Hostienverkauf im Internet Mehr als ein Ding

26.01.2016

In diesen Tagen war ein ungewöhnliches Verkaufsangebot im Internet zu finden: Eine Hostie, ausgeteilt von Papst Franziskus. Alois Bierl vom Sankt Michaelsbund hat damit gerechnet, dass das irgendwann passiert. Er kommentiert, warum eine Hostie zu verkaufen trotzdem nicht dasselbe ist wie Bücher, Kleidung oder Schmuck.

Alois Bierl ist Leiter der Radioredaktion beim Sankt Michaelsbund. (Bild: Sankt Michaelsbund)

r wegEs war nur eine Frage der Zeit, dass eine konsekrierte Hostie einmal auf einem der einschlägigen Portale zum Kauf angeboten wird. Noch dazu soll Papst Franziskus die Wandlungsworte darüber gesprochen haben. Offenbar spekuliert hier ein Ungläubiger mit einer fast mittelalterlichen Übergläubigkeit. Im Gegensatz zu Autos gibt es bei Hostien keine A-, B- und C-Klasse. Welcher Priester das Brot in ein Heiligtum verwandelt, spielt keine Rolle. Insofern wäre es aus katholischer Sicht genauso schlimm, wenn Hostien aus ganz normalen Gottesdiensten angeboten würden. Denn eine Hostie ist mehr als ein Ding.

Sakrament ist nicht vollzogen

An der seit dem Laterankonzil von 1215 verbindlichen Lehre der realen Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut, in die Person Christi, mühen sich seit Generationen Theologen und Gläubige ab. Aber grundsätzlich gilt die Formel: Äußeres Zeichen und innerer Vollzug und letzterer ist mit keinem Geld der Welt zu bekommen. Im Fall der Ebay-Hostie heißt das: Es fehlt die Hälfte des Sakraments, weil sie von gar keinem Gläubigen aufgenommen wurde und in Zukunft auch nicht aufgenommen werden soll . Die Verwandlung geschieht mit und in demjenigen, der die Kommunion mit dieser Erwartung aufnimmt.

Mehr als ein schöner Brauch

Ist deswegen der Handel mit einer konsekrierten Hostie weniger schlimm? Es gibt viele Legenden, in der gläubige Menschen die Hostie heimlich aufbewahren und zuhause zum Beispiel als Medizin für das Vieh verwenden wollen. Die Strafen sind dann heftig. Dahinter steht der Gedanke, dass der Mensch das Sakrament nützlich machen und über Gott als Versicherungspolice verfügen will und nicht die Begegnung mit Christus sucht. Insofern würde sich auch ein noch so frommer und papstbegeisterter Käufer eines religiösen Vergehens schuldig machen. Beim Verkäufer ist sowieso davon auszugehen, dass er das katholische Sakramentenverständnis nicht ernst nimmt. Für beide ist die Hostie aber vor allem ein Ding, wenn auch ein besonderes, und nicht das vermittelnde, sichtbare Zeichen für eine innige Gottesbeziehung.

Natürlich ist ein solcher Handel für jeden Gläubigen abstoßend, wahrscheinlich sogar für Ungläubige, denen der Respekt vor der religiösen Überzeugung anderer wichtig ist. Und doch ist diese Geschichte vielleicht, „ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft“. Denn ein solches Hostiengeschäft zwingt Christen dazu, sich damit auseinander zu setzen, was sie tun, wenn sie sich im Gottesdienst zur Kommunion anstellen. Denn die ist viel mehr als ein schöner frommer Brauch.

 


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