Bistum Würzburg Merkel erklärt ihre Politik beim Diözesanempfang

24.01.2017

Kanzlerin Merkel bringt nach Würzburg keine neuen Botschaften mit. Aber auch keine Attacken gegen politische Gegner, "miteinander statt gegeneinander". Lesen Sie hier, wie das beim Publikum ankam.

Angela Merkel hat beim Würzburger Diözesanempfang die Schwerpunkte ihrer Politik betont.
Angela Merkel hat beim Würzburger Diözesanempfang die Schwerpunkte ihrer Politik betont. © Daniel Karmann (POW)

Würzburg – Sie hätte die AfD attackieren können, etwas zu Donald Trump sagen oder zum Obergenzen-Mantra der CSU. Doch Angela Merkel macht all das nicht am Montagabend in Würzburg. Stattdessen dekliniert die Bundeskanzlerin auf dem Diözesanempfang des Bistums Würzburg ihre Politik durch - immer entlang am Motto des Abends: "Verbundenheit in offener Gesellschaft: Pluralität und Identität - Herausforderung und Chance". Damit wird sie zwar nicht allen Erwartungen der rund 90 Journalisten im Publikum gerecht. Der Saal aber spendet ihr mehr als eine Minute Beifall. Vereinzelt gibt es Bravo-Rufe.Merkel weiß an diesem Abend offensichtlich, was die rund 2.000 Gäste aus Kirchen, Gesellschaft und Politik hören wollen. Sie dankt den vielen Ehrenamtlichen. "Auf dieses Netzwerk können wir stolz sein. Ein herzliches Danke auch an die Kirchen." Dabei hebt sie natürlich auch die Flüchtlingspolitik hervor, besonders die Situation in Bayern. Dort kamen im Jahr 2015 die meisten Asylbewerber an.

Proteste vor dem Saal

Doch die Bundeskanzlerin verteidigt in Würzburg auch ihre mittlerweile restriktivere Flüchtlingspolitik, rechtfertigt Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern. Am Tag ihrer Rede wurden auch in Würzburg fünf Afghanen zum Frankfurter Flughafen gebracht. Vor dem Saal demonstrieren Studierende der Katholischen Hochschulgemeinde. Und Merkel rechtfertigt das Abkommen der EU mit der Türkei. Sie verweist auf die Toten in der Ägäis und im Mittelmeer - eine Folge der Illegalität durch das System von Schleppern und Menschenschmugglern. Dies gelte es als Rechtsstaat eben mit solchen Abkommen zu beenden. Es gelte, die eigenen Werte wie Religionsfreiheit oder Meinungsfreiheit zu verteidigen, um ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, fordert Merkel. Abschottung, Polarisierung und Populismus seien der falsche Weg. Miteinander statt gegeneinander - so der rote Faden ihrer Rede.

Der Diözesanempfang fand im Congress Centrum in Würzburg statt.
Der Diözesanempfang fand im Congress Centrum in Würzburg statt. © Daniel Karmann (POW)

Kardinal Reinhard Marx lobt die Rede

Die CDU-Vorsitzende spricht auch über die Chancen und Risiken der Digitalisierung. Es geht um Filterblasen und falsche Nachrichten. Und sie spricht viel über Familien- und Sozialpolitik, sucht hier etwa bei der Mütterrente den Schulterschluss mit Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU), die in der ersten Reihe sitzt. Damit punktet sie beim Publikum ebenso wie mit ihren Worten zur wachsenden Bedeutung des Religionsunterrichts. All das ist nicht wegweisend neu und trotzdem begeistert die Kanzlerin ihr Publikum. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, spricht von einer "bewegenden Rede, die Impulse gesetzt hat". Schuster lobt das klare Bekenntnis für ein Miteinander in der Gesellschaft, die nicht einheitlich sei. Und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx lobt die "sehr sachliche, aber doch auch für Frau Merkel engagierte Rede" Und: "Man spürt, wie angenehm es ist, Positionen mit Verve und Klarheit zu vertreten, ohne andere herabzuwürdigen."

Genau das hat die Bundeskanzlerin in Würzburg in rund 30 Minuten gemacht. Ihr Appell: "Ich setze auf Verbundenheit in einer offenen Gesellschaft, und jeder Einzelne kann einen Beitrag dazu leisten." Mit sechs Bocksbeuteln Frankenwein im Gepäck verabschiedet sie sich nach einer Stunde aus dem Saal, begleitet von stehenden Ovationen - so wie schon bei ihrer Ankunft. Sie trinkt noch ein Glas Frankenwein - es werden Fotos geschossen an einem Abend, an dem es offenbar mehr darauf ankommt, wie etwas gesagt wird und nicht was. (Christian Wölfel, KNA-Korrespondent)

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