Integration Mit Flüchtlingen aufs Hörnle

02.06.2017

Malteser und Deutscher Alpenverein haben sich zusammengetan, um Flüchtlinge im Alpenraum besser zu integrieren. Zum Beispiel beim Wandern. Wie so eine Bergtour abläuft, lesen Sie hier.

Flüchtlinge auf dem Hörnle © Tina Birke

Bad Kohlgrub - Früher Nachmittag an der Hörnle-Talstation: Gundula Martz und ihr Team warten noch auf die letzten Teilnehmer für die bevorstehende Wanderung in den Ammergauer Alpen. Es ist keine normale Bergtour, die Martz an diesem Tag leitet. Die Wanderer kommen aus Syrien, Eritrea und dem Irak. Sie alle sind Flüchtlinge und sollen beim Aufstieg zum Hörnle-Gipfelkreuz ihre neue Heimat besser kennen lernen. Gundula Martz hat Routine beim Wandern mit Flüchtlingen: zuerst hat sie es selber privat angeboten, dann hat sie sich noch bei den Maltesern zur A.L.M.-Lotsin weiterbilden lassen. A.L.M. steht für Alpen.Leben.Menschen. Die Malteser und der Deutsche Alpenverein haben das Projekt ins Leben gerufen, damit Flüchtlinge sich im Alpenraum besser einleben können.

Eine ausführliche Radio-Reportage über die A.L.M.-Wanderung aufs Hörnle hören Sie am Pfingstsonntag um 14.00 Uhr im Münchner Kirchenradio in der Sendung „Malteser Momente“. Die Sendung mit den Maltesern läuft immer am ersten Sonntag im Monat. Zu hören im Großraum München auf DAB+, im Webradio oder als Download auf der Homepage des Münchner Kirchenradios.

Integration funktioniere dann am besten, wenn man mit den Betroffenen nicht nur rumsitze, sondern etwas unternimmt, sagt Martz und läuft los. Beim Wandern könnten die jungen Männer und Familien ganz nebenbei ihren deutschen Sprachschatz erweitern. Sie sehen was die Tier- und Pflanzenwelt der Alpen alles zu bieten hat. „Sind das Affen“, fragt ein Teilnehmer. „Nein, es sind Eichhörnchen“, antwortet Martz geduldig. Und nachdem die Gruppe auf dem Gipfel angekommen ist, erklärt der Leiter des Integrationsdienstes Murnau, Josef Bauer, was es mit dem Gipfelkreuz auf sich hat. Auch bei der Brotzeit vor der Hütte geht der Unterricht weiter: die Flüchtlinge erfahren, wie Käsespätzle gemacht werden und welche Gewürze es in Bayern gibt.

Danach geht es wieder zurück ins Tal. Dort zeigt sich Gundula Martz zufrieden mit der zurückliegenden A.L.M.-Wanderung. „Niemand war unglücklich dabei, alle haben sich gefreut“. Obwohl einiges improvisiert gewesen sei, habe alles geklappt. Einige der Teilnehmer wollten bei nächsten Mal wieder mitgehen und hätten den Wunsch geäußert, dann auch auf der Hütte übernachten zu dürfen. Sich anfreunden und etwas gemeinsam unternehmen ist der beste Weg, um in der neuen Heimat anzukommen, das hat sich für die A.L.M.-Lotsin bei der Hörnle-Wanderung wieder einmal bestätigt. (Paul Hasel)


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