Gotteserfahrung Mit dem Herzen Gottes Stimme hören

09.09.2020

Gott antwortet, wenn er gerufen wird. So steht es in der Bibel. Pater Gunnar Bauer SJ hat diese Erfahrung auch gemacht.

Kopfhörer und ein Stein in Form eines Herzens
Gott lässt sich mit dem Herzen hören: Diese Erfahrung hat Pater Gunnar Bauer in seinem Leben gemacht. © Jenny Sturm - stock.adobe.com

 „Rufe zu mir, so will ich dir antworten und dir Großes und Unfassbares mitteilen, das du nicht kennst!“ – so heißt es in Jeremia 33,3. In der Bibel wird den Menschen zugesagt, dass Gott antwortet, wenn sie sich an ihn wenden. Auch Pater Gunnar Bauer SJ hat persönlich die Erfahrung gemacht, die Stimme Gottes zu hören.  Während seines Noviziats gab es zum Beispiel in den großen 30-tägigen Exerzitien einen Moment, da hat er gespürt: „Hier bin ich richtig“. Er habe Gott mit dem Herzen gehört, beschreibt er diesen eindringlichen Moment. Da sei eine Deutlichkeit und Klarheit gewesen, die nicht alltäglich war: „Das war etwas, das Gott mir sagen will.“.

Die Stimme Gottes hören, ist keine exklusive Erfahrung, die nur der 41-Jährige machen kann. Der Jesuitenpater ist davon überzeugt: „Gott will mit jedem Menschen kommunizieren. Er will mit jedem Menschen eine Beziehung haben.“. Das ließe sich zum Beispiel auch aus den vielen Berufungsgeschichten im Neuen Testament herleiten.

 „Gott lässt nicht locker.“

Gott spreche jeden Menschen ganz individuell an, so Bauer. Dabei sehe er ihn mit all seinen Stärken und Schwächen, die der Mensch hat. Für das „Gespräch“ würde er dann auch die passende Form wählen: Manch einer „hört“ ihn in der Kunst, andere erfahren Gottes Stimme in der Natur oder in der Begegnung mit anderen Menschen. Natürlich besteht dabei immer die Gefahr, dass die Stimme Gottes nicht als solche erkannt wird. Doch darüber macht sich der Jesuitenpater keine Sorgen, denn Gott lasse sich von der „menschlichen Taubheit“ nicht aufhalten. Er sei beharrlich: „Gott lässt nicht locker.“. Wenn er etwas wolle, dann meldet er sich immer wieder. Ein immer wieder aufkommendes Thema könnte also ein Zeichen für die Stimme Gottes sein. Dann möchte Gott demjenigen damit möglicherweise etwas sagen.

Gott ist leise

Pater Gunnar Bauer ist kirchlicher Assistent der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL). Es ist eine ignatianische Gemeinschaft, die sich auf den Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola, stützt. Sein Leitsatz lautet „Gott in allem suchen und finden“. Er entwickelte die Exerzitien, einen geistlichen Übungsweg, der dabei helfen soll. Diese Spiritualität prägt auch die GCL. Aus den Erfahrungen seiner Arbeit schließt Bauer, dass Gott eher leise ist als laut. Um Gott zu hören, müssten wir uns selbst wahrnehmen und nach Innen schauen. Durch Stille, bewusst gestaltetes Gebet oder auch Exerzitien könne die Stimme Gottes leichter wahrgenommen werden. Es gehe darum, dem „inneren Frieden“ nachzuspüren. Dabei spiele auch das persönliche Gewissen eine Rolle: „Durch das spricht Gott zu uns und rüttelt uns auf“. So werde der „innere Frieden“ bestätigt und vertieft.

Darüber hinaus sei es wichtig, betont Gunnar Bauer, den Blick zusätzlich auch nach Außen zur richten. Denn die Wahrnehmung anderer könne dabei helfen, die Stimme Gottes zu erkennen. Das könnten Freunde sein, aber zum Beispiel auch ein geistlicher Begleiter. 

Die Autorin
Katharina Sichla
Teamleiterin mk online
k.sichla@st-michaelsbund.de


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