Tag des geweihten Lebens Mit einem Bein im Kloster

01.02.2018

Bruder Johannes Paul ist Seelsorger, Ehemann und Benediktiner-Oblate. Jeden Tag muss er den Spagat zwischen Pfarrei, Familie und Gebet hinbekommen. Wie er das schafft, lesen Sie hier.

Br. Johannes Paul © SMB/Hasel

München – Moderne Brille, schicker Anzug. Auf den ersten Blick sieht man Bruder Johannes Paul nicht an, dass er einer besonderen Berufung folgt. Wenn man genauer hinschaut, entdeckt man einen kleinen, aber entscheidenden Hinweis auf dem Revers seines Jacketts. Da blinkt ein kleiner silberner Anstecker. Es ist die Benediktusmedaille. Darauf sieht man ein Kreuz und das Bildnis des heiligen Benedikt von Nursia. Die Medaille tragen alle Oblaten, die sich an ein Benediktinerkloster gebunden haben, erklärt Bruder Johannes Paul. Die benediktinische Spiritualität hat er in der Abtei Plankstetten entdeckt. Er heißt noch Martin Decker, als er die ersten Male dort zu Gast ist. „Da hat mich die Spiritualität sofort gepackt und meine Frau habe ich dann so mitgezogen ins Kloster, Schritt für Schritt“, erinnert sich Bruder Johannes Paul. Zu diesem Zeitpunkt sind beide noch unentschlossen und überlegen, ob nicht doch die franziskanische Lebensweise für sie besser wäre. Nach einer Pilgerreise nach Assisi fällt dann die Entscheidung: das Ehepaar will sich als Oblaten an Plankstetten binden.

Gebetsgemeinschaft gesucht

Die Oblation, mit der man verspricht, zur Klostergemeinschaft zu gehören, ist für Bruder Johannes Paul der vorläufige Endpunkt einer langen Suche. Er wächst evangelisch auf und studiert Theologie. Dann wird er katholisch und entschließt sich sogar, als Seelsorger zu arbeiten. Heute ist er Pastoralreferent in der Stadtteilkirche Christus Erlöser in Neuperlach. Aber auch als Seelsorger merkt er, dass ihm immer noch irgendetwas für sein Glaubensleben fehlt. In der Pfarrei-Arbeit sei es schwierig, eine richtige Gemeinschaft zu finden, erzählt Bruder Johannes Paul. „In kleinen Personalkonstellationen, ein Pfarrer und ein Pastoralreferent, wenn man da überhaupt einmal eine Gebetsgemeinschaft hat, ist das schon viel“. Eine dauerhaft tragende Spiritualität habe sich da bei ihm nicht entwickeln können. Die findet er letztendlich bei den Benediktiner-Mönchen. Die ordnen ihren Alltag durch das Stundengebet, das den Tag wie ein roter Faden durchzieht. Die Gebetsform lernt er schon vor seiner Oblaten-Zeit kennen. Ein Kaplan habe ihm einmal ein Brevier in die Hand gedrückt und gesagt, er soll das jetzt einfach beten. Zuerst habe er das Stundengebet als sehr angenehm empfunden. Dann aber fehlt ihm die Disziplin und er lässt das Stundengebet links liegen. Im Kloster entdeckt er die Gebetszeiten wieder. Heute muss es schon einen wichtigen Grund geben, dass er das Stundenbuch nicht aufschlägt.

Gemeinsam beten hilft auch der Ehe

Bei der Einhaltung der Gebetszeiten hilft ihm auch seine Frau. Wann immer möglich, beten sie das Stundengebet gemeinsam. Das helfe auch der Ehe, sagt Bruder Johannes Paul. Wenn man den Schritt der Selbstverleugnung, denn man bei der Oblation verspricht, einmal zusammen gegangen ist, dann hat man auch gemeinsame Ziele. Und man kann sich mit dem Ehepartner regelmäßig über den eigenen Glauben austauschen. Manchmal geht einem aber auch zu zweit das rechte Maß zwischen Gebet und Alltagsverpflichtungen verloren. Dann ist es gut, einfach wieder ein paar Tage im Kloster zu sein. Der Rhythmus dort sei strenger und „erinnert mich schnell wieder an das, was mir gut tut“, meint Bruder Johannes Paul. Was im Alltag oft verflache, „lebt im Kloster glücklicherweise auch sehr schnell wieder auf“. Zu Hause müssen beide dann wieder von neuem die richtige Balance zwischen Gebet, Arbeit und Familie finden. Und mit Hilfe der benediktinischen Spiritualität gelingt das dem Oblaten-Paar seit über zehn Jahren immer wieder aufs Neue.

Was ist ein Oblate?


Der Begriff Oblate stammt aus dem Lateinischen und bedeutet der Aufgeopferte, der Dargebrachte. Das Oblatentum steht für ein grundlegendes christliches Lebensprogramm. Wie Christus sich Gott, dem Vater, und den Menschen hingab, so sollen sich die Christen Gott und dem Nächsten hingeben. Dieses Ziel strebt der Oblate an.
Seine Oblation ist ein öffentlicher Akt, in dem er verspricht, mitten in der Welt im Geist der Benediktsregel zu leben. Benediktineroblaten gehen diesen Weg der Nachfolge in bewusster Bindung an ein Benediktinerkloster.
Die Verbundenheit zwischen Kloster und Oblaten besteht vor allem in der Gebetsgemeinschaft. Das Kloster bietet zudem durch den Oblatenrektor Einkehrtage und geistliche Begleitung an. (benediktiner.de/ph)

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

Frater Ignatius in der Klosterkirche
© SMB/Fleischmann

Auf der Suche nach Gott Ein Tag mit Bruder Ignatius im Kloster Plankstetten

Seit vier Jahren lebt Bruder Ignatius (23) im Kloster. Bereut hat er diesen Schritt nie. Über das ungewöhnliche Zuhause eines jungen Mönchs und ein ganz besonderes Kloster.

05.03.2018

© Kiderle

Neue Gottesdienstreihe In St. Michael gestalten Frauen die Abendmesse

Was es mit dieser neuen Gottesdienstreihe auf sich hat, erläutert Initiatorin Schwester Susanne Schneider.

01.02.2018

© Kiderle

Neues Gremium Aufgaben und Ziele des Ordensforums

Das Erzbistum München und Freising hat Ende November vergangenen Jahres ein Ordensforum ins Leben gerufen. Prälat Lorenz Kastenhofer ist im Erzbischöflichen Ordinariat für die Orden zuständig und...

30.01.2018

Letzte Abstimmung vor dem Gespräch in Markt Schwaben: Nina Ruge, Abt Johannes Eckert und Gastgeber Bernhard Winter
© SMB/Kiderle

Sonntagsbegegnung in Markt Schwaben Nina Ruge und Mönch im Partnerlook

Jubiläum in Markt Schwaben: Zum 90. Mal gab es in der Gemeinde die Sonntagsbegegnung. Dieses Mal traf eine bekannte TV-Moderatorin auf den Benediktinerabt Johannes Eckert.

29.01.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren