Religion in Popmusik Mit Gott zum Welthit

23.11.2017

My Sweet Lord von George Harrison ist weltberühmt. Offensichtlich geht's darin um Religion. Aber es gibt noch viele weitere Songs, die mit dem Thema Religion etwas subtiler umgehen. Darüber hat Renardo Schlegelmilch ein Buch geschrieben.

In der Popmusik spielt Religion eine Rolle.
In der Popmusik spielt Religion eine Rolle. © fotolia/ aradaphotography

mk online: Hallo Herr Schlegelmilch. Sie haben ein Buch über Religion in Popsongs geschrieben, wie kam es denn dazu?

Schlegelmilch: Das liegt daran, weil ich täglich damit zu tun habe. Ich arbeite für das domradio, an der Schnittstelle, wo diese beiden Themen zusammenkommen: Das eine ist sich jeden Tag mit Religion auseinanderzusetzen zu müssen, mit Fragen des Glaubens, und das andere ist die Popmusik, da man natürlich in den Sendungen zwischen den Liedern auch was erzählen muss. Nicht nur, dass der neue Ed Sheeran Song gut ist, sondern auch was über die Hintergründe der Lieder. So sammeln sich über die Jahre die Geschichten an. Zum Beispiel dass John Lennon mit Imagine eigentlich ein Lied über Atheismus geschrieben hat. John Lennon sagt selber, das ist die musikalische Vertonung des kommunistischen Manifests. Aber rein zufällig hat er kurz vor seinem Lebensende dann doch wieder irgendwie zum Glauben gefunden. Bob Marley die gleiche Geschichte. Leonhard Cohen war ein Jude, der in einem buddhistischen Kloster gelebt hat und über Jesus Christus Lieder geschrieben hat. So findest du massig Geschichten, wo du dir dann denkst: Könntest du eigentlich mal aufschreiben.

mk online: Wonach haben Sie die Songs für Ihr Buch denn ausgewählt?

Schlegelmilch: Im Prinzip sind das diese klassischen Pophits, diese Radiohits. Von 1950 bis heute. Es fängt an mit dem Beginn der Popmusik: Von da aus über die Beatles und die Rolling Stones, 70er/80er über New Wave, Künstler wie Madonna, die eine ganz andere Beziehung zu Religion haben, bis eben in die aktuelle Popmusik. Ich glaube, das Neueste, das ich drin hab‘ ist Human von Rag’n’Bone Man, das kam im Februar (2017) raus.

mk online: Warum tauchen denn religiöse bzw. christliche Motive so oft in Popsongs auf?

Schlegelmilch: Man muss ganz klar und deutlich sagen, ganz unabhängig von der Religion, sind das einfach ganz gute Geschichten. Die werden schon seit Jahrtausenden erzählt. Schönes Beispiel ist die Geschichte von Samson und Delilah aus dem Alten Testament. Samson als Gottgeweihter Richter hat eine übermenschliche Kraft, die in seinem Haar liegt. Seine Frau Delilah weiß das und verrät das seinen Feinden. Die kommen des Nachts, schneiden das Haar ab und besiegen ihn dann. Das ist der Ursprung für die Geschichte Frau betrügt Mann. Und wenn jetzt Künstler wie Johnny Cash oder Tom Jones über den Betrug der Frau am Mann schreiben wollen, dann nimmt man gerne dieses Motiv. Es taucht immer wieder auf. So verhält es sich mit vielen Bibelgeschichten.

mk online: Hat sich die Art verändert, wie Religion in der Musik heute vorkommt?

Schlegelmilch: Wenn du dir die Geschichten aus den 50ern und 60ern anschaust, dann siehst du, dass das alles ein klares Motiv hat. Damals hat man das Thema Religion in der Popmusik mit sehr viel Respekt behandelt - positiv wie negativ betrachtet. Es gibt natürlich auch sowas wie Sympathy For The Devil von den Rolling Stones oder Highway To Hell von ACDC. Dann hat sich das in den 70ern und 80ern umgewendet. Dann kam das Rebellische. Da findest du viele Lieder, die dann fast schon Religion verteufeln, was wollen wir damit, brauchen wir doch gar nicht. Das Musterbeispiel dafür ist dann Madonna, die in Like A Prayer nackt vor brennenden Kreuzen tanzt, um damit der älteren Generation, die so viel Ehrfurcht hat, eins auszuwischen. Heute ist es viel differenzierter. Heute findest du Künstler, die einen großen Respekt vor Religion haben, aber auch Künstler wie der deutsche Rapper Marteria– er hat 2014 OMG veröffentlicht - der sich ganz ernsthaft die Frage nach Himmel, nach Gott, nach Erlösung beschäftigt hat. Das aber auf eine spielerische Art.

mk online: Vielen Dank für das Interview.

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