Ökumenischer Kirchentag Erding Miteinander der Religionen

21.09.2017

Premiere in Erding: Zum ersten Mal haben evangelische und katholische Christen dort einen ökumenischen Kirchentag gefeiert. Doch nicht nur die beiden großen christlichen Kirchen waren vertreten.

Auftaktkonzert der neuapostolischen Gemeinde in St. Johann.
Auftaktkonzert der neuapostolischen Gemeinde in St. Johann. © Greckl

Erding – „Es war eine echt tolle Sache, auch wenn das Wetter leider nicht ganz mitgespielt hat.“ Pfarrer Martin Garmeier freut sich über den gelungene ersten Ökumenischen Kirchentag am vergangenen Wochenende in Erding. Bereits das Auftaktkonzert der neuapostolischen Gemeinde in St. Johann (Foto) sei ein musikalischer Höhepunkt gewesen. Nach diesem tollen Beginn schwebte er bereits auf Wolke sieben, schwärmt Garmeier, der auch der verantwortliche Leiter der Veranstaltung war. Seine Hoffnung sei es, dass der Kirchentag die Ökumene in Erding ein gutes Stück voranbringe und sich der Wunsch nach der Gründung einer Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) Erding endlich erfülle.

"So einen Andrang hatte ich nicht erwartet"

Der Erdinger Kirchentag fand aber nicht nur in den Kirchen statt. Trotz des schlechten Wetters flanierten diverse Besucher am Samstag durch die Innenstadt. Hier präsentierten sich Wohlfahrtsverbände, Vereine, Pfadfinder – die ganze Vielfalt, die hinter dem Begriff „Kirche“ steckt. So hatten die Besucher die Möglichkeit zu erleben, wo Kirche und Christentum in allen Bereichen des Lebens vertreten sind. Auch diejenigen, die sich engagieren und ihre Freizeit in Ehrenämter, Chöre oder den ganz normalen Gottesdienstbesuch investieren, konnten sehen: Wir sind nicht allein. Und so freute sich auch Weihbischof Bernhard Haßlberger über eine volle Kirche beim großen ökumenischen Gottesdienst in St. Johann: „Das macht Mut. So einen Andrang hatte ich nicht erwartet.“ Jeder Besucher konnte sich somit davon überzeugen, dass christlich nicht bei katholisch, evangelisch oder orthodox endet und dass Gemeinschaften wie die neuapostolische oder die freikirchliche Gemeinde auch in Erding beheimatet sind. Für jeden erkennbar, besannen sich die Glaubensgemeinschaften auf das, was sie verbindet, nicht was sie trennt.

Audio

Ökumenischer Kirchentag in Erding

Reportage von MK-Autorin Maria Greckl

Einträchtig am Altar: die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und Weihbischof Bernhard Haßlberger. © Greckl

Das gab auch die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler zu verstehen, die beim Gottesdienst predigte. Das Fest sei ein Zeichen dafür, dass Ökumene unter Christen in Erding funktioniere, erklärte Breit- Keßler. Aber es sei auch unabdingbar, das Gespräch mit den Muslimen und den anderen Religionen in der Stadt zu suchen, sich kennenzulernen, auszutauschen und auch mal zu streiten, forderte die Bischöfin.

Diskussion über Islam-Unterricht

Und das passierte auch: etwa bei einer prominent besetzten Podiumsdiskussion mit dem Thema „Religion – Polarisierung der Gesellschaft oder Hilfe zur Integration“. Mit Sicherheit einer der Höhepunkte im Programm. Die bayerische Staatsregierung war durch den Leiter der Staatskanzlei Marcel Huber (CSU) vertreten. Von kirchlicher Seite nahm Weihbischof Haßlberger teil. Besonders freuten sich die Veranstalter über die Teilnahme von Ali Kizilkaya, eines Vertreters des Islamrates. So konnte sich unter anderem eine interessante Diskussion zum Islam-Religionsunterricht an deutschen Schulen entspinnen. Einigkeit herrschte bei allen Podiumsteilnehmern darüber, dass es mehr als sinnvoll wäre, könnte man diesen endlich anbieten. Dies würde einen wertvollen Beitrag zur Prävention vor Radikalisierung leisten. Jedoch scheitere das Angebot bisher an einem fehlenden Ansprechpartner seitens der Muslime, der gültige Aussagen zum Inhalt eines solchen Faches machen kann und darf, sagte Marcel Huber. Sowohl evangelische als auch katholische Kirche seien hier anders gegliedert und klar in den Vorgaben.

Auch zum Thema Religion und Gewalt tauschte man sich aus. Weihbischof Haßlberger beschrieb Religion als etwas, „das tief in das Innerste des Menschen hineingreife“. Und so könne sie auch die untersten Schichten in der menschlichen Natur zu Tage fördern, wozu auch die Gewalt gehöre. Allerdings stellte Haßlberger auch fest, dass Religion aus seiner Sicht nie allein der Auslöser für Gewalt sei. Andrea Bliese, die Frauenbeauftragte des evangelisch-lutherischen Prodekanats München-Süd, zeigte sich davon überzeugt, dass Religion zwar ein gewisses Gewaltpotential in sich berge. Dieses könne aber nur ausbrechen, wenn man neben der eigenen Überzeugung keine andere akzeptiere. (Maria Greckl)


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