Edigna-Spiele in Puch Moderne Selige auf der Bühne

22.02.2019

Die Pucher Edigna-Spiele feiern an diesem Wochenende mit einem neuem Stück Premiere. Regie führt ein prominenter Theaterregisseur.

Regisseur und Autor Marcus Everding (rechts) mit seinen Schauspielern bei den Proben
Regisseur und Autor Marcus Everding (rechts) mit seinen Schauspielern bei den Proben © Kiderle

Puch – Es sind weder die Carl Orff Festspiele noch ist es ein Engagement am Bayerischen Staatsschauspiel. Trotzdem hat Marcus Everding Lampenfieber, wenn er an die bevorstehende Premiere seines Edigna-Spieles in Puch (Dekanat Fürstenfeldbruck) denkt. Es sei eine Herzensentscheidung gewesen, sich wieder mit der Figur der seligen Edigna zu beschäftigen.

Vor zehn Jahren hat der prominente Theaterregisseur die Spiele schon einmal geleitet. Damals haben die Pucher den 900. Todestag der französischen Königstochter gefeiert, die der Legende nach in einer Stammnische der großen Linde neben der Pucher Kirche Schutz vor ungewollter Heirat gesucht hat. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1109 soll sie von dort aus als Ratgeberin und Helferin gewirkt haben. Seitdem wird sie von den Puchern verehrt, bis heute tragen Frauen im Ort ihren Namen.

In sechs Tagen aufgeschrieben

Die Begeisterung des Edigna-Vereins habe ihn schon damals überzeugt, erzählt Everding. Er habe gern für eine erneute Spielzeit zugesagt, allerdings unter der Voraussetzung, dass ein neues Stück aufgeführt wird: „Ich wollte eine Vertiefung des Themas erreichen.“ Der Verein hatte genügend Zeit, darüber nachzudenken, schließlich finden die Edigna-Spiele nur alle zehn Jahre statt. 2016 habe man sich entschieden, mit einem neuen Stück auf die Bühne zu gehen. Everding macht sich ans Werk, recherchiert gut eineinhalb Jahre das Leben und Wirken der frommen Frau und bringt das neue Schauspiel in nur sechs Tagen zu Papier. Herausgekommen sei der Versuch, die Verehrung Edignas in die Gegenwart zu tragen.

„Was wäre, wenn sich heute jemand in ein Dorf setzte und behauptete, er habe nichts anderes zu tun, als sich mit den Menschen zu beschäftigen“? Genau das macht die Hauptfigur im Stück: Sie schenkt Zeit, spricht mit den Menschen. Von einigen wird sie akzeptiert, von anderen nicht. Der Zuschauer soll zum Nachdenken über jemanden angeregt werden, „von dem wir schlicht behaupten, er war ein guter, kirchlich gesprochen ein seliger Mensch“. Analog zur Geschichte der Seligen präsentiere das Stück eine positive Figur, die zweckfrei handle. Wenn der Zuschauer sich nach der Vorstellung fragt, wie er auf so einen Menschen reagiert hätte, sei aus Everdings Sicht schon viel erreicht.

Unverstellte Laien-Darsteller

Es ist aber nicht nur die „Dorfheilige“, die ihn ein zweites Mal nach Puch lockt. Mindestens genauso groß ist der Reiz, mit den Pucher Laien-Schauspielern zu arbeiten. Seit Anfang Dezember probt er fleißig mit den mehr als 20 Darstellern. Einige von ihnen hätten schon vor zehn Jahren auf der Bühne gestanden, die Neuen seien mit Hilfe von Improvisationsübungen ausgewählt worden. Der Laien-Darsteller sei oft unverstellter, findet der Regisseur. „Sie machen es eher, als dass sie darüber grübeln, und das ist sicherlich ein Vorteil.“ Ob sie das Erarbeitete dann wie die Profis auf den Punkt genau abrufen können, sei eine andere Frage. Aber genau diese Spannung mit den Laien-Kollegen schätzt Everding. Mit ihnen zittere er schon vor der Premiere, dass es gelingt, den Menschen etwas mitzuteilen, „was in ihr Herz passt, aber auf kein Plakat“.

Das Edigna-Spiel feiert am Samstag, 23. Februar, um 18.30 Uhr im Gemeinschaftshaus von Puch (Zur Kaisersäule 6) Premiere. Weitere Aufführungen gibt es bis 17. März samstags und sonntags jeweils um 14 und 18.30 Uhr. Die Karten kosten 17 Euro (8 Euro für Kinder bis 15 Jahre). Weihbischof Bernhard Haßlberger feiert zur Eröffnung der Spiele am Sonntag, 24. Februar, um 9.30 Uhr einen Gottesdienst in der Pucher Sebastians-Kirche. Am Sonntag, 10. März, sind alle Frauen namens Edigna ab 11 Uhr zu einem Treffen mit Kirchenführung, Festspiel-Besuch und Austausch eingeladen. Näheres zum Programm finden Sie hier.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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