Ausbildung Mesnerschule Freising feiert Jubiläum

16.03.2020

Jedes Jahr werden angehende Mesnerinnen und Mesner in einem dreiwöchigen Grundkurs in Freising ausgebildet.

Die Schüler der Mesnerschule lernen den pfleglichen Umgang mit liturgischen Geräten.
Die Schüler der Mesnerschule lernen den pfleglichen Umgang mit liturgischen Geräten. © Burghardt

Freising – Für Martin Thullner aus Traunstein ist es eine liebgewonnene Tradition: Wenn die Fastenzeit beginnt, geht er für drei Wochen nach Freising. Aber nicht etwa in Fastenexerzitien, sondern um zu  unterrichten: Thullner leitet seit 2007 die Überdiözesane Mesnerschule, in der jedes Jahr angehende Mesner aus dem süddeutschen Raum bei einem dreiwöchigen Kurs ausgebildet werden. Mesner – und Mesnerinnen! „Der Frauenanteil im Kurs steigt, heuer sind 22 Männer und neun Frauen dabei“, erzählt Thullner, der selbst Mesner in der Pfarrei Mariä Verkündigung in Haslach (Dekanat Traunstein) ist.

Der Mesner als Notfallmanager

Unter den Teilnehmern finden sich junge Berufsanfänger ebenso wie erfahrene Quereinsteiger, die noch einmal einen Neustart wagen. Den Kurs besuchen darf jeder, der eine Praxiserfahrung von sechs Monaten vorweisen kann und in seiner Pfarrei mindestens 20 Stunden pro Woche im Dienst ist. Handwerker, Akademiker, sogar ehemalige Manager und eben auch immer mehr Frauen entscheiden sich für den Mesnerberuf, der Kompetenzen als Hausmeister und Messdiener, als Techniker und Florist und nicht zuletzt auch als Notfallmanager erfordert. „Die Mesner müssen für Sicherheit in und um die Kirche sorgen. Das betrifft das Verlegen von Kabeln, das Streuen bei Eisglätte und natürlich den Brandschutz“, erklärt Thullner und erinnert sich auch an ernste Situationen: „Man ist auch als Ersthelfer gefragt. Ich habe in meiner Zeit als Mesner mehr als 20-mal den Krankenwagen gerufen, das schlimmste Erlebnis war einmal eine Reanimation während der Erstkommunion – Gott sei Dank ist es gut ausgegangen.“

Von der Bibelkunde bis zum Blumenschmuck

Das Kursprogramm umfasst eine breite Themenpalette: von der Lektorenschulung bis zum Blumenschmuck in der Kirche, von der Verwendung von Kerzen bis zur Betreuung von Turmuhren, von der Denkmalpflege bis zur Einführung in die Bibel – und sogar ein Ausflug auf den Freisinger Domberg zum Zuschneiden der Rosenstöcke ist eingeplant. Viel Theorie, aber auch viel Praxis – und ganz verkehrt ist der Gedanke der Fastenexerzitien dann doch nicht: Der Kursort, das Pallottihaus in Freising, bietet Ruhe und Zurückgezogenheit, ein spirituell geprägtes Umfeld und eine hauseigene Kirche. Außerdem steht den Teilnehmern mit Pfarrer Otto Mittermeier auch ein geistlicher Betreuer zur Seite.

Der Kurs schweißt zusammen

„Versicherungsfragen, technische Auflagen, mehr Vorschriften – die Anforderungen gegenüber früher sind gestiegen“, gibt Schulleiter Thullner zu bedenken. Und Pfarrer Mittermeier ergänzt: „In vielen Kirchen ist der Mesner zu einem seelsorglichen Ansprechpartner geworden. Er ist neben der Pfarrsekretärin oftmals der letzte verbliebene Ansprechpartner, wenn kein Pfarrer mehr da ist.“
Neben allen Herausforderungen des Berufs wird im Gespräch mit Thullner aber auch viel von der Begeisterung deutlich, die ihn für sein Tun erfüllt und im Laufe des Kurses auch auf die Teilnehmer überspringt: „Die drei Kurswochen schweißen zusammen, da entstehen Freundschaften.“ Seit 1970 haben über 1.600 Mesnerinnen und Mesner den Kurs der Überdiözesanen Mesnerschule Freising absolviert. Am Donnerstag, 19. März, nehmen die diesjährigen Absolventen ihre Urkunden entgegen und feiern gemeinsam mit früheren Teilnehmern und Dozenten das 50-jährige Jubiläum der Mesnerschule.

Interview: „Vieles wird erst über den geschichtlichen Hintergrund erklärbar“

Pfarrer Otto Mittermeier hat zu Studienzeiten selbst als Mesner gearbeitet und ist geistlicher Beirat der Überdiözesanen Mesnerschule.

MK: Sie unterrichten die Teilnehmer in Liturgik und Sakramentenspendung. Was genau erwartet die Schüler?
Pfarrer Mittermeier: Wir befassen uns mit dem Aufbau und der Entstehungsgeschichte der Eucharistiefeier, mit dem Kirchenjahr und seinen Festen, mit den Sakramenten und Sakramentalien wie beispielsweise Segnungen und Begräbnisfeiern. Auch der christliche Kirchenraum mit seinen liturgischen Orten wie Altar, Ambo oder Taufstein wird behandelt – gerade diese sind ja dem Mesner anvertraut.

MK: Warum ist es wichtig, dass ein Mesner nicht nur Hausmeister der Kirche ist, sondern auch eine theologische Schulung erhält?
Pfarrer Mittermeier: Damit er die Bedeutung und Symbolik der liturgischen Handlungen  versteht. Er soll wissen, warum zu bestimmten Gelegenheiten welches spezielle Öl verwendet wird oder warum Weihrauch zum Einsatz kommt. Vieles wird erst über den geschichtlichen Hintergrund erklärbar. Die Schüler bringen aber auch selbst viele Fra- gen mit, die beantwortet werden müssen – auch persönliche Glaubensfragen.

MK: Spielt der Mesner in der Liturgie eigentlich auch selbst eine Rolle, abgesehen vom Glockenläuten?
Pfarrer Mittermeier: Manchmal tritt der Mesner auch als Lektor in Erscheinung oder springt als Kommunionhelfer ein. Es kommt sogar vor, dass der Mesner gleichzeitig Organist ist und vor Beginn der Messe hastig aus der Sakristei zur Orgel eilt. Das alles sind aber nicht seine eigentlichen Aufgaben. Mesner zu sein, ist ein eigener liturgischer Dienst, früher war das sogar eine niedere Weihe.

MK: In welchen Situationen waren Mesner für Sie persönlich in Ihrer Laufbahn als Priester wichtig?
Pfarrer Mittermeier: In vielen! Als verlässliche Helfer in Notsituationen, als Betreuer der Ministranten, aber auch als Ansprechpartner, die vor Ort zu Hause sind und Bescheid wissen. Zum Beispiel vor Beerdigungen: Oft konnte mir die Mesnerin oder der Mesner Auskunft zur familiären Situation des Verstorbenen geben, was es mir selbst erleichtert hat, gegenüber den Angehörigen die richtigen Worte zu finden.


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