Konfliktforscher zu Syrien Militärschlag ist keine Lösung

29.08.2013

Die Gefahr einer Eskalation ist groß! Deshalb ist für Konfliktforscher Stephan Stetter ein militärischer Angriff keine Lösung. Er hält ein gemeinsames Eingreifen der Vereinten Nationen mit der arabischen Liga für erfolgreicher.

(Bild: imago/Xinhua)

Ein kurzzeitiger Militärschlag gegen Syrien ist für den Münchner Konfliktforscher Stephan Stetter nicht die Lösung des Syrienkonflikts. So ein Eingreifen könne nur eine Reaktion auf den Giftgaseinsatz sein, den die Weltgemeinschaft nicht hinnehmen könne, so Stetter im Interview mit dem Münchner Kirchenradio. Der Politologe lehrt an der Bundeswehruniveristät in Neubiberg internationale Politik und Konfliktforschung. Nach seiner Meinung kann die Situation in Syrien bei einem militärischen Einschreiten der USA und Großbritannien eskalieren, auch wenn sich die beiden Großmächte die Unterstützung westlicher Verbündeter und der arabischen Liga gesichert hätten. Wie sich die Lage im Nahen Osten weiter entwickle, hänge vor allem von der Reaktion der Syrer ab, die mit dem Iran einen starken Verbündeten in der Region hätten.

Als Lösungsmöglichkeit sieht Stetter eine starke Intervention der Vereinten Nationen. Allerdings dürfe die nicht militärischer Art sein. Seiner Ansicht nach könnte eine Lösung ähnlich aussehen wie in den 1990-iger Jahren auf dem Balkan. Damals wurde Bosnien Herzigowina ein teilsouveräner Staat mit einer starken Präsenz und Verwaltung durch die Vereinten Nationen. Im Fall von Syrien müsse auch die arabische Liga stark in so einen Lösungsansatz eingebunden werden, so Stetter. Allerdings sehe er im Moment dafür in Syrien keine Kompromisslinie.

Im Gegensatz zu anderen Konflikten im Nahen Osten spielt in Syrien die Religion nur eine nachgeordnete Rolle. Das Assad-Regime hat einen säkularen Staat gebildet. Historisch gesehen ist Syrien ein multireligiöses Land. Darum sieht Stetter nur begrenzte Einwirkungsmöglichkeiten für die katholische Kirche. Man könne nur den Dialog zwischen den ethischen Gruppen fördern und ein stärkeres Internationales Engagement zur Beendigung des Konflikts fordern. (chm/cs)


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