Predigtbuch des Münchner Jesuiten Karl Kern Matthäus in Zeiten des Umbruchs

09.12.2019

Ein Predigtbuch des Münchner Jesuiten Karl Kern ist erschienen. Es beschreibt, was uns heute mit dem Matthäusevangelium verbindet.

Pater Karl Kern stellt sein neues Buch vor.
Pater Karl Kern stellt sein neues Buch vor. © Kiderle

München – Pater Karl Kern SJ, Rektor der Jesuitenkirche St. Michael in München, hat ein neues Buch vorgelegt: „Das Alte neu sagen – Matthäus für heute“. Im Vorwort liest man: „Die epochale Zeitenwende von heute verbindet uns mit dem Matthäusevangelium. Die überkommene Tradition muss neu gedeutet werden. Die Fragen und Herausforderungen unserer Zeit verlangen Antworten von der Wurzel des Christentums, von den Evangelien und der Jesusgeschichte her. Gerade Matthäus kann uns lehren, dass Tradition und nach vorne weisende Vision eins sein können.“

Das Matthäusevangelium war als innerjüdische Schrift konzipiert. „Spannend ist“, betont Pater Kern, „dass dieser schriftkundige Jude die überkommene Tradition im Licht der Jesusgeschichte neu deutet. In Jesus von Nazareth sieht er die Verheißungsgeschichte Israels erfüllt und geweitet … Jesus ist von Anfang an der ,Immanuel‘, der ,Gott-mit-uns‘.“

Predigten in Sankt Michael

Der 176 Seiten starke Band ist aus 32 Predigten in St. Michael entstanden. Der Duktus der freien Rede wurde auch in der schriftlichen Form beibehalten. „Das Alte neu sagen“ ist allerdings mehr als ein zusammengewürfeltes Predigtbuch. Es gibt einen Durchblick durch das ganze Evangelium, aus dem im Lesejahr A, das am ersten Advent beginnt, meist bei den Sonntagsgottesdiensten vorgelesen wird. Und es ist ein Glaubenskurs, der den christlichen Glauben vertiefen und spirituell Interessierte auf den Geschmack des Glaubens bringen will.

Zwei Predigten („Die Wahrheit der Legende“ über die drei Sterndeuter, und „Auferstehung hier und jetzt“) sind in der literarischen Form eines Dialogs mit einem suchenden, der Kirche fernstehenden Menschen aufgebaut. In einer Citykirche im Herzen Münchens zu predigen, heißt: die Grundbotschaft einladend und intellektuell redlich auf der Höhe der Zeit zu verkünden, sie „für heute“ zu übersetzen.

Neue Gerechtigkeit

Gleich zu Beginn zeigt Pater Kern an der Gestalt des Josef (Mt 1,18–24) den Grundimpuls des Matthäus auf: die neue Gerechtigkeit. „Josef hört nicht nur auf sein Feingefühl, er hört im Traum die Stimme Gottes: Mach’s ganz anders! Mach’s sogar so, wie es das Gesetz gar nicht vorsieht! Nimm deine Verlobte zur Frau! Das ist die neue Gerechtigkeit: Alle Vorschriften des Gesetzes vom inneren Gespür für den anderen her zu deuten und auf den unmittelbaren Anruf Gottes hellhörig zu achten.“ Damit ist an einem lebendigen Beispiel die innere Seele der Bergpredigt vor Augen geführt.

Zu Jesu Lehre vom Berg (Mt 5 – 7) versammelt der Band gleich vier Predigten. Für Matthäus kommt es darauf an, nicht nur „Herr, Herr“ zu sagen, sondern den Willen Gottes zu tun. Doch das entschiedene Tun nährt sich aus der konzentrischen Mitte der langen Lehre: aus dem Vaterunser und damit aus der überfließenden Gnade und Kraft, die von Gott ausgehen.

Urfrage nach erfüllten Leben und Glück

Einen weiteren Schwerpunkt mit drei Predigten bilden die Endzeitreden (Mt 24 – 25). Der Zeitpunkt des Endes bleibt ungewiss. Matthäus betont deshalb die Gegenwart, die lebendige Verbindung mit Christus und die tätige Liebe. Er legt das Schwergewicht auf die Orthopraxie, auf das rechte Tun, nicht auf die Orthodoxie, die richtigen Lehrsätze: „Die Urfrage nach dem erfüllten Leben, nach dem Glück, wird in diesem Evangelium verhandelt.“

Das Matthäusevangelium gehört zur Polyphonie der christlichen Anfänge. Es hat den Anspruch, das Ganze der Welt in Christus zu deuten. Diesem Anliegen dient vor allem das Gleichniskapitel (Mt 13). In drei Predigten bekommt der Leser dieses Kapitel erschlossen. Die Botschaft dieses Evangelisten passt auch in unsere pluralistische und globale Welt, in der die Weltreligionen erstmals nahe beieinander leben.

Das Cover des Buchs „Das Alte neu sagen – Matthäus für heute“ von Pater Karl Kern SJ.
Das Cover des Buchs „Das Alte neu sagen – Matthäus für heute“ von Pater Karl Kern SJ. © Attenkofer-Verlag

„Lebens- und Glaubenshilfe im besten Sinn“

Bei all dem geht es Matthäus um eine alltagstaugliche Spiritualität. Sich der „Kraft aus der Tiefe“ zu öffnen, immer wieder unter Christen barmherzig miteinander umzugehen (2 Predigten zum Gemeindekapitel Mt 18), das Kreuz zu nehmen und wie Petrus die rettende Hand Jesu zu ergreifen und bei all dem in der „Festfreude“ der Frohen Botschaft zu leben.

Anregungen für Sonntage

Das Buch ist „Lebens- und Glaubenshilfe im besten Sinn“, wie Pater Kern im Vorwort schreibt. Es ist allen zu empfehlen, die bewusst durch das neue Lesejahr gehen wollen und Anregungen für einige Sonntage im Jahreskreis suchen. Der österreichische Künstler Ernst Arnold Bauer hat, wie beim Lukas-Buch („Jesus zuhören – Der Christ der Zukunft nach Lukas“, Straubing 2018), vier einfühlsame Zeichnungen beigesteuert, die jeweils einen Predigttext und die dazugehörige Schriftstelle mit den Mitteln des Malers deuten. Da die Passion nicht an Sonntagen gelesen wird, ist ein Textausschnitt aus einer Kreuzwegbetrachtung angehängt, die Pater Kern zu Bildern von Bauer verfasst hat.

Ein ermutigendes Buch

Das Buch schmückt auf dem Titel eine eindrucksvolle, moderne Christusikone von Hildegard Strutz. Die Texte sind in großen Lettern und übersichtlich gedruckt. Durch die nur leicht redigierte freie Rede ist dem flüssigen Gedankengang des Predigers leicht zu folgen. „Matthäus für heute“ belehrt, erbaut und erfreut – ein Buch, das ermutigt, heute an das Evangelium zu glauben. (Pater Andreas Batlogg SJ, Seelsorger an der Jesuitenkirche St. Michael in München und bis 2017 Chefredakteur der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“.)

Pater Karl Kerns Buch „Das Alte neu sagen – Matthäus für heute“ ist im Attenkofer-Verlag erschienen und für 14,80 Euro auch bestellbar bei der Buchhandlung Michaelsbund, Telefon 089/23225-420.


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