Wafa Musleh arbeitet im Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem „Meine Tür ist immer offen“

12.05.2019

Die Stärkung von Frauen ist ein zentrales Thema in der Mütterabteilung im Caritas-Baby-Hospital in Bethlehem. Wafa Musleh, selbst Mutter von drei Kindern, leitet den Bereich.

Täglich findet in der Mütterabteilung ein Vortrag zu Themen statt, die für Mütter relevant sind.
Täglich findet in der Mütterabteilung ein Vortrag zu Themen statt, die für Mütter relevant sind. © KHB/Meinrad Schade

Bethlehem – Die Stärkung der Frauen ist ein zentrales Thema in der Mütterabteilung des Caritas-Baby- Hospitals. Wafa Musleh, selbst Mutter von drei Kindern, leitet den Bereich. Bis zu 50 Frauen können in Mehrbettzimmern übernachten, während ihre Kinder auf der Station behandelt werden. So sind die Mütter nah bei ihren Kindern.

Jeden Morgen steht nach einer kurzen Teamsitzung ein thematischer Impuls für die Mütter der stationär aufgenommenen Kinder auf dem Programm. Darin wird Basiswissen vermittelt, das junge Mütter brauchen, zum Beispiel: „Wann muss ich mit meinem Kind bei Fieber zum Arzt?“ oder „Was ist eine postnatale Depression?“. Die Vorträge werden von Mitarbeiterinnen des Caritas-Baby-Hospitals oder externen Fachpersonen gehalten. Das neu erworbene Wissen können die Frauen in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis weitergeben.

„Für nachhaltige Veränderung ist das entscheidend“, weiß Musleh. Regelmäßig kommen Vertreterinnen des palästinensischen Gesundheitsministeriums, die über den verbindlichen, landesweiten Impfplan informieren, über Brustkrebs aufklären oder Zusammenhänge zwischen Erbkrankheiten und Verwandtenheirat aufzeigen. Je nach Anliegen verweist die Leiterin der Mütterabteilung die Frauen an andere Stellen, sei es an die Sozialarbeiterinnen des Caritas-Baby-Hospitals, an Sozialeinrichtungen in der Region oder sie vermittelt ihnen eine Selbsthilfegruppe.

Viele Mütter suchen das Gespräch mit Wafa Musleh (links).
Viele Mütter suchen das Gespräch mit Wafa Musleh (links). © KHB

Diese Netzwerkarbeit ist auch in den Einzelgesprächen sehr wichtig. Häufig ergibt sich aus dem thematischen Impuls am Morgen der Bedarf, gewisse Aspekte in geschütztem Rahmen zu vertiefen. „Die Frauen wissen, dafür ist meine Tür für sie immer offen.“ Sie suchen das Gespräch wegen Problemen in der Ehe, Sorgen um ihr krankes Kind oder weil ihnen der oft bedrückende Lebensalltag im Westjordanland zu schaffen macht.

„Lebens-Raum“ bieten

Gerade Frauen, die aus Dörfern kommen, haben es oft sehr schwer. Das Leben ist meist reglementiert, der Kontakt zur Herkunftsfamilie eingeschränkt und für vieles, was uns ganz normal erscheint, brauchen sie die Erlaubnis des Ehemannes. Die Mütterabteilung soll diesen Frauen einen „Lebens-Raum“ bieten, zugleich auch über medizinische, psychologische und soziale Themen informieren. „Das ist einzigartig im ganzen Westjordanland. Kein anderes Krankenhaus bietet diesen Service an, der zum größten Teil aus Spenden finanziert wird.“

Musleh ist in Beit Sahour, einer Nachbargemeinde von Bethlehem, aufgewachsen. Viele Mitglieder ihrer Familie sind ausgewandert, haben im Westjordanland keine Zukunftsperspektiven gesehen. „Auch ich habe oft darüber nachgedacht, das Land zu verlassen“, gesteht die Sozialarbeiterin. In der Arbeit und als Mutter von drei Töchtern erlebt die 38-Jährige täglich, dass es gerade junge Frauen heutzutage in der Gesellschaft Palästinas nicht immer einfach haben. „Es gibt trotz guter Ausbildung kaum attraktive Arbeitsplätze, besonders nicht für junge Mütter.“ Aber als gläubiger Christin ist es Musleh wichtig, im Heiligen Land zu bleiben. „Die Geburtskirche ist für mich der Ort, wo ich alle Sorgen deponieren kann und Kraft finde.“ Und diese Kraft teilt sie mit allen, die ihr anvertraut sind. (ll/pm)

Näheres über die Kinderhilfe Bethlehem im Deutschen Caritasverband erfahren Sie hier.


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