Eindrücke von Uschi Dämmrich von Luttitz Mit dem Hilfswerk Missio in Äthiopien

22.08.2018

Uschi Dämmrich von Luttitz ist Patin eines Missio-Schulprojekts in Äthiopien. Kürzlich hat sie das afrikanische Land mit einer Delegation des Hilfswerks besucht – und war von so manchem überrascht.

Die Schulkinder freuten sich über den Besuch von Uschi Dämmrich von Luttitz und Monsignore Wolfgang Huber. © BrauerPhotos / A. Pöhner

Addis Abeba/Taza – „This is a work of God! – Das ist Gottes Werk.“ Das empfinden nicht nur Priester und Mönche. Der neue Hoffnungsträger eines Landes, das als Wiege der Menschheit gilt, heißt Abiy Ahmed Ali. Im April wurde er zum neuen Premierminister von Äthiopien gewählt. Auf den Heckscheiben der Autos in Addis Abeba ist sein Konterfei aufgeklebt. Der Friedensschluss mit dem „Erzfeindland“ Eritrea war ein großartiger Auftakt. Alle angrenzenden Nachbarländer hat der protestantische, der ethnisch stärksten Gruppe der Oromo angehörige Premier besucht sowie alle Regionen des Landes, um sich einen Überblick über die Lebensbedingungen der Menschen zu verschaffen.

Äthiopien, immer noch gezeichnet vom Trauma einer der größten Hungerkatastrophen mit einst einer Million Opfern, gilt heute als eine der aufstrebenden Wirtschaftsnationen des Kontinents. Die Kulturnation ist bekannt für ihr urchristliches Erbe, das äthiopisch-orthodoxe Christentum (43,5 Prozent) ist die bedeutsamste Religion, gefolgt von Protestanten (18,6 Prozent). Die Katholiken haben einen Anteil von 0,7 Prozent, 33,9 Prozent sind Muslime.

Bei der Ankunft in Addis Abeba erlebe ich, mit welcher Herzlichkeit sich Menschen am Flughafen teils mit Blumen begrüßen. Mit der Missio-Beauftragten Antje Pöhner werden wir vom katholischen Priester Petros Berga in unsere Unterkunft, ein Kapuziner-Kloster, gebracht. Smog hängt über der Millionenmetropole, Abgaswerte scheinen nicht das erste Thema, obschon die stinkenden, aber sehr beliebten weiß-blauen Minibusse durch ein Schnellbussystem ersetzt werden sollen. Verkehrschaos, Baukräne als Zeichen von Wachstum und die Ärmsten der Armen, die unter Planen auf den Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen leben. Weniger Arme schaffen es in die Wellblech-Slums am Stadtrand der heimlichen Hauptstadt Afrikas. Zufluchtsort für hunderttausende Familien aus armen ländlichen Gebieten oder Nachbarländern, aus denen sie vertrieben wurden. Sie erhoffen sich hier ein besseres Leben.

Nicht mit knurrendem Magen lernen

Oft bleibt es bei der Hoffnung. Oder nicht? Priester Berga hilft den Armen, ein neues Leben aufzubauen. Neun Gemeindezentren sind am Stadtrand von Addis Abeba entstanden mit Bildungsprogramm und Schulspeisungen für die vielen mangelernährten Kinder. Ein tägliches warmes Mittagessen ist so wichtig, denn: Wer lernt schon gerne mit einem nagenden Hungergefühl im Bauch? Für das Schulspeisungsprojekt wurde ich vom internationalen päpstlichen Missionswerk Missio München beauftragt, die Patenschaft zu übernehmen, und konnte mich vor Ort mit Missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber überzeugen, wie Hilfe und damit das Geld der Spenderinnen und Spender tatsächlich ankommt und äußerst sinnvoll eingesetzt wird.

77 Cent kostet ein Essen mit Injera, jenem nahrhaften, landestypischen mit Gemüse und Fleisch gefüllten aus Teff-, also Zwerghirse-Mehl hergestellten Fladenbrot. Wichtig bei diesem Projekt ist der ganzheitliche Ansatz. Das Essen wird von Müttern der Schulkinder zubereitet, die sich dadurch ein kleines Einkommen schaffen. Die einzige Chance, der Armutsschleife zu entkommen, ist Bildung. Dann können junge Menschen ordentliche Berufe ergreifen, der Weg in ein selbstbestimmtes Leben in Würde ist geebnet. Dieser Weg beginnt in der Schule. In einer Schule, die auch noch ein gesundes Mittagessen bereitstellt und in der keiner hungern muss. Das ist überzeugend, Monsignore Huber und mir hat das Fladenbrot gemeinsam mit den Kindern sehr gut geschmeckt. Die ersten Spenderinnen für mein Projekt waren übrigens Landfrauen aus Aichach-Friedberg, wo ich einen Vortrag hielt.

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Kleine Operationen zum Beispiel am Auge können von Schwester Meskel Kelta selbst durchgeführt werden.
Kleine Operationen zum Beispiel am Auge können von Schwester Meskel Kelta selbst durchgeführt werden. © BrauerPhotos / A. Pöhner

Liebevolle Versorgung

Ein langer Weg durch ein Labyrinth von Schlaglöchern und eine fast biblisch anmutende Landschaft liegen auf der Strecke nach Taza vor uns. Landwirtschaft mit Ochsenpflug und geduldig die Lasten schleppenden Eseln. Die Menschen und Kinder bunt gekleidet und fröhlich. Schwester Meskel Kelta, Missio-Partnerin, führt dort eine Gesundheitsstation und nimmt Waisenkinder auf. Täglich versorgt sie bis zu 100 Patienten. Als „Health Officer“ kann sie sogar kleinere Operationen zum Beispiel am Auge durchführen. Wenn sie morgens die Klinik aufsperrt, warten schon die Ersten, sie haben teils stundenlange Fußmärsche auf sich genommen. Krankheiten vermeiden, Mangelerscheinungen vorbeugen, Aufklärung über Hygiene: Die Patienten danken es ihr. In der Entbindungsstation werden Mütter und Neugeborene gut versorgt. Mit den Waisenkindern wird sehr liebevoll umgegangen. Obendrein hat die Schwester einen grünen Daumen und pflegt einen Garten vom Feinsten. Damit hat sie auch noch mein Gärtnerinnenherz gewonnen!

Fröhliche Menschen

Was nehme ich gedanklich mit nach Hause vom ehemaligen Königreich Äthiopien? Es ist ein Land mit den Weltkulturerbe-Felsenkirchen in Lalibela, einer Stätte voller Magie, ein Land, in dem in der Kirche der Heiligen Maria von Zion in Axum die Bundeslade mit den Zehn Geboten aufbewahrt sein soll, in dem unsere drei Millionen Jahre alte Vorfahrin, Skelett „Lucy“, im Nationalmuseum ruht. Es ist ein Land, in dem Bauern noch mit Ochsenkarren die Felder bestellen, wo auch arme Menschen gastfreundlich und bunt gekleidet sind, in dem dir Kinder fröhlich entgegenwinken, in dem die orthodoxen Christen jährlich eine Taufe des gesamten Volkes feiern, in dem katholische Priester und Schwestern den Ärmsten helfen. Vielleicht jene Gedanken eines Kapuziners: „Das Heute ist wichtig, das Morgen hängt ab von unserem Verhalten von heute. Das Gestern kannst du nicht vergessen, aber du kannst vergeben. Die Menschen hier haben ihre eigene Identität, auch die Armen. Die Zukunft wird, wie es scheint, hell sein.“ (Uschi Dämmrich von Luttitz, die Autorin ist Patin eines Misso-Schulprojekts in Äthiopien und hat das Land kürzlich besucht.)

Weltmissionssonntag 2018

„Gott ist uns Zuflucht und Stärke” (Ps 46) lautet das Bibelzitat zum Weltmissionssonntag 2018, unter dem missio die Arbeit der katholischen Kirche in Äthiopien vorstellt. Der Aktionstag findet am 28.Oktober 2018 statt.

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