Bayerische Bischofsvollversammlung Mehr Finanztransparenz

07.11.2019

Erstmals präsentierten die bayerischen Bischöfe zum Abschluss ihrer Herbstvollversammlung in München einen Geschäftsbericht des "Überdiözesanen Fonds Bayern" (ÜDF).

Erstmals präsentierten (von links) Finanzdirektor Markus Reif, Prälat Lorenz Wolf und Kardinal Reinhard Marx (daneben Sprecher Bernhard Kellner) den Geschäftsbericht des „Überdiözesanen Fonds Bayern“.
Erstmals präsentierten (von links) Finanzdirektor Markus Reif, Prälat Lorenz Wolf und Kardinal Reinhard Marx (daneben Sprecher Bernhard Kellner) den Geschäftsbericht des „Überdiözesanen Fonds Bayern“. © Kiderle

Normalerweise bestreiten nach einer Vollversammlung der Freisinger Bischofskonferenz die Abschlusspressekonferenz Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender und Prälat Lorenz Wolf als Leiter des Katholischen Büros in Bayern, flankiert von Pressesprecher Bernhard Kellner. Diesmal gesellte sich mit Ordinariatsdirektor Markus Reif noch ein Vierter dazu. Das hatte seinen Grund: Der Finanzchef des Erzbistums München und Freising ist zugleich auch Geschäftsführer des sogenannten „Überdiözesanen Fonds (ÜDF) Bayern“.

In diesen gemeinsamen Topf, der bereits seit 1955 besteht, zahlen die sieben bayerischen Diözesen anteilig ein und finanzieren somit landesweite Gemeinschaftsaufgaben. Bei der diesjährigen Herbstvollversammlung der Bischöfe wurde nun erstmals ein fast 50-seitiger testierter Geschäftsbericht vorgelegt. Demnach umfasst der ÜDF derzeit rund 39 Millionen Euro, wobei das Geld vor allem an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), die Katholische Akademie in Bayern sowie an die Katholische Stiftungsfachhochschule geht. Ebenso werden aber auch rund 60 weitere größere und kleinere Institutionen unterstützt. Die Bischöfe hatten bereits im Herbst 2017 beschlossen, die Förderung und Wahrnehmung überdiözesaner Angelegenheiten rechtlich neu zu ordnen. Die (Erz-)Diözesen Bamberg, München und Freising, Augsburg, Eichstätt, Passau, Regensburg und Würzburg gründeten dazu zum 1. Januar 2018 einen Zweckverband mit dem Namen „Überdiözesaner Fonds Bayern“ (ÜDF), dem die Staatsregierung den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verliehen hat. Das Erzbistum München und Freising übernimmt mit fast 32 Prozent den mit Abstand größten Anteil am ÜDF. Der Geschäftsbericht soll nun jährlich in gedruckter Form erscheinen und kann auch im Internet eingesehen werden (www.erzbistum-muenchen.de/finanzen/ueberdioezesane-aufgaben).

Arbeitsgruppe für Klimaschutz

Ein weiteres Thema bei der, wie Kardinal Marx ausdrücklich betonte, in „sehr konstruktiven Diskussionen“ geführten Versammlung, galt dem Verhältnis von „Kirche und Klimaschutz“. Hier wurde die Bildung einer neuen Arbeitsgruppe auf den Weg gebracht. Sie soll bis Frühjahr 2020 beschlussfähige Maßnahmen für eine nachhaltigere und klimafreundliche Bewirtschaftung kirchlicher Flächen vorlegen. Diese sollen im Einvernehmen mit Vertretern aus Politik, Landwirtschaft und Umweltschutz ausgearbeitet werden. So wolle die Kirche „als Landeigentümerin wie Verbraucherin“ ihrer klimapolitischen Verantwortung gerecht werden.

Die katholische Kirche in Bayern verstärkt zudem ihr Engagement gegen Extremismus und Populismus. Ihr 2018 zunächst auf zwei Jahre befristet gegründetes „Kompetenzzentrum Demokratie und Menschenwürde“ wird unbefristet fortgeführt, die bislang zwei halben Stellen wurden in zwei ganze umgewandelt.

Ökumenischer Gottesdienst im Liebfrauendom

Zudem appellieren die bayerischen Bischöfe an die Bundesregierung, sich auf europäischer Ebene für eine Wiederaufnahme staatlicher Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen. Solange sich daran nichts ändere, müsse die zivile Seenotrettung unterstützt werden, „damit das Mittelmeer nicht zum Friedhof wird“, sagte Kardinal Marx. Er kündigte für Samstag, 14. Dezember, um 14 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom an. Dabei solle das große Engagement der privaten Initiativen gewürdigt und für die Helfer, Menschen auf der Flucht und die Ertrunkenen gebetet werden. Er und der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm werden dem Gottesdienst vorstehen.

Prälat Wolf als Leiter bestätigt

Zuletzt wurde noch vermeldet, dass Prälat Lorenz Wolf erneut für fünf Jahre mit der Leitung des Katholischen Büros in Bayern (KBB) beauftragt worden ist. Der Münchner Offizial und Domdekan steht seit 2010 an der Spitze des KBB, das die Interessen der katholischen Kirche gegenüber Politik und gesellschaftlichen Gruppen vertritt. In dieser Funktion koordiniert er die Arbeit der Freisinger Bischofskonferenz. Er tritt seine nunmehr dritte Amtszeit an.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

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