Rede auf Katholikentag Merkel sieht internationale Zusammenarbeit in Krise

11.05.2018

"Wenn jeder macht, was er will, ist das eine schlechte Nachricht für die Welt" - sagte Kanzlerin Angela Merkel auf dem Katholikentag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Freitag, 11. Mai, auf dem Katholikentag in Münster.
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach am Freitag, 11. Mai, auf dem Katholikentag in Münster. © imago/epd

Münster – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält an einer starken internationalen Zusammenarbeit fest. Derzeit sei der Multilateralismus in einer Krise, sagte sie am Freitag beim Katholikentag in Münster. "Wenn wir keine gemeinsame internationale Ordnung erreichen, sondern jeder macht, was er will, dann ist das eine schlechte Nachricht für die Welt." 4.000 Menschen besuchten die Podiumsdiskussion mit der Kanzlerin.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sei die internationale Gemeinschaft zu unglaublichen Anstrengungen fähig gewesen, sagte Merkel weiter. Sie verwies auf die Gründung der Vereinten Nationen und die Verabschiedung der Menschenrechtscharta. Derzeit erlebe die Welt eine "sehr sensible Zeit", so die Kanzlerin: "Diejenigen, die die Schrecknisse des Zweiten Weltkriegs erlebt haben, werden bald nicht mehr unter uns sein." Dann stelle sich die Frage, ob die Menschen wirklich aus der Geschichte gelernt hätten, mit neuer Dringlichkeit. "Darüber müssen wir uns immer wieder vergewissern", mahnte Merkel.

Appell: Nicht abstumpfen

Europa sei als alleinige Friedensmacht in der Welt nicht stark genug, fügte sie hinzu. Angesichts einer steigenden Zahl von Konflikten in der Welt rief Merkel dazu auf, nicht abzustumpfen: "Das ist eine Gefahr angesichts der vielen Bilder von Menschen, deren Würde heute mit Füßen getreten wird." Zahlreiche Konflikte spielten sich indes nicht weit entfernt ab, "sondern direkt vor unserer Haustür".

Über die Kündigung des Atomvertrags mit dem Iran durch die USA zeigte Merkel sich besorgt. Dieser Schritt sei Grund für "großes Bedauern". Die Kanzlerin räumte ein, dass es schwierige Themen in den Verhandlungen mit dem Iran gebe. Dennoch sei es "nicht richtig", ein solches Abkommen, das im UN-Sicherheitsrat einstimmig verabschiedet worden sei, zu kündigen. "Das verletzt das Vertrauen in die internationale Ordnung", so Merkel.

Auf Dialog setzen

Der vatikanische Entwicklungsminister, Kardinal Peter Turkson, nannte es bei der Veranstaltung bedauerlich, dass die Entscheidung der USA das Verhältnis zu Europa beeinträchtige. Die europäischen Länder hätten jedoch eine Chance, wenn sie auf Dialog setzten, betonte er: "Frieden wird nicht durch Waffen erreicht, sondern durch Dialog."

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, unterstrich, dass es für demokratische Politiker und engagierte Christen keine andere Maxime als das Streben nach Frieden geben könne. Merkel habe immer wieder deutlich gemacht, dass die Flüchtlingsfrage kein politisches Problem wie jedes andere sei, sondern "die Frage nach dem Grad unserer Humanität" aufwerfe, so Sternberg. (KNA)


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