Freisinger Bischofskonferenz Mit dem Evangelium gegen Populismus

15.03.2018

Die bayerischen Bischöfe wollen Hetze und Rassismus mit christlichen Werten und politischen Engagement begegnen. Das sagte Kardinal Reinhard Marx auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Augsburg.

Im Kardinal-Döpfner-Haus soll ein Zentrum für Demokratiearbeit entstehen.
Im Kardinal-Döpfner-Haus soll ein Zentrum für Demokratiearbeit entstehen. © SMB

Augsburg – Die Antwort auf Populismus und Extremismus, auf Antisemitismus und Hetze, sie liegt in einer fundierten politischen Bildung. Und deshalb möchte die Freisinger Bischofskonferenz diese stärken. Die Bischöfe haben beschlossen, zwei Kompetenzzentren für Demokratiearbeit zu gründen. Das sagte Kardinal Reinhard Marx auf der Abschlusspressekonferenz der Frühjahrsvollversammlung in Augsburg. Im Kardinal-Döpfner-Haus in Freising und im Caritas-Pirckheimer-Haus in Nürnberg sollen demnach zunächst zwei Halbtagsstellen entstehen, in den nächsten Jahren soll das Engagement in diesem Bereich dann ausgebaut werden.

Sprache des Evangeliums

Kardinal Marx, der der Freisinger Bischofskonferenz vorsteht, wies auf die besondere Bedeutung von politischer Aufklärung hin – gerade in der heutigen Zeit: „Es ist eine Sprache aufgekommen, die geprägt ist von Nationalismus, Rassismus und vom Gegeneinander. All das macht uns Sorgen.“ Es seien Tendenzen, die überall in der Gesellschaft zu beobachten seien. Deswegen wolle er sie auch nicht nur an der AfD festmachen, sagte der Erzbischof von München und Freising. Eine eindeutige Bewertung einer Partei oder gar eine Wahlempfehlung liegt Kardinal Marx fern, doch bei rassistischen oder populistischen Aussagen werde die Kirche Haltung zeigen. „Ich hoffe, wir Christen wissen, dass die Sprache des Evangeliums und der christlichen Soziallehre eine ganz andere ist.“ Es gehe darum, Populisten inhaltlich etwas entgegenzusetzen.

Bistum Speyer ist bayerisch

Die Freisinger Bischofskonferenz tagte erstmals 1848, damals hieß sie noch „Konferenz der bayerischen Bischöfe“. 1968 benannte sich das Gremium unter der Leitung von Kardinal Julius Döpfner in „Freisinger Bischofskonferenz“ um. Das nahm Bezug auf den damaligen Tagungsort, zum anderen gaben sich die Bischöfe diesen Namen aus Rücksicht auf das in Rheinland-Pfalz liegende Bistum Speyer. Zwar trennten die Siegermächte die Pfalz 1946 von Bayern ab, Teil der bayerischen Kirchenprovinz des Erzbistums Bamberg blieb Speyer aber weiter. Zu ihrer Vollversammlung im Herbst treffen sich die Bischöfe immer auf dem Freisinger Domberg, während der Tagungsort im Frühjahr seit 2009 jährlich zwischen den Bistümern wechselt. Zur Freisinger Bischofskonferenz gehören neben Speyer die sieben bayerischen Bistümer Bamberg, Würzburg, Eichstätt, Regensburg, Augsburg, Passau und München und Freising. Den Vorsitz hat traditionell der Erzbischof von München und Freising.

Kardinal Reinhard Marx betont die Bedeutung der katholischen Bildungseinrichtungen in Bayern.
Kardinal Reinhard Marx betont die Bedeutung der katholischen Bildungseinrichtungen in Bayern. © imago

Es ist zwar nicht neu, dass die Kirche sich mit solchen Themen beschäftigt, aber sie wolle die Menschen neu sensibilisieren, so Kardinal Marx. Sensibilisieren für Toleranz, Nächstenliebe und Offenheit. Einen wichtigen Beitrag dazu leiste auch der Religionsunterreicht an den Schulen, der Werte und Moral vermittle. Kardinal Marx: „Wir erreichen damit unglaublich viele Kinder und Jugendliche.“

Wissenschaft und Kirche

Dass Bildung für sie wichtig ist, betonten die Bischöfe in Augsburg auch bei einem anderen Thema. Die katholischen Hochschulen in Bayern seien auf einem sehr guten Weg, befand Kardinal Marx. „Wir sind froh, dass wir sie haben.“ Besonders hob er dabei das „Flaggschiff“ hervor, die katholische Universität in Eichstätt. Deren Hochschulleitung hat die Bischöfe in Augsburg ausführlich über die Fortschritte auf dem Campus informiert. „Die Hochschule arbeitet an den richtigen Themen“, sagte Kardinal Marx. „Das zeigt, dass wir was zu sagen haben.“ Er unterstrich die generelle Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Kirche. Der katholische Glaube sei auch immer ein reflektierter Glaube.

Neben den großen Themen Demokratie und Bildung ging es bei der Freisinger Bischofskonferenz auch um einige Personalien und Formalien. So wird in Nürnberg ein Datenschutzzentrum entstehen, mit dem die Kirche entsprechende Richtlinien der EU umsetzt. Außerdem soll der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl Vorsitzender der der Konferenz der katholischen Ökumenebeauftragten werden, um den „frischen Aufschwung“ des Reformationsgedenkjahres 2017 weiterzuführen. Und noch etwas war Kardinal Reinhard Marx wichtig. Die Wahlen zum Pfarrgemeinderat im Februar hätten mal wieder gezeigt, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement für die Kirche sei. „Ich bin sehr dankbar dafür“, betonte der Kardinal, „ein herzliches vergelt´s Gott.“ (lsoe)

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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