Die gute Seele in jeder Sakristei Mesner im Dauerstress

02.06.2017

Ganz „normale“ Arbeitnehmer genießen einen der zahlreichen Feiertage, die in der katholischen Kirche im Mai und Juni anfallen: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam. Christian Thalhammer aber muss dann arbeiten. Er ist Mesner in der Münchner Innenstadtpfarrei St. Peter.

St. Peter in der Münchner Innenstadt © SMB/KSchmid

München – Die Kirche St. Peter ist etwas Besonderes: sie ist nicht nur die älteste erwähnte Pfarrkirche Münchens. Jahr für Jahr kommen auch zehntausende Besucher, meist Touristen hierher, um das Gotteshaus zu bestaunen. Schon an Werktagen hat Mesner Christian Thalhammer vier Gottesdienste vorzubereiten. Jetzt, an den Feiertagen, steht er unter Dauerhochdruck: „Seit Ostern haben wir viele Blumen in der Kirche, vor allem Hortensien. Die haben großen Durst, und deswegen muss ich das Wasser nicht becher- sondern eimerweise ranschaffen!“ Aber, sagt der Mesner, die Blumen würden viel Geld kosten und deshalb hätten sie auch Anspruch auf gute Pflege. Gesprochen habe er mit Ihnen noch nicht, meint Thalhammer lächelnd, aber er glaube schon, einen grünen Daumen zu besitzen.

Schwer heben gehört zum Job

Nicht nur für die Blumen legt der Mesner einige Kilometer am Tag zurück: dauernd ist etwas vorzubereiten, da müssen die schweren Kirchenteppiche verlegt werden und massive Kirchenbänke umgestellt werden, zum Beispiel für die Erstkommunion. Auf der Leiter stehend hebt Christian Thalhammer auch die schweren Messgewänder aus den eingebauten Hochschränken in der Sakristei: 10 Kilo wiegt der schwerste Rauchmantel, der in St. Peter benutzt wird. Gerade bei Kirchenführungen ist er eine der Attraktionen untern den prächtigen Messgewändern.

Weil der Mesner eigentlich täglich in seiner Kirche arbeitet, ist er für viele auch sowas wie ein Ansprechpartner: „Die Leute kommen zu uns, um messen zu bestellen und da kommt es immer wieder zu einem Gespräch. Wir haben dann immer ein offenes Ohr, das gehört ja auch zur Seelsorger in der Kirche.“ Oft kämen Gottesdienstbesucher nach der Messe, wenn der Seelsorger gerade weg sei. Um Beichte ginge es da oft, meint der 58- jährige. „Wir sind zwar keine Seelsorger, aber einen Teil der Beichte nehmen wir schon dadurch ab, dass wir einfach zuhören.“

Nicht nur der Mesner ist in der Kirche eingespannt

Dass ein Mesner gerade an Feiertagen wenig zu Hause ist, fällt speziell im Fall Christian Thalhammer nicht so sehr ins Gewicht: seine Frau ist selbst Mesnerin in einer Nachbarkirche. Eine seiner beiden Töchter ist Kirchenmusikerin, die beiden anderen Kinder sind an Feiertagen als Ministranten eingespannt. So sind die Thalhammers fast so etwas wie ein Familienbetrieb…

Seit 30 Jahren ist der Mesner von St. Peter im Amt. Seinen Job tauschen würde er auf keinen Fall, er hängt an seiner Pfarrkirche: wenn er in der Früh um sieben aufsperrt und immer dann, wenn die Gottesdienste vorbei sind, ist St. Peter eine Oase der Ruhe mitten in der quirligen Innenstadt.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zu den Themen Pfingsten 2017 Fronleichnam 2017

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