Bad Endorf Mit dem "Krippe-Virus" infiziert

24.11.2017

Michael Reinthaler hat sich mit dem hochansteckenden "Krippe-Virus" infiziert. Doch nicht nur er: Mit Reinthaler gibt es in Bad Endorf nun schon vier Krippenbauer – und gemeinsam haben sie im wahrsten Sinne des Wortes Großes vor.

Drei Liebhaber der kleinen Kunstwerke (von rechts): Helmut Fleidl vom Förderverein, Bürgermeisterin Doris Laban und Michael Reinthaler, der gerade an einer Krippe baut. © Kiderle

Bad Endorf – Im Sommer wird gesammelt und im Winter gebaut: Michael Reinthaler hat sich mit dem „Krippe-Virus“ infiziert. „Hochansteckend“, schmunzelt er, denn zusammen mit ihm gibt es in Bad Endorf bereits vier geprüfte Krippenbaumeister und die haben jetzt mit ihrer Leidenschaft sogar die ganze Gemeinde angesteckt. Zum ersten Mal soll es heuer in der Weihnachtszeit einen Krippenweg geben. Außerdem bereits in Vorbereitung: eine riesige Freiluft-Krippe.

Krippenbau ist eine Sucht

Rund 80 Krippen hat Reinthaler bereits gebaut. Für ihn sind sie Ausdruck gelebter Religiosität. Vor gut zehn Jahren hat der Schreinermeister bei einem Bekannten eine selbstgebaute Krippe gesehen. „Da fasste ich den Entschluss: So eine will ich auch haben.“ Der 54-Jährige machte sich ans Werk, dabei packte ihn die Leidenschaft für dieses Hobby. Er wollte aber nicht nur immer mehr Krippen bauen, sondern dafür auch das fachliche Rüstzeug mitbringen. Darum ließ er sich in Österreich zum Krippenbaumeister ausbilden. Die Prüfung hat es in sich. Nicht nur handwerkliches Geschick wird gefordert, sondern auch umfangreiche Fachtkenntnisse. „Das ist eine richtige Wissenschaft“, erzählt der Krippenfan. Figuren, die Farbe ihrer Kleidung, Gegenstände – alles hat eine Symbolik. Eine Brücke weist beispielsweise auf den Übergang vom Alten zum Neuen Testament hin, ein Zaun steht für Geborgenheit. In Krippenbaukursen gibt Reinthaler sein Wissen an andere weiter. Für die nächsten drei Jahre sind bereits wieder alle Kurse komplett ausgebucht. Die jüngsten Teilnehmer sind gerade einmal zehn Jahre alt, die ältesten um die 80. Viele kommen immer wieder. „Es ist eine Sucht. Wer einmal damit angefangen hat, kommt nicht mehr davon los“, weiß Reinthaler. Im Sommer haben er und seine Frau Maria bei allen Wanderungen immer große Rucksäcke dabei für Wurzeln, Äste und Gräser – Nachschub für den Krippenbau im Winter.

„Wer eine Krippe selbst bauen will, braucht Zeit und Liebe“, erklärt der Krippenfachmann. Für eine einfache Ausführung müsse man um die 60 Stunden einkalkulieren. Reinthaler hat in seiner Sammlung aber auch Krippen, in denen weit mehr als 2.000 Stunden Arbeit stecken. Für ihn und die vielen anderen fleißigen Krippenbauer in Bad Endorf kein Problem. „Für uns ist diese Arbeit wie Meditation. Man wird dabei ganz ruhig und schaltet völlig ab“, erklärt er, während er das Dach einer alpenländischen Krippe mit Hunderten von winzigen Holzschindeln abdeckt.

Krippenweg in Bad Endorf

Die Gemeinde Bad Endorf hat mit Michael Reinthaler, Peter Bichler, Peter Rupp und Peter Ott nicht nur vier aktive Krippenbaumeister, sondern auch eine eigene Krippenbau-Ortsgruppe mit aktuell 43 Mitgliedern und Obmann Josef Manglberger an der Spitze, die dem Oberösterreichischen Krippenbauverein Oberes Innviertel angegliedert ist. „Diese Besonderheit muss genutzt werden“, dachte sich Helmut Fleidl, erster Vorsitzender des Fördervereins „Bad Endorf Weihnachtszauber“, und so entstand die Idee, den Christkindlmarkt heuer erstmals mit einem Krippenweg zu bereichern. Bürgermeisterin Doris Laban sagte sofort ihre Unterstützung zu: „Bad Endorf ist bodenständig. Glaube und Brauchtum spielen bei uns noch eine große Rolle. Mit dem Krippenweg wird der Grundstein für eine weitere Tradition gelegt.“

Der Krippenweg startet heuer mit 17 Krippen, die mit Plexiglas vor Wind und Wetter geschützt auf Pfosten im Freien aufgestellt werden. Wenn es nach Fleidl und den Bad Endorfer Krippenfreunden geht, soll der Krippenweg in den kommenden Jahren wachsen. Sie sind überzeugt, dass dieses Vorhaben die Dorfgemeinschaft stärkt und nebenbei auch noch den Tourismus ankurbelt. Darum ist für 2018 ein weiteres ehrgeiziges Vorhaben bereits in Planung: Eine Freiluft-Krippe, fünf Meter lang und 2,50 Meter hoch, wird aus dem Holz eines alten Bad Endorfer Stadels entstehen und mit 1,20 Meter hohen, individuell gestalteten Figuren bevölkert. Sie sollen die Gesichtszüge von Bad Endorfer Bürgern tragen. Auf diese Weise verewigen darf sich, wer die Anfertigung einer Figur sponsert. Für den Josef gibt es schon einen Interessenten. (Karin Wunsam)

Krippen-Ausstellung

In die Vorweihnachtszeit startet die Gemeinde Bad Endorf mit einer Krippen-Ausstellung bei den Chiemgau Thermen im Kultursaal am Park am Samstag, 25. November, von 12 bis 20 Uhr und am Sonntag, 26. November, von 10 bis 17 Uhr. Kaplan Stefan Leitenbacher aus dem Pfarrverband Bad Endorf segnet die Krippen zur Eröffnung am Samstag um 12 Uhr. Der Bad Endorfer Christkindlmarkt mit dem neuen Krippenweg findet am 1. und 2. Adventswochenende statt, 1. bis 3. Dezember und 8. bis 10. Dezember, von 16 bis 20 Uhr auf dem Kirchplatz.

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