Mission heute Mehr Selbstbewusstsein für die Indianer

18.10.2018

Etwa ein Zehntel der Bewohner im Amazonas-Gebiet sind Indianer. Eine Minderheit ohne Lobby. Die Missionarin Friederike Peters will sich damit nicht abfinden.

Friederike Peters auf dem Rio Nappo © Adveniat

Quito – Eigentlich wollte sie nur mal schauen, was es mit der Befreiungs-Theologie auf sich hat. Als Friederike Peters vor über 20 Jahren nach Ecuador gekommen ist, war sie einfach neugierig. Aus Interesse wurde schließlich Leidenschaft. Die Religionspädagogin ist geblieben - bis heute. Die letzten neun Jahre hat die Gemeindereferentin aus Deutschland bei den Naporuna-Indianern im Regenwald verbracht. Die meisten von ihnen sind katholisch und gehören zum Apostolischen Vikariat Aguarico, das seinen Sitz in der Hauptstadt Quito hat.

Mittendrin im Kampf ums Erdöl

Der Rio Napo ist die Hauptverkehrsader in diesem Teil des Amazonasgebiets. Wer sich hier fortbewegen will, fährt Boot. Entlang des Flusses ist Friederike Peters als Gemeindereferentin für insgesamt 29 indigene Gemeinschaften der Naporuna zuständig. Wer hier lebt, ist mitten drin im Kampf um das Erdöl. Im Regenwald Ecuadors lagern die größten nationalen Erdölvorkommen und der Staat vergibt immer wieder neue Förderlizenzen. Die indigenen Gemeinschaften kämpfen um ein Mitspracherecht und um Entschädigungen, denn das Land, auf dem sie leben, gehört ihnen. Die Ressourcen im Boden beansprucht dagegen der Staat. Oft seien die verabredeten Entschädigungspreise pro Hektar lächerlich niedrig, erzählt Peters. In vielen Fällen hätten die Firmen den Indigenen juristisch ausgefeilte Verträge vorgelegt, deren Tragweite und Fallstricke keiner so recht abzusehen vermochte. Sinkt der Weltmarktpreis für Erdöl, macht das den Menschen zu schaffen: Die Ölfirmen und deren Subunternehmer kündigen viele Jobs, oftmals bleiben sie den Arbeitern Löhne und den Kommunen vereinbarte Gelder schuldig.

Bildung stärkt das indianische Selbstbewusstsein

2009 hat Frederike Peters deshalb begonnen, eine Fernschule für die indigenen Gemeinden zu organisieren. Bildung sei die einzige Chance der Indianer, sich gegen die Regierung und die Erdölfirmen zu wehren, so Peters. Mit der Schule habe sich das Selbstbewusstsein der Indianer verbessert: wenn zum Beispiel Jugendliche Abitur machen. Oder eine Frau Friedensrichterin wird. Die Position wird sonst von einer Person wahrgenommen, die von den Erdölfirmen dafür bezahlt wird. Besser sei es, die Indianer machen das selber, so Peters. Denn die können ihre Interessen gegenüber der Regierung auch alleine vertreten. „Ich wünsche den indianischen Menschen, dass sie ihre Autonomie erweitern können“. Für Friederike Peters ist das die einzige Hoffnung. Denn gewinnen können die Indianer den Kampf ums Erdöl am Ende wohl nicht.

Audio

Wieso sich Friederike Peters für die Indianer einsetzt

Münchner Kirchenradio

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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