Heiligtümer für die Handtasche Mini-Altäre basteln in Kloster Beuerberg

17.08.2019

Zur aktuellen Ausstellung des Diözesanmuseum "Heimat" in Kloster Beuerberg gehören auch kleine Kunstangebote für jedermann, bei denen sich Basteln, Brauchtum und Meditation verbinden.

Streichholzschachteln zu Minialtären: Sogar Muscheln finden einen Platz in den kleinen Kunstwerken, die Besucher in Kloster Beuerberg basteln können. © KIderle

Beuerberg - Es blinkt und glänzt wie ein Märchenschatz, dabei ist es doch „nur“ Bastelmaterial, das Elena Buono im Kunstatelier von Kloster Beuerberg ausbreitet. Manches stammt noch von den Ordensschwestern selbst, die hier vor einigen Jahren ausgezogen sind. Die Künstlerin und Buchillustratorin packt rote, grüne und blaue Glassteinchen und Perlen aus, bunte Papiere mit Blumen oder strengen geometrischen Mustern, kleine Heiligen- oder Engelbilder, Borten und Zierbänder, Tesastreifen mit goldenen Verzierungen. „Besonders Kinder lieben den Glitzer, aber man kennt das natürlich alles auch von Klosterarbeiten“, erklärt die 34jährige. Dann legt sie dutzende Streichholzschachteln auf die Werktische, in allen Größen, schmale, breite, flache. Sie sollen sich in kleine Heiligtümer oder Reisealtärchen verwandeln. „Es geht darum, einen Mikrokosmos, etwas Kostbares auf ganz kleinen Raum zu versammeln“, sagt Buono. Die gebürtige Italienerin zeigt eine große Schachtel, die sie selbst bemalt und verziert und gerne bei sich trägt. Der Deckel zeigt eine weißblaue Tür, darüber ein blaues Satteldach. Es ist eine Umkleidekabine, wie sie in ihrer Heimat überall am Meer zu finden sind. Zieht man den Schuber heraus, ist eine kleine Strandszene mit Sonnenschirmen und Badenden zu sehen. Ein Stück Zuhause, das sich in die Handtasche stecken oder auf den Schreibtisch stellen lässt. Die Bastelarbeiten passen aber auch zur Ausstellung in Kloster Beuerberg, die der Frage nachgeht, was Heimat bedeutet. „Und da gehören auch liebe Menschen und Landschaften, Glaube und Religion dazu, in denen sind wir ja zuhause.“ Das erinnert an die Tradition der Pilgeraltäre, die Reisende und Pilger früher oft im Gepäck mit sich führten.

Die Seele arbeitet mit

Und jedes Schächtelchen ist eine kleine Meditiation, ein Gebet oder eine Art Fürbitte. Hinter Renate Wehmeier klebt eine Besucherin mehrere kleine Schächtelchen in ein große. Wie auf einem gotischen Flügelaltar stehen drei Bilder nebeneinander: eine Madonna, eine Löwenzahnwiese mit einem Kirchturm und eine japanische Trickfilmfigur. Es soll ein Geschenk für einen Freund werden, „der ins Ausland geht“, verrät sie. Das Altärchen „soll ein bisschen beschützen, trösten und an Oberbayern erinnern“. Die achtjährige Paula Kofler hat dagegen zu den bereitliegenden Stiften gegriffen und malt konzentriert: eine Wiese mit Blumen und Schmetterlingen ist auf den Boden der Schachtel schon zu erkennen. Dann sollen noch Tiere hinzukommen, „weil ich alles aus der Natur mag“. Die Zigarettenwerbung auf dem Deckel gefällt ihr dagegen überhaupt nicht und sie überklebt ihn mit Schmuckpapier. Die Zündhölzer, die noch in der Schachtel waren, sortiert sie wieder sorgfältig zurück. Das kleine Kunstwerk soll in die Küche kommen „und die Mama freut sich dann, wenn sie immer mehr von meinem Bild entdeckt.“

Es kann nichts misslingen

Mittlerweile ist es im Kunstatelier voll geworden, obwohl es erst seit einer halben Stunde geöffnet ist. Freundlich werden Scheren oder Klebstofftuben weitergereicht und schon die ersten Tipps ausgetauscht. Im Atelier sollen auch schon Freundschaften begonnen haben, erzählt Elena Buono. Zumindest ist unschwer zu erkennen, dass die ruhige und gleichzeitig konzentrierte Arbeit, die Menschen füreinander öffnet. So gut wie nie misslingt ein Altärchen. Selbst Menschen, die sich für künstlerisch oder handwerklich unbegabt halten, sind erstaunt, was sie da hervorbringen. „Man kann nicht viel falsch machen“, sagt Elena Buono, die aufmerksam zwischen den Tischen umhergeht, hier berät, dort ein bisschen unterstützt und immer ermuntert. „Die glitzernden und glänzenden Ausgangsmaterialien, die bedruckten Papiere sind ja schon da, die muss niemand selbst machen.“ Es kommt nur darauf an, sie so miteinander zu kombinieren, „dass es auch etwas von einem selbst ausdrückt.“

Audio

Zum Nachhören

Beitrag über Basteln in Beuerberg im Münchner Kirchenradio

Elena Buono begleitet die Streichholzschachtelbastler in Kloster Beuerberg. © Kiderle

Muse und Meditation

Manche verbringen den ganzen Nachmittag damit. Die meisten arbeiten aber zwischen einer halben oder einer ganzen Stunde an ihren Kunstwerken. So wie Isabella Neber, die sich mit ihrem Freund „einen schönen Tag in Kloster Beuerberg machen will“ und im Kunstatelier hängengeblieben ist. Sie hat sich ebenfalls ein Marienbild ausgewählt und beim Suchen nach Verzierungen in einer Schachtel winzige Muscheln gefunden. Die befestigt sie mit Uhu am unteren Rand ihrer Schachtel: „Weil Maria wird ja auch mit dem Meerstern in Verbindung gebracht, da gibt es ja auch das Lied, das passt doch.“ Die junge Frau strahlt über das ganze Gesicht wie die Goldborte auf ihrer Streichholzschachtel, weil ihr das kleine Kunstwerk selbst so gut gefällt: „Das ist einfach so eine kreative Arbeit, für die man sich sonst nicht die Zeit nimmt.“ Isabella Neber schaut noch einmal auf den Deckel ihrer Schachtel, den sie mit einem schwarzen Schmuckpapier versehen hat, auf das ein goldenes Rautenmuster gedruckt ist. In der Mitte hat sie noch ein blütenförmiges Kreuz angebracht. Ehrwürdig und kostbar sieht es aus, wie ein kleines Heiligtum. Anfangs hatte sie vor, es ihrer Oma zu schenken, aber jetzt, nachdem sie es fertiggestellt hat, schwankt sie. Vielleicht behält sie es doch lieber selbst. Aber es gibt ja noch verschiedene Gelegenheiten, das sie noch ein zweites Altärchen in Kloster Beuerberg bastelt. Am 8. September und am 1. November packt Elena Buono ihren Märchenschatz aus Glasperlen, Borten und Papier nochmals aus.

Die aktuelle Heimat-Ausstellung mit einem umfangreichen Programm in Kloster Beuerberg dauert noch bis zum 3. November . Der Ort liegt etwa zehn Kilometer südlich von Wolfratshausen und ist auch mit dem Bus zu erreichen. Auch ein Radweg führt dorthin.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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