Brauchtum rund um Ostern Mit viel Liebe zum Detail

12.04.2019

Für Christiane Senger ist das Palmbuschbinden eine ganz besondere Kindheitserinnerung. Nicht nur deswegen pflegt sie diesen Brauch auch noch im Rentenalter.

Krepp-Papier. Buchszweige, Holzstecker und Palmkränzchen sind nur einige der Materialien die Christiane Senger benutzt.
Krepp-Papier. Buchszweige, Holzstecker und Palmkränzchen sind nur einige der Materialien die Christiane Senger benutzt. © Glawogger-Feucht

Freising – Eierfärben, Lämmchen backen, Osterstrauch herrichten und Nester für die Enkelkinder zusammenstellen: Die Fasten- und Osterzeit ist für Christianne Senger eine ganz besondere Zeit. „Das Brauchtum während des Kirchenjahrs ist mein Leben, die kirchlichen Feste sind ganz besondere Höhepunkte“, betont Senger. So fertigt die 72-jährige Freisingerin etwa Passionskrippen, Fatschenkindl und Klosterarbeiten mit viel Liebe zum Detail an. Eine beeindruckende Auswahl davon kann man bei ihr zuhause bewundern. Auch auf den Palmsonntag bereitet sie sich mit ganz speziellen Buschen vor. Ihre Palmbuschen zieren in der Mitte eine Rose aus Krepp-Papier, die außen mit Buchs und Palmzweigen umfasst ist.

Aus Krepp-Papier eine Rose basteln

Auf Sengers Gartentisch liegt alles bereit: Buchszweige, goldenes, grünes und rotes Krepp-Papier, Holzsteckerl, beispielsweise von der Haselnuss, und Palmkätzchen: Zuerst schneidet sie ein kleines Quadrat aus dem goldenen Krepp und wickelt es um die Spitze des Steckerls. Anschließend wird ein rund 70 Zentimeter langer und zehn Zentimeter breiter roter Krepp-Streifen so um den Stecken gewunden, dass das rote Papier wie eine Rose aussieht. „Damit das Krepp-Papier wie Rosenblätter wirkt, muss es vorher an der langen Kante gerollt werden. Dazu nehme ich eine dicke Stricknadel und wölbe Stück für Stück das biegsame Papier nach außen“, erklärt Senger.

Außerdem empfiehlt sie, für eine gute Haltbarkeit ein stärkeres Papier zu nehmen wie etwa das stabilere Floristenkrepp. Dazwischen werden immer wieder Punkte mit Heißkleber gesetzt, damit die Rose fest den Stecken umschließt. „Da muss man schnell sein“, weiß Senger. Es folgt ein grüner Streifen Krepp-Papier um den Rest des Steckens – fertig ist das Grundgerüst. Drumherum befestigt sie dann mit Draht die Buchs- und Palmkätzchenzweige. Abschließend verdeckt sie mit einer roten Schleife den Draht.

Christiane Senger mit dem fertigen Palmbusch.
Christiane Senger mit dem fertigen Palmbusch. © Glawogger-Feucht

Nach der Segnung in der Messe ziert der gesegnete Palmbuschen das Kreuz in ihrem Herrgottswinkel beim Esstisch und bleibt dort das ganze Jahr über – bis zum nächsten Palmsonntagsgottesdienst. Seit mehr als 15 Jahren fertigt sie diese Art der Buschen nach einer Vorlage einer Freisinger Bekannten als Vorbereitung auf die Osterzeit an. Die Buschen sind begehrt, so verschenkt sie diese etwa an ihre Kinder und Enkelkinder, gute Freunde und Verwandte. Ein paar von den Buschen kommen auch dem St. Georgscafé der gleichnamigen Pfarrei zugute. Jedes Jahr stellt sie die Buschen für den Verkauf zur Verfügung. Einige Exemplare werden auch im Freisinger Dombergladen angeboten.

Palmbuschen ist eine ganz besondere Kindheitserinnerung

Mit dem Brauchtum rund ums Kirchenjahr ist sie seit ihrer Kindheit auf dem Land vertraut. Der Vater war neben seinem Hauptberuf Lehrer auch als Organist in der Pfarrei tätig. Mit ihrer Mutter hat sie bereits als Kind das Brauchtum gepflegt, sei es, dass sie Kirchweihnudeln gebacken oder Krippen geschmückt haben. So hängen auch an den Palmbuschen ganz besondere Kindheitserinnerungen. „Wir haben die Palmkätzchen und Buchszweige einfach mit einer Schleife umgebunden, aber zur Weihe tragen durften sie früher nur die Buben“, erinnert sie sich. Ihre Mutter habe aber einfach sie und ihre Schwester mit den Buschen zum Einzug hingestellt, sagt Senger lachend. Auf diese Weise sei sie auch Sternsingerin geworden, was zur damaligen Zeit ebenfalls den Buben vorbehalten war. (Alexa Glawogger-Feucht)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Karwoche

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