltbild direkt betroffen. Die Diözese habe damit Einlagen und gewährte Darlehen verloren, sagte Generalvikar Peter Beer...

14.01.2014

Insolvenz von Weltbild Krüger: Wegbrechen des Buchhandels wäre Katastrophe

Nach dem Weltbild-Insolvenzantrag fürchtet Michael Krüger negative Auswirkungen auf den Buchhandel. Der gerade aus der Rolle des Verlagschefs ausgeschiedene Doyen der deutschen Literaturlandschaft...

13.01.2014

Insolvenz von Weltbild Verdi fordert Sicherung der Arbeitsplätze

Verdisekretär Thomas Gürlebeck hat den Weltbild-Eigentümern vorgeworfen, sich aus „der Verantwortung stehlen zu wollen“. Der Augsburger Gewerkschafter forderte eine enge Beteiligung der...

11.01.2014

Insolvenz des kirchlichen Medienunternehmens Aufsichtsratsvorsitzender Beer: Soziale Verantwortung für Weltbild-Mitarbeiter

Nach dem Insolvenzantrag des Weltbild-Verlags in Augsburg hat der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Beer angekündigt, die Beschäftigten nicht im Stich zu lassen. „Die erste Sorge muss natürlich den...

10.01.2014

Weltbild Marx: Engagement ist moralische Verpflichtung

Jetzt ist es offiziell: das Erzbistum München und Freising wird sich weiter bei Weltbild engagieren. Die anderen Gesellschafter stehen noch nicht fest. Die Neuordnung des Medienkonzerns soll zügig...

07.11.2013

Miteigentümer über Verlagsgruppe Weltbild soll Gewinne erwirtschaften

Weltbild soll sich künftig ohne Zuschüsse wieder am Markt behaupten und Gewinne erwirtschaften. Das sagte der Geschäftsführer der Katholischen Soldatenseelsorge als Miteigentümer von Weltbild,...

06.11.2013

Verlagsgruppe Weltbild Alt-Eigentümer müssen 130 Millionen Euro abschreiben

Eine Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild scheint laut einem Zeitungsbericht vorerst abgewendet. Es gebe Kapitalzusagen in Höhe von rund 60 Millionen Euro. Gleichzeitig hätten die Gesellschafter bei...

04.11.2013

Bistum Augsburg 15 Millionen Euro für Weltbild

Der angeschlagene katholische Medienkonzern Weltbild erhält eine Finanzspritze. Mit 15 Millionen Euro will das Bistum Augsburg der Verlagsgruppe helfen - auch aus "besonderer Sorge" um die...

23.10.2013

Rote Zahlen Weltbild: Stellenabbau beim Kundendienst

Der angeschlagene Medienkonzern Weltbild baut Stellen beim Kundendienst ab. Angesichts der Verlustsituation des Verlags sei man zu diesem Schritt gezwungen, so die Geschäftsführung. Der Kundendienst...

21.10.2013

Weltbild Bischöfe wollen Fortbestand sichern

Für die Zukunft des kirchlichen Weltbild-Verlags soll eine stabile Lösung gefunden werden. Das teilten die Bischöfe am Mittwoch mit. Sie haben bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda über die Zukunft...

25.09.2013

Weltbild Betriebsrat appelliert an Bischöfe

Der Betriebsrat der Verlagsgruppe Weltbild ersucht die deutschen Bischöfe in einem Brief, Kündigungen bei dem Medienkonzern zu verhindern. Die Zukunft von Weltbild diskutieren die Bischöfe am Mittwoch...

24.09.2013

Trotz Insolvenzgerüchten Weltbild will ab 2015 wieder schwarze Zahlen schreiben

Seit Jahren ist die Verlagsgruppe Weltbild in den Schlagzeilen. Zuletzt kursierten Insolvenzgerüchte, gegen die sich das Unternehmen entschieden wehrte. Nun gibt es anscheinend einen Lichtblick.

19.09.2013

„Vorübergehende Verlustsituation“ Weltbild tritt Insolvenzgerüchten entgegen

Seit Jahren ist die Zukunft des Augsburger Verlagshauses Weltbild ungewiss. Das Unternehmen wehrt sich nun gegen einen Zeitungsbericht, laut dem eine Insolvenz kurz bevorsteht.

11.09.2013

Insolvenz des Weltbild-Verlags Aufsichtsratsvorsitzender Beer: Soziale Verantwortung für Weltbild-Mitarbeiter

Nach dem Insolvenzantrag des Weltbild-Verlags in Augsburg hat der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Beer angekündigt, die Beschäftigten nicht im Stich zu lassen. „Die erste Sorge muss den...

Deutsche Bistümer stoppen Zahlungen Verlagsgruppe Weltbild insolvent

Der zweitgrößte Buchhändler Deutschlands steht vor dem Aus: Die Verlagsgruppe Weltbild hat nach Gewerkschaftsangaben einen Insolvenzantrag gestellt. Die deutschen Bistümer haben ihre Kapitalzusagen in...

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren