Neue Formen von Rassismus Mit Mythen aufräumen

13.08.2016

Nach der Flüchtlingsswelle 2015 nehmen rechte Tendenzen in Deutschland zu. Vor allem Muslime sind immer mehr Ausgrenzung und Diskriminierung ausgesetzt. Wie gerade die Jugend für dieses Problem sensibilisiert werden kann, erklären Katharina Balk und Christian Frank vom Team der Internationalen Jugendbegegnung.

Katharina Balk und Christian Franke sind Mitglieder des ehrenamtlichen Teams der Internationalen Jugend-?begegnung (IJB). (Bild: privat)

Die These vom neuen Rassismus in Europa ist weder originell noch zutreffend. In der langjährigen Arbeit der Internationalen Jugendbegegnung (IJB) treffen wir immer wieder auf Stereotype und Vorurteile – seitens der Teilnehmenden, im Team und im gesellschaftlichen Umfeld. Im Zusammenhang mit der zunehmenden Präsenz rechten Gedankenguts in der Öffentlichkeit und der erstarkenden Rückbesinnung auf nationalstaatliche Interessen, treten auch immer häufiger rassistische und xenophobe Einstellungen zutage. Ein in den letzten Jahren sich verstärkendes Phänomen ist die Fokussierung rassistischer Diskurse auf Muslime als Träger neuer Feindbilder. Während der IJB machen wir die Erfahrung, dass diese Entwicklung zu skeptischen, wenn nicht feindseligen Äußerungen gegenüber muslimischen Teilnehmenden führt.#

Aus der Geschichte lernen

Die IJB ist ein Ort, an dem sich Teilnehmende unterschiedlicher Hintergründe im Laufe von zwei Wochen beim Besuch der KZ-Gedenkstätte, in Workshops und ihrer Freizeit begegnen. Der Anspruch, aus der Geschichte des Nationalsozialismus und des Konzentrationslagers Dachau für die heutige Zeit zu lernen, stößt dabei auf das Problem, dass sich aktuelle Phänomene nicht bruchlos mit der Vergangenheit gleichsetzen lassen. Indem wir die unterschiedlichen Verfolgungsgeschichten der Opfer des Nationalsozialismus (NS) aufgreifen und deren einzelne Phasen an konkreten Beispielen nachzeichnen, versuchen wir mit den immer noch bestehenden Mythen aufzuräumen, der NS sei vom Himmel gefallen und habe dabei eine Terrorherrschaft über eine unschuldige Mehrheit gebracht. Damit ist es möglich, der sich heute radikalisierenden Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzuwirken.

Die Balance zwischen historischer und politischer Bildung zu erhalten, fordert von uns, gleichzeitig aus der Geschichte zu lernen, eine kritische Perspektive auf unser Zeitgeschehen zu entwickeln und junge Menschen zu eigenständigem Handeln zu befähigen.

Katharina Balk und Christian Franke sind Mitglieder des ehrenamtlichen Teams der Internationalen Jugendbegegnung (IJB).


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