Emmausgang am Högl Mit allen fünf Sinnen Ostern erspüren

03.04.2018

Beim Emmausgang der Katholischen Landjugendbewegung am Högl pilgern schon seit Jahrzehnten Gleichgesinnte mit.

Die Emmaus-Pilger vor der Filialkirche St. Johannes der Täufer.
Die Emmaus-Pilger vor der Filialkirche St. Johannes der Täufer. © Veronika Mergenthal

Anger/Teisendorf/ Thundorf-Straß – „Im Gleichschritt geht es besser“, sagt Ingrid Wetzelsperger. Fest hält sie die Hand ihrer Freundin Irmgard Wallner, die ihre Augen geschlossen hat. Durch den Bergwald schreiten die beiden Teisendorfer Frauen, die schon vor ein paar Jahrzehnten durch die Landjugend zusammen fanden, in der Kühle des Morgens sanft bergauf. „Es ist leichter, wenn man blind vertraut, als wenn man viel nachdenkt“, ist das Fazit der Blind-Geführten. Um die fünf Sinne ging es heuer beim „Emmausgang“ der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) Berchtesgadener Land am Högl.

An die 30 Jahre hat diese besinnliche Wanderung am Ostermontag schon Tradition. „Die Emmaus-Erzählung wird jedes Jahr neu interpretiert“, erklärt die Angerer Landjugend-Aktive und erfahrene Emmaus-Gängerin Carina Gumpinger. Die Vorbereitung übernähmen immer Vertreter aller drei Ortsgruppen der KLJB Berchtesgadener Land, nämlich Anger, Teisendorf und Thundorf-Straß.

Vogelgezwitscher intensiv wahrnehmen

An einer Marienkapelle am Högl, dem langgestreckten Hügel nordöstlich der Orte Piding und Anger (Dekanat Teisendorf), geht es mit Blick auf den Hochstaufen los. Das diesjährige Emmaus-Team gibt der vom Alter her bunt gemischten Schar Impulse aus der Bibel und dem Alltagsleben mit auf den Weg. Wie die Erzählung des Evangelisten Lukas vom Blinden aus Jericho, den Jesus aufgrund seines Glaubens für geheilt erklärt, „Manchmal sind wir uns nicht bewusst, was wir alles übersehen, obwohl wir eigentlich sehen“, regt Paula Gasser aus Teisendorf zum Nachdenken an.

Durch die Partner-Übung des gegenseitigen Führens entsteht Vertrauen und Lockerheit in der Gruppe. Erstaunt stellen alle beim Feedback an der nächsten Station fest, dass sie in der Rolle des „Blinden“ die Stimmen und das Vogelgezwitscher viel intensiver wahrnahmen.

Was wird Ostermontag gefeiert?

Kirchlich gesehen steht am zweiten Feiertag die Emmausgeschichte im Mittelpunkt: Zwei Jünger gehen in tiefer Trauer über Jesu Tod von Jerusalem zu dem Dorf Emmaus. Unterwegs gesellt sich Jesus zu ihnen, doch sie erkennen ihn lange nicht. Hier zeigt sich Jesus nach biblischer Überlieferung erstmals nach seiner Auferstehung den Jüngern. Viele führen den Brauch des Osterspaziergangs auch auf diese biblische Geschichte zurück.

Beim Start an der Marienkapelle am Högl, im Hintergrund der Hochstaufen.
Beim Start an der Marienkapelle am Högl, im Hintergrund der Hochstaufen. © Veronika Mergenthal

Als nächstes geht es um den Hörsinn. Welcher Satz von den vielen gehörten Worten in der letzten Woche ist uns im Gedächtnis geblieben? Alle denken in Stille nach. Gar nicht so einfach, aus der tagtäglichen Wort-Flut etwas heraus zu filtern. „Ich habe mich an die freudige Nachricht meiner Ausbilderin erinnert, dass sie ein Baby bekommt“, teilt Veronika Strohmaier aus Anger ihre Gedanken mit der Gruppe. Später setzen sich die Emmaus-Pilger mit dem Tasten und Erspüren auseinander und erfühlen in Schuhkartons Muscheln, Luftballons, Reißnägel oder Steine.

Panorama-Rundblick von Salzburg bis zum Watzmann

Von weitem lockt der markante barocke Turm der Filialkirche St. Johannes der Täufer am Johannishögl, einem einstigen vorchristlichen Heiligtum. Nach dem steilen Schlussaufstieg treffen sich alle auf dem Kirchenvorplatz mit Panorama-Rundblick von Salzburg bis zum Watzmann. Die romanischen Mauern tragen ein spätgotisches Gewölbe mit einem Flügelaltar aus derselben Epoche.

Mit verteilten Rollen lesen drei Jugendliche das Lukas-Evangelium von den Jüngern von Emmaus, die, wie die Teisendorfer Gemeindereferentin Ursula Erl verdeutlicht, nicht sahen, nicht hörten und nicht fühlten. Erl: „Lange sind sie unterwegs nach Emmaus – Jesus geht mit – sie hören seine Worte, sie hören gerne zu – sie checken nichts.“ Erst beim Mahl mit Jesus seien ihn – wohl durch ein Zusammenhelfen aller fünf Sinne - „die Augen aufgegangen“.

Ausklang beim Wirt

Zum Vaterunser wird ein großer Kreis vor der Kirche gebildet. Als beim Agape-Mahl das duftende Fladenbrot miteinander gebrochen und gegessen wird, ist sie wirklich mit allen Sinnen zu spüren, die Gegenwart Jesu in der Gemeinschaft der Glaubenden. Österlich gestärkt werden die Teilnehmer mit dem „Botschafter-Lied“ in die Welt hinaus geschickt, zum Träumen und Anpacken aus der Kraft des Kreuzes heraus ermutigen, zu Respekt und Raum für Anderssein. Mit dem Landjugendgebet schließt sich der Kreis: „Gott, lass uns den Glauben nicht nur mit den Lippen bekennen...Öffne uns die Augen, dass wir sehen, wo wir gebraucht werden.“ Der fröhliche Ausklang, in den Vorjahren öfter in Form eines Picknicks, heuer beim Wirt, darf natürlich nicht fehlen. (Veronika Mergenthal)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel Ostern

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