Neues Leitungsmodell für Pfarrverbände Mehr Verantwortung für Laien

21.03.2017

Ab Herbst sollen im Erzbistum haupt- und ehrenamtliche Laien gemeinsam Pfarrverbänden vorstehen. Hierbei setzt Kardinal Reinhard Marx auf Teamarbeit. Mindestens drei Pfarrverbände sollen Pionierarbeit leisten.

Kardinal Marx will Pilotpfarrverbände in seinem Erzbistum von Teams aus Haupt- und Ehrenamtlichen leiten lassen © Kiderle

München – „Es ist ein großer Umbruch, den wir in der Geschichte der Kirche erleben“, sagte Kardinal Reinhard Marx vor den im Palais Holnstein versammelten Journalisten. Gemeinsam mit drei leitenden Münchner Ordinariatsmitarbeitern informierte der Erzbischof über ein neues Modell der Pfarrverbandsleitung, das ab Herbst im Erzbistum erprobt werden soll: die kollegiale Leitung eines Pfarrverbands durch Teams aus haupt- und ehrenamtlichen Laien und einem Priester mit oder ohne Pfarradministrator auf Dekanatsebene.

„Im Team ist keiner, der Chef ist“

Kollegial bedeutet nach Kardinal Marx’ Worten, „im Team ist keiner, der Chef ist“, sondern das Team überlege gemeinsam: „Wie können wir diese Pfarrei in die Zukunft hineinführen?“ Dieses Pilotmodell könne zum einen bereits bestehenden Teams eine „verlässliche Struktur“ geben, erläuterte Monsignore Thomas Schlichting, Leiter des Ressorts Seelsorge im Ordinariat. Darüber hinaus könnten auch neue Ehrenamtliche gewonnen werden, wie der Leiter des Projekts „Pastoral planen und gestalten“, Robert Lappy, betonte. Mit ihnen müsse man aushandeln, was sie an Fachkompetenz und Zeit in die Pfarrverbandsleitung einbringen könnten. So bedeute das neue Modell „nicht automatisch, dass Ehrenamtliche auch Seelsorge tun“.

Dieses neue Modell ist Bestandteil einer charismen- und ressourcenorientierten Pastoral, wie sie das Bischofswort „Gemeinsam Kirche sein“ vom 1. August 2015 fordert. Ihm liegt das Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils zugrunde, das in seiner Dogmatischen Konstitution „Lumen gentium“ das „gemeinsame Priestertum der Gläubigen“ lehrt.

Priestermangel und Größe der Pfarrverbände

Ausschlaggebend für die Einführung zum jetzigen Zeitpunkt ist darüber hinaus der Mangel an Priestern und anderen pastoralen Mitarbeitern, verbunden mit der Erkenntnis, dass der Zuschnitt der Pfarrverbände nicht von der Zahl der Geistlichen abhängen könne. „Die Pfarrverbände können nicht immer größer werden. Sie brauchen eine Verwurzelung vor Ort“, unterstrich Kardinal Marx und stellte klar: „Es gibt irgendwo Grenzen, wo ich noch von einer Ortskirche reden kann.“

Hinzu kommt, dass dem Erzbischof zufolge nicht alle Priester in der Lage und auch willens sind, einer größere pastoralen Einheit vorzustehen. „Einen Pfarrverband mit bis zu hundert Mitarbeitern zu leiten, das ist eine betriebswirtschaftliche Aufgabe, für die nicht jeder qua Weihe schon qualifiziert ist“, veranschaulichte Monsignore Klaus Peter Franzl, Leiter des Ressorts Personal.

Deshalb seien in der Erzdiözese mit der Einführung von Verwaltungsleitern bereits neue Wege beschritten worden. Dabei habe sich herausgestellt, „dass es eine gute Hilfe für die Pfarrer ist, wenn sie administrativ entlastet werden“, wie Kardinal Marx betonte. Ziel ist laut Monsignore Franzl daher, Verwaltungsleiter in der gesamten Erzdiözese zu etablieren – „wenn die Pfarreien das wollen“, ergänzte Kardinal Marx.

Leuchtturmprojekt für mindestens drei Pfarrverbände

Das neue kollegiale Leitungsmodell für Pfarrverbände soll hingegen leuchtturmartig installiert werden. Dem Erzbischof zufolge soll es in jeder der drei Seelsorgsregionen wenigstens einen Pfarrverband geben, der es für die kommenden zwei Jahre durchexerziert. Bis Ende März soll feststehen, an welchen Orten das Modell im Herbst eingeführt wird.

Kardinal Marx sieht in diesem Zukunftsmodell auch die Chance, wieder mehr Priester zu gewinnen, indem das Priesterbild nicht auf das Pfarrersein eingeengt wird. Selbstverständlich dürften dabei keine Abstriche bei der theologischen Kenntnis und menschlichen Reife der Geistlichen gemacht werden.

Darüber hinaus hofft der Erzbischof, dass dieses innovative Leitungsmodell neue Anstöße für das Gemeindeleben gibt: „Wie wünschen wir uns die Zukunft der Pfarrei und wer kann da mitmachen?“ Vorschläge, was jeder Gläubige zu dieser Zukunft beitragen möchte, könnten beispielsweise bei einer Pfarreiversammlung eingebracht werden, denn: „Nicht nur der Priester ist verantwortlich für die Pfarrei, sondern alle Gläubigen sind verantwortlich für den Weg der Pfarrei.“ (Karin Hammermaier)