Trauer um Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer gestorben

24.09.2016

Er hat das Grauen des Nationalsozialimus am eigenem Leib erfahren. Bis zum Schluss hat Max Mannheimer gegen das Vergessen gekämpft. Im Alter von 96 Jahren ist er nun gerstorben.

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren gestorben. © imago/Astrid Schmidhuber

München – Er war ein Kämpfer gegen das Vergessen und ein Versöhner: Der Holocaust-Überlebende und Buchautor Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren am Freitag in München gestorben. Gegen Rechtsradikalismus und Antisemitismus einzutreten, sei zu seiner Lebensaufgabe geworden, erklärte am Samstag die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann. Bis zuletzt war der am 6. Februar 1920 im mährischen Neutitschein (Novy Jicin) geborene der Vorsitzende der Lagergemeinschaft Dachau. Hammermann würdigte ihn als eine „zentrale Instanz“ im Erinnerungsdiskurs. Mannheimers Tod löste auch in der Politik Trauer aus.

 

Kämpfer gegen das Vergessen

Der vielfach mit Auszeichnungen bedachte Mannheimer sei unermüdlich, etwa in Schulen, seit den 1980er Jahren als Zeitzeuge aufgetreten – nicht als Ankläger oder Richter, sondern als Aufklärer, so die Gedenkstätten-Leiterin. Er habe sich wie kein Zweiter mit seiner ganzen Person eingebracht, „um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten“. Gleichwohl vergingen Jahrzehnte bis zur öffentlichen Auseinandersetzung mit seinem Leid: 1985 habe er erstmals in einem Beitrag für die „Dachauer Hefte“ über seine Verfolgungsgeschichte und seine Haft in Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und Dachau berichtet, hieß es.

 

Versöhnung war ihm wichtig

„Der Verlust fast seiner gesamten Familie hat Max Mannheimer tief geprägt“, betonte Hammermann. Die traumatischen Erinnerungen hätten ihn immer wieder eingeholt – nach dem Zweiten Weltkrieg habe er geplant, Deutschland zu verlassen. Später sei sein Standpunkt gewesen: „Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.“ Schuldzuweisungen an die nachfolgenden Generationen seien ihm fremd gewesen.

 

„Das ist ein unersetzlicher Verlust. Max Mannheimer hat Großartiges für Frieden, Versöhnung und Demokratie geleistet“, erklärte der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU). Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter würdigten Mannheimer als „wichtigen Kämpfer gegen das Vergessen“. Er sei ein Mahner und Erinnerer gewesen. (KNA)


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