Zum Abschlussdokument der Jugendsynode Mehr Frauenpower in der Kirche

29.10.2018

Frauen sollen auf der Führungsebne stärker mitwirken – denn ohne sie würde die Kirche verarmen. So steht es im Abschlussdokument der Jugendsynode. Tanja Bergold geht das nicht weit genug.

Die Rolle der Frau in der Kirche war auch Thema der Jugendsynode.
Die Rolle der Frau in der Kirche war auch Thema der Jugendsynode. © ra2 studio - stock.adobe.com

Am Sonntag ging in Rom die Bischofssynode zu Ende. Eines der Themen: Die Rolle der Frau in der Kirche. Da war ich ja mal sehr gespannt auf das Ergebnis. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx will mehr Beteiligung von Frauen - und zwar nicht als ehrenamtliche Blumenschmuck-Beauftragte in der Pfarrei, sondern dort, wo Entscheidungen gefällt werden. Also: Mehr Frauenpower in den Gremien der Kirche. Löblich!

Vorreiter Erzbistum München und Freising

Dabei ist das Erzbistum München und Freising sogar ein Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung. Bereits unter Kardinal Friedrich Wetter leitete – damals ein wirkliches Novum in Bayern – erstmals eine Frau ein Referat. Sein Nachfolger Kardinal Marx hat Frauen in Führungspositionen weiter unterstützt und die Anzahl ausgebaut. Das finde ich gut. Im Abschlussdokument der Synode steht, dass Frauen auf Führungsebene mehr mitwirken sollten. Toll, darauf haben sich also die Bischöfe aus der ganzen Welt geeinigt. Im Jahr 2018.

Wir dürfen also weiterhin, wenn es dem Bischof gefällt, ein Ressort leiten – an der Spitze eines Bistums stehen jedoch Männer. Und auch an der Spitze einer Pfarrei stehen Männer. Denn der Zugang zu geistlichen Ämtern bleibt Frauen verwehrt. Zwar hat Papst Franziskus vor Jahren wenigstens einmal über das Diakonat der Frau gesprochen und sogar eine Kommission ins Leben gerufen. Aber die tagt irgendwie immer noch.

Frau Kardinal wäre denkbar

Frauen wenden sich mittlerweile enttäuscht ab. Wer versteht heute noch, warum nur Männer geweiht werden dürfen? Warum sind die Bischöfe nicht mutig und führen eine Quote in ihren Bistümern ein? Auch eine Frau Kardinal wäre denkbar, denn Amt und Titel hängen nicht an einer Weihe. Dann könnten Frauen auch in die Papstwahl eingebunden sein. Warum tauschen wir nicht einfach mal: Männer leiten ehrenamtlich den Firmunterricht und kümmern sich um den Blumenschmuck in der Kirche – und Frauen brüten über der Predigt für den Sonntagsgottesdienst und bereiten sich auf das nächste Beichtgespräch vor. Ich wage zu behaupten, wir können das genauso gut.

Ich werte es als kleinen Erfolg, dass die künftige Rolle der Frau im Abschlussdokument steht. Aber das ist nicht genug! Liebe Bischöfe: Wenn ihr nicht wollt, dass ihr irgendwann in einem reinen Männerklub seid, dann tut noch mehr! Ihr seht selbst ein, dass die Kirche ohne die weibliche Stimme verarmt – so habt ihr es ins Dokument geschrieben. Aber Appelle und Absichtserklärungen reichen nicht mehr aus. Und liebe Frauen: Nicht aufgeben. Wir müssen einfach den Entscheidungsträgern gehörig auf den Wecker gehen. Nur so kommt Frauenpower dahin, wo sie hingehört: In die Kirche, gleichberechtigt neben die Männer. (Tanja Bergold ist Programmleiterin des Münchner Kirchenradios)


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