Missionar auf Zeit Möglichkeit, sich auszuprobieren

01.09.2017

Ein Jahr in Argentinien: Die diesjährigen Missionare auf Zeit verraten, was sie sich von ihrem Auslands-Aufenthalt erhoffen.

Heuer wurden Szymon Tupta, Marie-Therese Hoesch, Sicarú Adina Cuéllar Paprotta und Anna Wessely (vorne von links) als Missionare auf Zeit (MaZler) ausgesandt. Mit im Bild sind der erste MaZler Franz Späth sowie Maria Thanbichler und Monsignore Walter Waldschütz (hinten von links) vom Vorstand der Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung. © privat

Eigentlich hatte Szymon Tupta nur nach einer Organisation gesucht, in der er sich vor Ort einbringen konnte, nachdem er von Großhartpenning nach Tegernsee gezogen war. Doch über die dortige Kolpingsfamilie stieß der 17-Jährige auf Franz Späth, der 1995 als erster Missionar auf Zeit nach Argentinien gegangen war, begeisterte sich selbst für diesen Dienst und bewarb sich dafür bei der Pfarrer-Walter-Waldschütz- Stiftung: „Das ist eine wunderschöne Gelegenheit, eine neue Kultur kennen zu lernen und wertvolle neue Erfahrungen zu sammeln“, freut sich der Schüler. Deshalb hat er sich vom Tegernseer Gymnasium zweieinhalb Wochen beurlauben lassen und ist Mitte Juli nach Argentinien aufgebrochen. Szymon Tupta ist überzeugt, dass er nach zwei Monaten „als ganz anderer“ zurückkommen wird. Denn der Missionarische Dienst auf Zeit (MaZ) sei vor allem „ein Dienst an mir selbst, der mir erlaubt, mein Leben mit anderen Menschen zu teilen“.

Das macht Szymon Tupta auf ungewöhnliche Weise: Da er weiß, dass die Kinder in Argentinien gern Fußball spielen und er Schiedsrichter ist, hat er sein Trikot, eine Pfeife sowie gelbe und rote Karten eingepackt, um seine sportlichen Kenntnisse auch auf der anderen Seite des Atlantiks anzuwenden.

Weitaus nahe liegender war es für Marie-Therese Hoesch aus Gröbenzell, als Missionarin auf Zeit nach Argentinien zu gehen, hatte doch ihr älterer Bruder Moritz 2014/15 ebenfalls ein halbes Jahr im Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“ („Jesuskind-Heim“) mitgearbeitet. Er habe sich dadurch positiv verändert, sei viel offener, unvoreingenommener und selbstbewusster geworden, findet seine Schwester. Nun hofft die Abiturientin, dass auch sie selbst viele gute Erfahrungen sammelt, wenn sie Ende September in die nordargentinische Provinz Misiones aufbricht.

Mit im Gepäck sein werden bei ihr ein oder zwei Geigen, um die Kinder an diesem Instrument zu unterrichten, und Bastelsachen. Die 17-Jährige hat nämlich in der offenen Ganztagesbetreuung ihrer Schule, des Gymnasiums Gröbenzell, mitgearbeitet und auch dort mit den jüngeren Schülern gebastelt und gespielt. Besonders gespannt ist die Katholikin, mit der Kirche in Argentinien in Kontakt zu kommen, denn sie vermutet: „Die leben ihren Glauben sehr viel intensiver als wir.“

Wertvolle neue Erfahrungen sammeln

Auch Mitschülerin Sicarú Adina Cuéllar Paprotta zieht es nach dem Abitur nach Lateinamerika, schließlich ist ihr Vater Mexikaner. Wie Marie-Therese Hoesch geht sie ab Januar als MaZlerin nach Argentinien. Besonders gern würde sie in einem Indianerdorf unterrichten, denn Freunde ihres Vaters sind Indianer und sie kennt daher deren Situation in Lateinamerika ziemlich genau. In jedem Fall hofft sie, „den Kindern dort das Leben ein Stückchen schöner zu machen, auch wenn es nur für ein halbes Jahr ist“. Dabei ist der 18-Jährigen durchaus bewusst: „Die Kinder brauchen uns nicht unbedingt. Wenn ich nicht dort bin, wird jemand anderes dort sein.“ Vielmehr gehe es bei diesem Freiwilligendienst um ihre eigene Entwicklung, etwa indem sie lerne, auch schwierige Situationen zu meistern.

Verständigungsprobleme jedenfalls hat die Münchnerin nicht zu erwarten. Dadurch, dass sie fließend Spanisch spricht, hofft sie, schnell und direkt auf die Argentinier zugehen zu können. Zum Beispiel kann sie es gar nicht erwarten, frisch zubereiteten Mate-Tee zu probieren, den sie bisher nur in der Flasche gekauft hat. Darüber hinaus will die Jugendgruppenleiterin offen sein für Fragen zu ihrem Glauben. Als Missionarin auf Zeit zu wirken, bedeutet für die Katholikin aus Lochhausen auch, Wissen nicht nur in Gestalt von Unterricht weiterzugeben, sondern ebenso in menschlicher Form, wie etwa Nächstenliebe.

„Die Werte, die die Kirche vermittelt, sind mir wichtig“, sagt auch Anna Wessely. Die evangelische Christin aus Otterfing möchte einen sozialen Beruf ergreifen und empfindet ihr Auslandsjahr in Argentinien als „perfekte Möglichkeit, sich auszuprobieren“. Dennoch ist der Abiturientin klar, dass es sich bei diesem Aufenthalt um eine wechselseitige Erfahrung handelt: „Ich werde bei den Menschen dort die Welt verändern und sie werden bei mir die Welt verändern.“ Diese Erkenntnis hat die 18-Jährige während zweier Schüleraustausche in Ruanda gewonnen. „Vielleicht habe ich deshalb so ein Interesse an der Welt.“ (Karin Hammermaier)

Missionarischer Dienst auf Zeit der Pfarrer-Walter-Waldschütz-Stiftung
Einsatzgegend: Provinz Misiones, Argentinien
Dauer des Dienstes: mindestens 3 Monate, maximal 12 Monate
Alter der Freiwilligen: 18 bis 30 Jahre
Bewerbungsschluss: 31. Januar
Art der Tätigkeiten: Einsatz im Kinderdorf (Unterstützung der Hausmütter, Hausaufgabenbetreuung, Begleitung der Kinder und Jugendlichen in den Kindergarten und zu Kursen, Freizeitgestaltung), nach Eingewöhnung auch Kennenlernen anderer Projekte möglich, zum Beispiel eine Indianerschule, Erwachsenenschulen und weitere Einrichtungen des Kolpingwerkes vor Ort oder ein landwirtschaftlich genutztes Gelände für Studenten der Agrarwissenschaften

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Freiwilligendienst

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