Kommentar zu Fronleichnam Mehr Mut zum Christsein

17.06.2019

Am Feiertag Fronleichnam gehen wir mit farbenprächtigen Prozessionen nach draußen. Aber was ist an den anderen 364 Tagen im Jahr? Warum haben wir nicht mehr Mut, zu unserem Glauben zu stehen - das fragt sich Tanja Bergold.

Fronleichnamsprozession 2018 in München mit Kardinal Reinhard Marx
Fronleichnamsprozession 2018 in München mit Kardinal Reinhard Marx © Kiderle

Fronleichnam ist ein einzigartiges Fest. Denn wo sonst gehen die Menschen so geballt nach draußen und zeigen – durch eine festliche, farbenfrohe Prozession – ihren Glauben in aller Öffentlichkeit. Tagelang werden Blumenteppiche gelegt, Altäre oder bei Seeprozessionen auch Boote geschmückt. Ich bin sicher: Kein Teilnehmer wird sich während der Fronleichnamsprozession denken: Oh, wie peinlich – jetzt merkt man ja, dass ich Christ bin. Sondern eher: ist es nicht wunderbar, dass ich hier mit dabei bin?!

Gegenbeispiel: Ich hatte mal einen Kollegen, der hat sich Mittags tatsächlich vor dem Essen bekreuzigt. Mitten im Lokal – im hippen Lunchtreff in der Münchner City. Es war so ungewohnt, dass es mir beim ersten Mal gleich ein bisschen peinlich war. Heute ist mir nur noch mein damaliges „Fremdschämen“ peinlich. Ich frage mich: Warum eigentlich haben wir Christen nicht mehr Mut in der Öffentlichkeit?

Bibel statt Facebook

Ich rede jetzt nicht davon, in der Kneipe lauthals das Tischgebet zu sprechen oder im Job die Bibel auf den Schreibtisch zu stellen. Und das Kreuz um den Hals sagt noch lange nichts – könnte schließlich „nur“ Modeschmuck sein. Aber warum stehen wir nicht mit Worten zu unserem Glauben. Warum reden wir beim Abendessen mit Freunden nicht mal über eine faszinierende Stelle aus der Bibel – statt über das neuste Facebook-Video? Wenn wir mit unseren (pubertierenden) Kindern über Vorbilder sprechen – wie oft nennen wir dabei Jesus…oder einen Heiligen? Warum sagen wir nicht stolz: Ich bin Christ!

Ein Grund - und ich kenne das aus eigener Erfahrung: Oft wird man dann mit den Negativ-Schlagzeilen der Kirche überfallen und darf sich rechtfertigen, warum man „da“ noch dabei ist. Gegen die, zum Teil leider auch nachvollziehbaren, Argumente hat man auch wenig einzuwenden. Und manche Dinge kann und will ich auch nicht rechtfertigen.

Aber was ist mit den Botschaften? Liebe, Versöhnung, da sein für die Schwachen in der Gesellschaft, Einsatz für behindertes Leben - ganz abgesehen von den vielen Menschen, die sich für andere einsetzen. Ich könnte endlos aufzählen.

Lassen wir Christen uns nicht runterziehen von den Dingen, die uns an unserer Kirche stören und sogar beschämen. Es gibt auch noch die andere Seite - die Inhalte unseres Glaubens! Und dass das ein Teil meines Lebens ist - das muss ich nicht verheimlichen. Also Leute: Seid mutig! Gemeinsam ist es, denk ich, gar nicht so schwer. (Tanja Bergold, Leiterin Programmentwicklung des Münchner Kirchenradios)


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