Symposienreihe zum 500. Geburtstag der Kirchenlehrerin Mit Teresa von Avila evangelisieren

10.09.2013

Mit einer spanischen Heiligen aus dem 16. Jahrhundert hat sich ein Symposium im Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus befasst: Teresa von Avila kann auch heute wichtige Impulse für eine Neuevangelisierung im Geiste der Innerlichkeit, Freiheit und Liebe geben.

Die heilige Teresa von Avila lebte von 1515 bis 1582 in Spanien. (Bild: imago)

Freising - Eine junge Frau sitzt im dunkelbraunen Ordenskleid mit schwarzem Schleier an einem Tisch. In der Hand hält sie eine Schreibfeder. Vor ihr steht ein hölzernes Kruzifix, zu dem sie immer wieder aufblickt. Zu dieser Theater-Szene werden auf einer Leinwand spanische Städte eingeblendet, etwa Avila, Burgos, Granada, Salamanca, Toledo und Valladolid – jene Orte also, in denen die heilige Teresa von Avila Klöster gründete. Ihr „Buch der Gründungen“ steht im Zentrum dieses ersten von drei internationalen Symposien, die anlässlich des 500. Geburtstags der Kirchenlehrerin im Jahr 2015 stattfinden.

Veranstaltet wird es vom Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der Katholischen Universität Avila in Zusammenarbeit mit den Lehrstühlen für Kirchenrecht in Trier sowie für Theologie der Spiritualität in Wien. Mehr als hundert Interessierte aus Wissenschaft und Kirche haben am vergangenen Wochenende im Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus daran teilgenommen, unter ihnen Kardinal Reinhard Marx als Hauptzelebrant des Eröffnungsgottesdienstes.

An diesen drei Tagen geht es nicht nur um eine Heilige aus dem 16. Jahrhundert. Wie im Untertitel der Tagung angedeutet, wird auch immer wieder darauf Bezug genommen, welche Impulse Teresa von Avila für die Neuevangelisierung heute geben kann. Für Teresa sei die „Erfahrung der Anwesenheit Gottes im eigenen Inneren“ ein zentrales Ereignis auf dem Weg ihres geistlich-missionarischen Wirkens gewesen, betont der Trierer Kirchenrechtler Christoph Ohly in seinem Einführungsvortrag. Sie habe die Menschen einladen wollen, „sich auf den Weg in ihr eigenes Inneres zu machen, um dort Gott zu begegnen“. Dieser Innerlichkeit entspringe jedes missionarische Handeln. Wörtlich formuliert Ohly: „Kontemplation führt zur Aktion.“

Wie der Eichstätter Dogmatiker Manfred Gerwing erläutert, kommt es für Teresa von Avila beim Beten nicht darauf an, mit Gott zu sprechen – und schon gar nicht darauf, ihn umzustimmen –, sondern darauf, das zu betrachten und in die Tat umzusetzen, was der Herr sage, also darauf, seinen Willen zu erfüllen. Mit anderen Worten: „Beten heißt Lieben. Und weil Beten Lieben heißt, heißt es Hören, Hinhören auf das, was Gott im Gebet zu uns sagt: Gott ist beim Gebet zunächst der Sprechende. Der Sprechende ist nicht der Beter! Der Betende ist zunächst der liebend Zuhörende und deswegen zunächst einmal Schweigende“, der das Wort Gottes auf- und wahrnehme und es befolge, so Gerwing. Nach Ohlys Worten bestimmt das Gebet „auf diese Weise das Leben so sehr, dass jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat in Freizeit, Arbeit, Freude und Leiden zu einem einzigen Gebet, zu einem Zeichen der liebenden Aufmerksamkeit gegenüber dem wird, der mich erschaffen, erlöst und geheiligt hat und der in mir wohnt“.

Um diese Lebens-Antwort geben zu können, bedarf es Gerwing zufolge des Gehorsams. Dieser eröffne eine Freiheit, in der „man alles Glück findet, das man sich in diesem Leben nur wünschen kann“, wie Teresa im „Buch der Gründungen“ schreibt. Dieses Glück bestehe darin, einzig den Willen Gottes zu erfüllen. Menschen, die so lebten, fürchteten „nichts von der Welt“, „nichts ersehnen sie, noch bringen Schwierigkeiten sie in Verwirrung oder versetzen Vergnügungen sie in Erregung; kurz, es kann ihnen niemand den Frieden rauben, denn dieser hängt allein von Gott ab. Und da ihn niemand rauben kann, kann nur noch die Furcht, ihn
zu verlieren, Schmerz verursachen; denn alles andere auf dieser Welt ist ihrer Meinung nach so, als wenn es nicht wäre, da es ihr Glück weder schafft noch abschafft“, zitiert Gerwing aus dem „Buch der Gründungen“. Eine heftige Diskussion entspinnt sich unter den Tagungsteilnehmern allerdings darüber, ob dieser Gehorsam nur Gott zu leisten sei oder – wie von Teresa gefordert – auch Menschen, also etwa dem Ordensoberen oder dem Beichtvater.

Übereinstimmung besteht hingegen, dass zu diesem „Sich-in-Dienst-nehmen-Lassen von Gott für die Welt“, so Gerwing, auch die Weitergabe des empfangenen Gotteswortes gehöre. Teresas Erfahrung, dass Gott allein genüge, spreche alle Menschen an, ist der Generalsekretär der spanischen Bischofskonferenz, der Madrider Weihbischof Juan Antonio Martínez-Camino, überzeugt und fordert: „Aber dazu müssen wir zunächst Zeugnis dafür ablegen.“ Für Kardinal Marx kann eine solche Neuevangelisierung im Sinne Teresa von Avilas nur im Geist der Innerlichkeit, der Freiheit und der Liebe erfolgen. (Karin Hammermaier)

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