Bilderserie Miriam Ferstl fotografiert Kronleuchter in sakralen Räumen

15.04.2018

Aus ungewohnter Perspektive - direkt von unten – hat die 31-Jährige Kronleuchter abgelichtet. Auf der Suche nach der Mitte der Leuchter, ist die 31-Jährige auch ihrer eigenen Mitte nähergekommen.

Durch ihrer Arbeit ist Miriam Ferstl Gott näher gekommen.
Durch ihrer Arbeit ist Miriam Ferstl Gott näher gekommen. © Irgens-Defregger

„Die Welt zu seiner Kirche zu machen“, ist für Miriam Ferstl wichtig. Für die 31-Jährige ist die eigentliche Kunst das Führen eines guten Lebens. Durch ihre Arbeiten kann man die Schönheit in sich selbst und im anderen entdecken; ihre Kunst lehrt sehen. Mithilfe eines einfachen Perspektivwechsels reklamiert sie ein Umdenken und verspricht einen Mehrwert.

Wie ist das möglich? Die Antwort ist so einfach wie genial und heißt: „looking up“ – „schau nach oben“. In der Tat, es lohnt sich wirklich, den Blick gelegentlich von seinem Smartphone zu lösen und einmal die entgegengesetzte Haltung einzunehmen. Also in den Himmel zu schauen. Besser noch: in den gemalten Himmel eines Kirchenschiffes zu blicken und beispielsweise an den Gurtbögen des Gewölbes die umwerfende Schönheit und Symmetrie eines Kronleuchters wahrzunehmen, wenn man direkt darunter steht. Für die junge Künstlerin, die bereits in ihrer Jugend nach der Natur gemalt und gezeichnet hat, ein Aha-Erlebnis mit einschneidender Wirkung auf ihr Leben.

Symbolik des göttlichen Lichts

Es entstand gleich eine ganze Fotoserie mit 24 Kronleuchtern. Faszinierende Bilder mit konzentrischen Kreisen, gedruckt auf großen Platten aus Acrylglas, die im vergangenen Jahr auch in einer Münchner Ausstellung gezeigt wurden. „Durch meine Arbeit“, erzählt die Katholikin, „habe ich noch mehr zu Gott gefunden.“ Die Symbolik der Zahlen spielt für sie ebenso eine Rolle wie die Symbolik des göttlichen Lichts, das für sie in jedem Menschen strahlt.

Fündig geworden ist die Künstlerin auf einer Tournee entlang der kroatischen Küste vor zwei Jahren. Während sie abends zusammen mit einer Rock-Band als Musikerin auftrat und Rockballaden zum Besten gab, blieb ihr tagsüber viel Zeit, sich in der idyllischen Insellandschaft der Adriaküste umzusehen. In den verschiedenen Dorfkirchen entdeckte sie die durch alte Handelsbeziehungen aus Italien stammenden und meist von Venedig per Schiff nach Dalmatien transportierten lichtspendenden Designobjekte.

Der eigenen Mitte nähergebracht

Diese künstlichen Leuchtkörper in ihrer Vielzahl, Vielfalt und Ästhetik mit großem Staunen wahrzunehmen und mit der Digitalkamera aus ungewohnter Perspektive direkt von unten abzulichten, das war die zündende Idee von Miriam Ferstl. Es war ein Aufbruch ins Abenteuer künstlerischer Selbständigkeit und zugleich ein großes Glücksgefühl: „Die Suche nach der Mitte der Leuchter hat mich auch meiner eigenen Mitte nähergebracht“, sagt die Künstlerin und ihre blauen Augen strahlen dabei vor Freude genauso wie die brillanten Farben ihrer Kunst auf Acrylglas.

Das Kreisrunde ihrer Bildwelten wirkt auf den Betrachter entschleunigend wie ein Sog meditativer Stimulierung. „Entschleunigung ist mir sehr wichtig“, sagt die 31-Jährige, die in Oberviechtach im Bayerischen Wald geboren ist. „Bei uns zu Hause gehen die Uhren anders“, meint Ferstl. „Man lebt mit der Natur“. Sie ist dankbar für diese ihr geschenkte Naturverbundenheit.

Drei Weltreligionen umspannen

Dennoch will Ferstl den Radius ihrer Welt, die auf dem Land auch Grenzen hat, erweitern. Auf der Suche nach der eigentlichen Berufung hat sie viele Berufsbilder kennengelernt. Auf der Theaterbühne steht sie bereits als Schülerin im Rampenlicht, bevor sie sich in kleineren Rollen auf der großen Bühne ausprobiert. „Meine Suche nach künstlerischen Ausdrucksformen war immer schon vorhanden“, betont sie. In Bayreuth studiert sie Germanistik, Theater- und Medienwissenschaft. Danach geht sie nach Bochum, wo sie am Schauspielhaus unter anderem als Assistentin in der Dramaturgie und Requisiteurin arbeitet. Ihr „Heimweh“ bringt sie rasch wieder in den Süden zurück.

Eine weitere Station in ihrem Leben wird München, wo sie unter anderem beim Bayerischen Rundfunk in der Tatort-Redaktion eine Anstellung als Assistentin hat. Ihre gleichzeitig große Wissensneugierde stillt die junge Künstlerin vor allem mit dem Lesen vieler Bücher, welche die Regalwände ihrer Münchner Wohnung füllen. Darunter kiloschwere Kompendien des Zoologen Ernst Haeckl und des Pflanzenfotografen Karl Blossfeld, deren akribische Naturbeobachtung Ferstl nicht nur begeistert, sondern auch Impulse für ihre eigene künstlerische Arbeit gibt.

Eine weitere Facette ihrer Arbeit mit dem göttlichen Licht zeigt ihr nächstes Kunstprojekt, das mit Kronleuchtern aus Kirchen, Moscheen und Synagogen die drei Weltreligionen umspannen wird. Das Ergebnis wird dann im August in einer Ausstellung in Freising und voraussichtlich nächstes Jahr in Rom zu sehen sein. (Angelika Irgens-Defregger)

Mehr über die Arbeit von Miriam Ferstl, Ausstellungen und vieles mehr erfahren Sie auf der Homepage der Künstlerin.


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