Synodaler Weg Marx: "Wollen die Kirche nicht neu erfinden"

23.01.2020

Vor dem Start des Synodalen Wegs zeigt sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx zuversichtlich. Ihn ärgere aber der Vorwurf, dass man eine Loslösung von Rom betreibe.

Kardinal Reinhard Marx im Erzbischöflichen Palais.
"Man könne die Lage nicht schönreden." © SMB

München – Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat erneut vor überhöhten Erwartungen an die katholische Reformdebatte in Deutschland gewarnt und sich gegen Vorbehalte zur Wehr gesetzt. "Wir wollen die Kirche nicht neu erfinden", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem am Mittwoch in München veröffentlichten Interview in der Münchner Kirchenzeitung. Dass die Deutschen angeblich eine Loslösung vom Papst betrieben, sei ein Vorwurf, der ihn persönlich ärgere. Der Papst sei das Fundament der Einheit, an dem nicht gerüttelt werden dürfe. Am Ende entscheide der Papst oder ein Konzil über Streitfragen.

Vom 30. Januar bis 1. Februar findet die erste Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt am Main statt. An der auf zwei Jahre angelegten Reformdebatte von Bischöfen und Laien nehmen 230 Mitglieder teil, dazu der Apostolische Nuntius und 25 Beobachter. Dabei soll es vor allem um die Themen Macht, Sexualmoral, Lebensform der Priester und die Rolle von Frauen in der Kirche gehen. Der Missbrauchsskandal hatte die Kirche in eine Vertrauenskrise gestürzt, in der Rufe nach Reformen lauter wurden.

Das Mögliche und das Notwendige

Marx sagte, er erhoffe sich, dass am Ende des Weges "eine größere Einmütigkeit und Motivation steht, eine größere Klarheit, wie wir weitergehen wollen". Der Kardinal rief dazu auf, miteinander zu reden, aufeinander zu hören und aufmerksam zu sein. "Da müssen sich auch Meinungen ändern können." Der Heilige Geist komme aber nicht mit einem Lautsprecher und rufe die Lösung ins Ohr. Wo indes kein gemeinsamer Weg gefunden werde, "können wir stehen lassen, dass eine Einmütigkeit noch nicht möglich ist". Die Kirchengeschichte sei voll von Ereignissen, bei denen es keine direkte Lösung gegeben habe, sondern erst in 20, 30 oder 100 Jahren.

Zugleich gelte es in Deutschland, das Notwendige und Mögliche zu erkennen und dann zu tun. Die derzeitige Situation könne nicht mehr schöngeredet werden. Der Kardinal plädierte dafür, Macht zu teilen und zu kontrollieren. "Wir müssen sagen können, wir sind in den Entscheidungen transparent, wir haben klare Verantwortlichkeiten, es gibt eine Kontrolle der Macht, etwa durch Verwaltungsgerichtsbarkeit und Nachprüfbarkeit von Entscheidungen." (kna)


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