Brandschutzübung am Münchner Dom Mit Steigleitung und Rosenkranz

04.07.2019

Die Münchner Feuerwehr simulierte am Donnerstag einen Schwelbrand im Münchner Dom. Die Übung stand auch unter dem Zeichen des Brandes von Notre-Dame.

Vorbereitung für eine "Riegelstellung" mit Drehleiter: Brandschutzübung am Münchner Dom.
Vorbereitung für eine "Riegelstellung" mit Drehleiter: Brandschutzübung am Münchner Dom. © SMB/Bierl

München – Bedrohlich sieht er aus, der weiße Rauch, der aus dem Südturm des Münchner Doms dringt. Auch wenn ihn nur zwei Nebelmaschinen erzeugen, die ganz oben vor einem Fenster stehen. Der Rauch gehört zu einer Brandschutzübung, die jedes Jahr von der Münchner Berufsfeuerwehr an diesem Wahrzeichen der bayerischen Landeshauptstadt durchgeführt wird.

„Wir simulieren einen Schwelbrand in einem Aufzugsmaschinenraum“, erklärt Wolfgang Winkler, der gerade aus einem der drei eingetroffenen Löschfahrzeuge hüpft. Gleich steigt er in seiner 30 Kilogramm schweren Schutzkleidung, inklusive Atemschutzmaske, Druckluftflasche, Schlauch und einem Feuerwehrbeil am Gurt die Treppen des Turms hinauf. Über 80 Meter muss er hinauf, während unten ein Fahrzeug seine Drehleiter ausfährt, die einen Schlauch nach oben zieht.

Kein Wölkchen am blauen Himmel, sondern Rauch aus dem Dom: die Feuerwehr simulierte einen Schwelbrand.
Kein Wölkchen am blauen Himmel, sondern Rauch aus dem Dom: die Feuerwehr simulierte einen Schwelbrand. © SMB/Bierl

Die Leiter reicht bis zum Dachstuhl und könnte dort das Feuer eindämmen, wenn es sich weiter ausbreitete. Dann würden die Feuerwehrleute eine „Riegelstellung“ aufbauen, eine Art Wasserwand, um ein weiteres Ausbreiten des Brandes zu verhindern. Peter Scheibengraber vom Führungsdienst rollt das andere Ende des Schlauches bis zu einem Hydranten aus und gibt unaufgeregt seine Kommandos. Und das nicht nur, weil es sich „bloß“ um eine Übung handelt: „Man muss Ruhe ausstrahlen, weil des überträgt sich auf die Mannschaft.“

Auch Wolfgang Winkler nimmt die Stiegen zur Turmkuppel ohne Hast, dosiert seine Kräfte beim Aufstieg. Er darf sich nicht vorzeitig „auspowern, denn wir müssen jederzeit reagieren können und oben sind wir ja nicht am Ziel, sondern da fängt die Arbeit erst an.“ Er befestigt mit seinen Kollegen die Schläuche an den Anschlüssen der sonst trocken liegenden Steigleitung im Domturm. Über die Steigleitung wird vom Boden das Wasser nach oben gepumpt. 1.600 Liter befinden sich im Löschfahrzeug, an dem Florian Huber steht, „Wenn die aus sind, bekommen wir aus einer Hydrantenleitung Nachschub“, erklärt er und hört was ihm seine Kollegen im Turm per Funk mitteilen.

Ortskenntnis aufgefrischt

Von unten ist zu sehen, wie eine Gischt aus einem der geöffneten Fenster dringt. Gute zehn Minuten hat es gedauert bis die Münchner Feuerwehrleute die Kuppel des Turms erreicht und den simulierten Schwelbrand gelöscht haben. „Es war eine normale Brandübung, außergewöhnlich ist nur die Höhe des Gebäudes“, sagt Wolfgang Winkler, der den Helm abgenommen hat und sich den Schweiß von der Stirn wischt.

Wichtig an diesem Probealarm sei vor allem die wieder aufgefrischte Ortskenntnis, „die uns im Einsatzfall ganz enorm weiterhilft“. Er steht jetzt zusammen mit Domdekan Lorenz Wolf im riesigen hölzernen Dachstuhl der Kathedrale, der bei einem Brand besonders gefährdet wäre. „Wir haben auch schon beschlossen, den Dachstuhl noch besser zu sichern“, erklärt Domdekan Lorenz Wolf, der die gesamte Übung für das Erzbistum München und Freising mitverfolgt hat. Ein Rauchansaugsystem soll Brandherde sofort erkennen und deutlich früher anschlagen als normale Rauchmelder. Denn je eher ein drohendes Feuer erkannt wird, desto größer sind die Chancen, es zu bekämpfen.

Rosenkränze vom Domdekan

Und da vertraut der Domdekan auf die Münchner Feuerwehr: „Dass die gut und schnell ist, haben wir heute gesehen.“ Jedenfalls kann er sich nicht vorstellen, „dass ein Szenario wie in Paris beim Notre-Dame-Brand hier in München abläuft“. Die Verwaltung des Doms halte nicht allein zu den Übungen mit der Feuerwehr Kontakt, sondern berate mit deren Experten laufend mögliche Brandgefahren und Gegenmaßnahmen.

Dann muss Lorenz Wolf noch seinen Beitrag zu dieser Brandschutzübung leisten. Und das unterscheidet dieses Training ganz bestimmt von Übungen an anderen prominenten Gebäuden in München. Der Domdekan segnet eine Reihe von Rosenkränzen, die für die 25 beteiligten Feuerwehrleute und ihre Fahrzeuge bestimmt sind.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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