Impuls von Schwester Cosima Kiesner Mit Gesang und Saitenspiel

08.12.2019

Adventsmusik berührt Schwester Cosima Kiesner in ihrem Innern und lässt die Ordensfrau etwas von der Faszination erfahre, die in der Begegnung zwischen Gott und Mensch liegt.

Schwester Cosima Kiesner schätzt das gemeinsame Singen im Advent.
Schwester Cosima Kiesner schätzt das gemeinsame Singen im Advent. © eyetronic – stock.adobe.com

Musik prägt mein Leben. Schon als Kind liebte ich diese Stunden im Advent, wenn die ganze Familie um den Adventskranz versammelt zu singen begann. Unser Liederfundus ist groß. Wir sangen tatsächlich im Advent nur adventliche Lieder und erst ab der Weihnachtsfeier am Heiligen Abend wurden Weihnachtslieder angestimmt. Natürlich liebte ich als Kind fröhliche und leicht eingängige Lieder wie „Wann kommst du, schöne Weihnachtszeit“. Ein Lied, das ich außerhalb unseres Freundeskreises noch nie gehört habe. Aber genauso liebte ich die melodisch geheimnisvolleren Lieder wie „Es kommt ein Schiff, geladen“ oder „Komm, du Heiland aller Welt“. Beim Singen verbanden sich unsere Stimmen zu Wohlklang. Immer konnte jemand die zweite oder gar auch die dritte und vierte Stimme singen oder Lieder wurden mit dem Klavier, der Geige und dem Cello oder der Flöte begleitet.

Noch heute, Jahrzehnte später, genieße ich es, ein Adventswochenende in der Familie zu verbringen und um den Adventskranz versammelt zu singen und zu musizieren. Wenn mir das aber nicht möglich ist, dann bereite ich mir selbst eine musikalische Adventsstunde. Ich höre die adventlichen Teile aus dem „Messias“ von Händel oder Aufnahmen adventlicher Chorgesänge. Ich gehe zum Adventssingen in die Pfarrei oder mache mit den Nachbarn ein Treffen aus.

Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. Die Theologin und Germanistin leitet des "Zentrum Maria Ward" in Augsburg und begleitet Menschen bei Exerzitien.
Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. Die Theologin und Germanistin leitet des "Zentrum Maria Ward" in Augsburg und begleitet Menschen bei Exerzitien. © privat

Schönes Ritual in froher Gemeinschaft

Warum ist mir dieses Singen und Musizieren im Advent so wichtig? Es ist nicht nur ein schönes Ritual in froher Gemeinschaft, die fände ich auch beim Treffen am Würstelstand eines Adventsmarktes. Die Adventsmusik bedeutet mir so viel, dass ich je nach Lebenssituation neue Varianten suche. Zum einen finde ich die adventlichen Liedtexte schön. Die Erwartung, von der sie sprechen, und die Verheißung, die sie verkünden, berühren mich. Die Texte sind voller Bedeutung und die darin enthaltene Botschaft ist anregend und herausfordernd, so ganz anders als die Texte so mancher Weihnachtsschlager. Und mit den Melodien geht es mir genauso. Das übliche Christmas-Song-Gedudel in den Einkaufszentren schwallt mein Gehör zu. Die Melodien und Harmonien der Adventsmusik aber öffnen meine Sinne und berühren mich im Inneren.

Das genau suche ich in den adventlichen Mußestunden: die Berührung in meinem Inneren. Ich möchte Zeit haben für die Sehnsucht, die in mir schlummert, für die große Hoffnung, die mich beflügelt. Ich möchte Zeit haben für den in mir wohnenden Schmerz, den ich schon so lange mit mir herumtrage, und für die heilsame Kraft, die mir in der Erwartung Gottes und der Begegnung mit Ihm zuströmt. Das alles finde ich im Singen und Musikhören. Das sind Adventsstunden, in denen ich schon jetzt etwas von der Faszination erfahre, die in der Begegnung von Gott und Mensch liegt. Und genau darum geht es im Advent – jedenfalls Gott.


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