Regensburg erhöht Anerkennungsleistung Mehr Geld für Opfer von Missbrauch

04.08.2020

Im Bistum Regensburg können Betroffene sexueller Gewalt bis zu 50.000 Euro und Betroffene massiver körperlicher Gewalt bis zu 12.500 Euro erhalten.

Blick über die Donau auf den Regensburger Dom
Das Bistum Regensburg hat die Anerkennungsleistung für Missbrauchsopfer erhöht. © imago images / Peter Schickert

Regensburg – Das Bistum Regensburg hat die Anerkennungsleistungen für Opfer von Missbrauch erhöht. Ab Juli 2020 können Betroffene sexueller Gewalt bis zu 50.000 Euro und Betroffene massiver körperlicher Gewalt bis zu 12.500 Euro erhalten, wie die Diözese am Montagabend auf ihrer Internetseite mitteilte. Insgesamt gelte eine Höchstsumme von 50.000 Euro. Die Auszahlung, die auch Menschen erhielten, die schon Geld zugesprochen bekommen hätten, werde nicht mit einer neuerlichen Prüfung bereits anerkannter Beschuldigungen verbunden.

"Mir ist bewusst, dass auch die höhere Anerkennungsleistung das erlittene Unrecht nicht wiedergutmacht und dass das Leid nicht einfach verschwindet", erklärte Bischof Rudolf Voderholzer. Er verbinde den Schritt aber mit der Hoffnung, dass Betroffene diesen als ein Zeichen annähmen, "nach unseren Möglichkeiten zu einer Heilung und Befriedung beizutragen".

Betroffene an Entscheidung beteiligt

Mit dem Entschluss, den Opfern höhere Geldleistungen zukommen zu lassen, wird laut Mitteilung eine Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz vom März dieses Jahres umgesetzt. Sie soll Menschen erreichen, die als Minderjährige Opfer von Gewalt durch kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geworden seien, ihre Ansprüche auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz aber nicht mehr erfolgreich vor einem staatlichen Gericht einklagen könnten. Das sei dann der Fall, wenn die Beschuldigten verstorben oder Verjährungsfristen überschritten seien. Im Bistum Regensburg gebe es seit fast zehn Jahren dieses Anerkennungsverfahren für sexuelle Gewalt und seit einigen Jahren auch für massive körperliche Gewalt.

Die jetzige Entscheidung sei in enger Abstimmung und "einmütig mit den Beratungsgremien getroffen worden, in denen auch Betroffene vertreten sind", heißt es. Die finanziellen Leistungen, die die Diözese in diesem Bereich zur Auszahlung bringe, stammten aus Erträgen, die sie mit ihren Anlagen erzielt habe. Zwischen 2010 bis 2019 seien über vier Millionen Euro für Anerkennungsleistungen bereitgestellt worden.

Keine Verwendung von Kirchensteuern

Bereits seit 1. Juni bietet mit dem Bistum Augsburg bereits eine weitere bayerische Diözese Opfern von Missbrauch und Gewalt im kirchlichen Kontext mehr Geld an. Eine neue "Anerkennungs- und Unterstützungsordnung" soll "der Tatsache Rechnung tragen, dass Missbrauch in nicht wenigen Fällen berufliche und gesundheitliche Langzeitfolgen haben kann". Dazu seien nun insbesondere monatliche Zahlungen vorgesehen, wenn Betroffene ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten könnten.

Betroffene erhielten in Augsburg individuell festgelegte Einmalzahlungen - je nach Schwere des Falls in mehreren Stufen über 25.000 Euro. Die monatlichen Zahlungen orientierten sich an den wirtschaftlichen Verhältnissen; als Gesamtbetrag seien maximal 75.000 Euro vorgesehen. Die Finanzierung erfolge nicht aus Kirchensteuern, sondern ausschließlich aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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