Denken & Beten Marx: Wir brauchen ein neues Sprechen über Gott

16.09.2019

Kardinal Marx findet deutliche Worte gegen die Instrumentalisierung und wachsende Fundamentalisierung des Glaubens. Er ruft dazu auf diesen Entwicklungen entgegenzuwirken.

Kardinal Reinhard Marx für ein neues Sprechen über Gott.
Kardinal Reinhard Marx für ein neues Sprechen über Gott. © imago

München – Nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx steht das Christentum in Europa vor der Aufgabe, eine neue Art des Sprechens über Gott zu entwickeln. "Es geht nicht nur darum, das und jenes zu verändern", sagte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag in der Pfarrkirche Sankt Sylvester in München-Schwabing. Vielmehr sei es nötig, die alte Austauschreligion zu beenden, "die in unseren Köpfen und Herzen stark geblieben ist: Da ist jemand, dem muss ich etwas geben".

Glaube als Instrument und Selbstzweck

Zugleich warnte Marx vor Engführungen, die aktuell in der Gesellschaft zu beobachten seien: "Religion, auch das Christentum, wird neu benutzt für politische und kulturelle Identität, die man sonst nicht gewährleisten kann." Es werde Sicherheit gesucht, indem man sich auf die religiöse Tradition berufe, wobei der Glaube selbst relativ unwichtig sei. Hier werde dieser zum Instrument.

Hinzu komme eine wachsende Fundamentalisierung, die man teilweise auch im Christentum beobachten könne, so der Kardinal. "Fundamental heißt: Wir brauchen keine Lehre von Gott, kein Denken, keine Aufklärung. Man muss dann eben glauben, fertig." So werde Kirche zu einer Institution, "die um sich selbst kreist und alles weiß, keine Fragen mehr braucht, keine Beratung, keine Wissenschaft".

Beten soll öffnen

Marx gab die Empfehlung, solchen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen: "Wir beten und denken, denken und beten, ein denkendes Gebet und ein betendes Denken. Beten ist Aufklärung, nicht Verdunklung, nicht Verengung." Es solle den Menschen nicht klein machen, sondern ihn frei machen zum eigenen Denken, dazu, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren.

Den Gottesdienst feierte der Kardinal mit dem Jesuitenpater Michael Bordt, Vorstand des Instituts für Philosophie und Leadership an der Hochschule für Philosophie München. Die Messe eröffnete ein neues Jahrzehnt der Reihe "Denken & Beten", zu der die Jesuiten der Hochschule für Philosophie seit Herbst 2008 jeweils sonntags und feiertags einladen. Sie richtet sich besonders an Christinnen und Christen, die eine anspruchsvolle Predigt, eine schlichte, aber würdevolle Gottesdienstgestaltung und einen besonderen musikalischen Akzent suchen. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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