Kultusminister Spaenle Mehr Mittel für Bibliotheken geplant

28.02.2018

Über 1.000 katholische öffentliche Büchereien in Bayern gehören zum Sankt Michaelsbund. Im Interview erklärt Kultusminister Ludwig Spaenle, wie es um die Leseförderung im Freistaat bestellt ist.

Archivfoto: Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Blattkritik der Münchner Kirchenzeitung
Archivfoto: Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Blattkritik der Münchner Kirchenzeitung © SMB/Schlaug

Münchner Kirchenzeitung: Die Bildungsstudie IGLU nennt keine bayerischen Zahlen. Wie gut können die Viertklässler im Freistaat lesen?

Staatsminister Ludwig Spaenle: "Bei der IGLU-Studie gibt es keine Länderzahlen. Aber im vergangenen Jahr hat das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen den Bildungstrend in Deutsch und Mathematik für die Kinder der Jahrgangsstufe 4 veröffentlicht. An diesem haben Kinder aus allen deutschen Ländern teilgenommen – allein aus Bayern waren es 1.773 Schülerinnen und Schüler von 90 Schulen. Die bayerischen Schülerinnen und Schüler haben dabei bundesweit die Spitzenposition in Deutsch und Mathematik belegt. Das ist eine große Leistung – gerade angesichts der wachsenden Zahl von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte. Bayern wird seine Anstrengungen um eine sehr gute Bildung und intensive Leseförderung – gerade im Grundschulalter – fortsetzen. In der Grundschule werden wichtige Weichen gestellt und wir wollen unsere jungen Menschen bestmöglich fördern. Um zum Beispiel gerade den Jungen das Lesen noch schmackhafter zu machen, sollen künftig etwa zusätzlich verstärkt Sachbücher herangezogen werden, da diese erfahrungsgemäß bei dieser Gruppe meist größeres Interesse finden."

Lust am Lesen

MK: Wie wichtig ist die Leseförderung von Grundschülern in den Büchereien, also auch den katholisch-öffentlichen Büchereien des Sankt Michaelsbundes?

Spaenle: "Lust am Lesen vermitteln sowohl Eltern wie auch Lehrkräfte. Und beide spielen bei der Leseförderung eine zentrale Rolle. Mit Lesenächten, kreativen Schreibwerkstätten, Vorlesewettbewerben und literarischen Exkursionen engagieren sich die Schulen nachhaltig und sehr kreativ. Aber auch die öffentlichen Büchereien wie zum Beispiel die katholisch-öffentlichen Büchereien leisten hier einen enormen Beitrag, zum Beispiel in dem sie nahe bei den Familien – auch im ländlichen Raum – neue Bücher und Lesemedien für ihre Leserinnen und Leser bereitstellen, immer wieder Autorenlesungen anbieten und damit jungen Menschen Spaß am Lesen vermitteln."

MK: Wie unterstützt das Kultusministerium die Büchereien finanziell? Da müsste doch noch mehr drin sein – ist Lesen doch die kulturelle Kernkompetenz überhaupt?

Spaenle: "Der Freistaat Bayern fördert die öffentlichen Bibliotheken durch ganz erhebliche finanzielle Zuwendungen und fachliche Beratung, um so Jung und Alt in ganz Bayern Zugang zu Bildung und Information zu ermöglichen. Schwerpunktmäßig fördert der Freistaat dabei ländliche Büchereien, um so gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern herzustellen. Im Doppelhaushalt 2017/18 war pro Jahr ein Ansatz von 2,69 Millionen Euro für die Förderung der öffentlichen Bibliotheken vorgesehen, das sind jeweils 150.000 Euro mehr als im Haushaltsjahr 2016. Die Bibliotheken des Sankt Michaelsbundes erhielten davon 2017 rund 710.000 Euro, das waren 110.000 Euro mehr als 2016. Für den Nachtragshaushalt 2018 haben wir eine weitere Erhöhung der Mittel für die Bibliotheksförderung um 550.000 Euro beantragt – der Haushalt steht vor der Verabschiedung durch das Plenum des Landtags." (Interview: Susanne Hornberger)

Ludwig Spaenle (CSU) ist seit 2013 bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst.


Das könnte Sie auch interessieren

© SMB/Bierl

Internet-Portal LEO SUED Online lesen im Schatten der Zugspitze

Die Büchereien in Garmisch-Partenkirchen haben sich am Welttag des Buches "LEO SUED" angeschlossen und damit ihr Angebot erweitert.

24.04.2019

Darauf wird in der Fastenzeit nicht verzichtet: Lektüre gehört zu den Pflichten eines Benediktinermönchs.
© Fotolia.com/Olena Yabochuk

Fastenregel im Kloster Pflichtlektüre für Mönche

Einmal im Jahr müssen Benediktiner ans Bücherregal, das schreibt die Ordensregel vor. In der Abtei Scheyern bei Pfaffenhofen wird darauf streng geachtet.

09.03.2018

„Lesen ist und bleibt die wichtigste Kulturtechnik.“
© imago

Literatur Der Spaß am Lesen

Es ist eine Frage, die nicht nur Lehrer, sondern vor allem auch Eltern beschäftigt: Wie motiviert man Kinder zum Lesen? Das verrät uns Michael Sanetra, Leiter der Landesfachstelle des Sankt...

01.03.2018

Büchereien fördern Lesekompetenz.
© Fotolia.com/wip-Studio

Leseförderung wichtig Schlechte Lesenoten in Deutschland

Fast ein Fünftel der deutschen Viertklässler liest nicht ausreichend gut. Das hat die IGLU-Studie, die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, gezeigt...

23.01.2018

Büchereileiterin Rosi Kohnle nimmt sich gern Zeit für Besucher.
© SMB/Knappe

Tag der Bibliotheken Modern eingerichtet, mit vielseitigem Angebot

So manch einer hat vielleicht noch die gemütliche, etwas verschlafene Pfarrbücherei aus der Kindheit in Erinnerung. Doch die Zeiten sind vorbei. Die meisten Bibliotheken in den Kirchengemeinden sind...

24.10.2017

© SMB/Sanetra

Staatliche Zuschüsse Bayern braucht Büchereien

Der Sankt Michaelsbund fordert mehr Geld für katholische öffentliche Bibliotheken. Der Freistaat täte sich selbst einen Gefallen.

10.10.2017

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren