Requiem für Altabt Odilo Lechner Menschen- und Gottesfreund

10.11.2017

Beim Requiem für Altabt Odilo Lechner konnte jeder der vielen Besucher spüren: Hier ist eine von den Gläubigen in München und im ganzen Erzbistum geliebte Persönlichkeit von uns gegangen.

Kardinal Reinhard Marx predigt beim Requiem für Altabt Odilo Lechner im Münchner Liebfrauendom.
Kardinal Reinhard Marx predigt beim Requiem für Altabt Odilo Lechner im Münchner Liebfrauendom. © Kiderle

München – Wann hat man den Liebfrauendom zuletzt so voll gesehen? Die Bänke sind am frühen Nachmittag dieses trüb-herbstlichen 9. Novembers dicht besetzt, in den Seitengängen drängen sich die Menschen, diverse Fahnenabordnungen stehen links und rechts der Altarstufen Spalier, ebenso im hinteren Chorbereich. Neben zahlreich erschienenen Domkapitularen im Chorgestühl und den Mönchen aus St. Bonifaz und Andechs hat eine große Anzahl von Vertretern weiterer benediktinischer Gemeinschaften und Konvente im Altarraum Platz gefunden, auch zahlreiche Diözesanpriester sind gekommen.

Alle wollen beim Requiem für Altabt Odilo Lechner mit dabei sein, ihm die letzte Ehre erweisen. Es ist fast mit den Händen greifbar, jeder kann es spüren: Hier ist eine große und wichtige Gestalt, eine von den Gläubigen in München und im ganzen Erzbistum geliebte Persönlichkeit von uns gegangen.

Odilos Nachfolger als Abt, Johannes Eckert, begrüßt die Trauerversammlung.
Odilos Nachfolger als Abt, Johannes Eckert, begrüßt die Trauerversammlung. © Kiderle

Grab in der Krypta

In seiner Begrüßung dankt Johannes Eckert, Odilos Nachfolger im Amt des Abtes der Münchner Benediktinerabtei St. Bonifaz und des Klosters Andechs, den Anwesenden: Das Herz sei allen zwar schwer in dieser Stunde des Abschieds, doch die Trauer vereinige Konvent und Anwesende. Mit einfachen und herzlichen Worten dankt Abt Johannes für alle Anteilnahme und Zeichen der Verbundenheit. Am Vormittag hat die Mönchgemeinschaft ihren Altabt in der Krypta von St. Bonifaz beigesetzt, „in das Fundament unserer Abtei“.

Freundlich lächelt Odilo auf dem großen Porträtbild unterhalb der Muttergottesstatue am rechten Chorraumpfeiler. Auf seinem Sterbebild ist die Jakobsleiter aus dem modernen Gemäldezyklus von Peter Burkart in der Basilika St. Bonifaz abgebildet, die Verheißung, dass den Menschen der Himmel offensteht: „In diesem Glauben hat uns Odilo immer bestärkt“, sagt Abt Johannes.

Viele prominente Persönlichkeiten aus dem Münchner Stadtleben nehmen an der Trauerfeier teil.
Viele prominente Persönlichkeiten aus dem Münchner Stadtleben nehmen an der Trauerfeier teil. © Kiderle

"Es geht weiter mit uns"

Die Lesungen werden von Frater Emmanuel Rotter und Pater Valentin Ziegler vorgetragen, neben dem Ambo brennt die Osterkerze als Zeichen des Auferstandenen – Kardinal Reinhard Marx, der den Gottesdienst in Konzelebration mit Abt Johannes, Kardinal Friedrich Wetter, sowie den Äbten Barnabas Bögle aus Ettal und Theodor Hausmann aus der Augsburg–St. Stephan feiert, geht hierauf ein: „Der Tod ist nicht das Ende. Es geht weiter mit uns.“ Odilos Lebenszeugnis sei eine Ermutigung und Wegweisung über den Tod hinaus, sagt der Münchner Erzbischof. Es gelte bei der Feier des Abschieds zu entdecken, was dieser Mensch „als Anruf für uns jetzt bedeutet, als Glaubensermutigung“. Jeder Mensch sei ein Geschenk Gottes für die ganze Welt. Bei Abt Odilo sei dies in besonderer Weise spürbar gewesen. Dieser sei „durch und durch Benediktiner“ gewesen, „ein Menschenfreund und ein Gottesfreund“.

Das kommt auch in den Fürbitten zum Ausdruck, die Abt Odilo nochmals in berührender Weise den Gläubigen vor Augen führen. Und jeder der Anwesenden würde unterschreiben, wie es Kardinal Marx ausdrückt: Bei vielfältigen Begegnungen mit Abt Odilo sei ihm klar gewesen: „Hier ist wirklich ein Zeuge des lebendigen Gottes unter uns, ein Zeuge der Menschenfreundlichkeit Gottes, der Zuwendung Gottes zu den Menschen: im Tiefsten heiter und gelassen, voller Hoffnung.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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