Museum Fünf Kontinente Masken vom anderen Ende der Welt

27.02.2019

Cowboys, Ritter, Prinzessin – wenn der Fasching hier seinem Höhepunkt entgegenfiebert, sind zahlreiche Menschen bei uns verkleidet. Aber Maskentraditionen gibt es überall. Manchmal haben sie einen tiefen religiösen Ursprung, wie ein Beispiel vom anderen Ende der Welt zeigt.

Die Maske der Sulka aus Neubritannien © SMB/Fleischmann

München – Das Museum Fünf Kontinente in München ist ein traditionsreiches Haus, das sich der Vielfalt menschlicher Kulturen auf der ganzen Welt widmet. Hilke Thode-Arora kümmert sich um den Bereich Ozeanien. „Die Region Ozeanien bedeckt flächenmäßig ein Drittel der Erde und besteht doch aus vergleichsweise wenig Landmasse“, sagt die Ethnologin. „Nördlich von Papua-Neuguinea liegen die Inseln Neubritannien und Neuirland. Sie gehören zu Melanesien und dort gibt es eine ganz ausgeprägte und einzigartige Maskentradition.“

Die Inseln liegen rund 14.000 Kilometer Luftlinie von Bayern entfernt und haben scheinbar wenig mit unserer Maskentradition gemein. Aber die Expertin meint: „Ich denke, dass es dieses Bedürfnis nach besonderen Zeiten überall gibt. Man möchte aus dem Alltag austreten und mit Maskenritualen Geschichten erzählen.“

Die Zwei-Meter-Umfang-Maske

Klar ist aber auch: Die Völker auf diesen Inseln feiern ihre Verkleidung nicht aus Jux und Tollerei, sondern empfinden sie als tief religiös-spirituelles Erlebnis. Ein Beispiel, welche Wichtigkeit diesen Ritualen zukommen, ist die schiere Größe und Kunstfertigkeit einer Maske der Sulka auf Neubritannien.

Kuratorin Hilke Thode-Arora
Kuratorin Hilke Thode-Arora © SMB/Fleischmann

„Die Maske ist eine Art Kegel, den man sich auf den Kopf setzt, der dann in einen Schirm übergeht. Der hat einen Durchmesser von über zwei Metern“, sagt Hilke Thode-Arora, die selbst mehrere Jahre in Ozeanien geforscht hat. Noch ein Unterschied zum europäischen Fasching: „Die Maskentänze sind in dieser Region nur bestimmten Männern vorbehalten und oft Teil eines Männlichkeitsrituals, also wenn Jungen zu Männern werden. Man muss sich vorstellen, dass diese Maskentänze nicht bei konstantem elektrischen Licht getanzt werden, sondern bei flackerndem Feuer. Die Ornamente an der Unterseite des Schirms fangen dann richtig zu leben an.“

Die Schönheit der Welt

Bis eine Maske der Sulka hergestellt ist, können Monate oder sogar Jahre vergehen. Und: Viele Clans haben eine Art Copyright auf ihre Muster. Dass die Stämme so viel Zeit und Energie in ihre Masken stecken, hat viele Gründe, sagt Kuratorin Thode-Arora. Ein ganz wichtiger ist aber: „Diese Masken sollen zeigen, wie wohl geordnet die Welt ist. Aus christlicher Sicht würde man sagen, wie schön die Schöpfung ist.“

Wer sich selbst mal ein Bild dieser Masken machen möchte, der kann das in der Abteilung Ozeanien im Museum Fünf Kontinente in der Münchner Maximiliansstraße tun.

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fasching

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