Monsignore Baur hört als Regens des erzbischöflichen Münchner Priesterseminars auf

19.06.2013

Nach 13 Jahren hört Monsignore Franz Joseph Baur (46) als Regens des erzbischöflichen Münchner Priesterseminars St. Johannes der Täufer auf. Der promovierte Theologe, in München geboren und 1993 in Rom zum Priester geweiht, leitete seit 2000 das Seminar an der Georgenstraße und war zudem von 2005 bis Anfang März 2013 Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz.

Monsignore Franz Joseph Baur war 13 Jahre lang Regens des Münchner Priesterseminars. (Bild: Ertl- Sankt Michaelsbund)

Baur wechselt im Herbst nach Landshut und wird dort neuer Pfarrer von St. Martin und Leiter des dortigen Pfarrverbands sowie von St. Jodok. Sein Nachfolger wird zum 1. September Wolfgang Lehner, bislang Leiter des Pfarrverbands Moosach (Landkreis Ebersberg).

MK: Herr Regens Baur, erinnern Sie sich noch an den Tag, als Kardinal Wetter Sie bat, Regens zu werden?

BAUR: Ich bekam eine Vorwarnung am Tag zuvor, so dass es dann für mich eine spannende Nacht wurde, weil ich nicht genau wusste, was auf mich zukommt. Dann erhielt ich den Anruf von Kardinal Wetter und er fragte mich, ob ich gleich ,Ja‘ sagen möchte oder erst noch eine Nacht darüber schlafen wollte, um dann ,Ja‘ zu sagen. Ich habe aber gern sofort ,Ja‘ gesagt.

MK: Sie waren damals mit 32 Jahren noch recht jung für dieses Amt. Blickten Sie der großen Aufgabe nicht mit Respekt oder gar Angst entgegen?

BAUR: Nein, eher mit einer Portion Unbekümmertheit und Unbefangenheit der Jugend. Ich konnte damals beim besten Willen nicht absehen, was das wirklich im Einzelnen bedeutet. Jung anfangen heißt aber auch: Offenheit zum Lernen und Vertrauen auf Gottes Hilfe und Führung.

MK: Ist das eigentlich nicht eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt: junge Männer in der entscheidenden Phase auf dem Weg zum Priestertum zu begleiten?

BAUR: Das sagen mir viele, aber ich finde vor allem, dass es wirklich die schönste Aufgabe ist, die ein Bischof in seinem Bistum zu vergeben hat – vielfältig, spannend. Da gibt es die echten Seelsorgegespräche: Was ist die Berufung? Was ist der richtige Weg? Ab und zu steht man auch im Licht der größeren Öffentlichkeit, wird von der Zeitung gefragt – diese ganze Klaviatur habe ich hier gehabt und konnte das auch genießen.

MK: Sie haben jetzt lang genug Erfahrung: Was für Eigenschaften sollten einen guten Regens auszeichnen?

BAUR: Keine anderen Eigenschaften als jeden guten Priester: Ich würde auch sagen, der Regens ist echt Seelsorger, er hat eine Hirtenaufgabe – anders als viele Leute denken, die mir jetzt gratulieren und sagen: ,Willkommen endlich in der Seelsorge!‘

MK: Welche Eigenschaften sind das?

BAUR: Menschliche und geistliche Tugenden. Ein gewisses dickes Fell schadet nicht. Einen Grundsatz hat mir einmal ein geistlicher Begleiter weitergegeben, den kann ich bestätigen, er wird als ein Satz Johannes XXIII. überliefert: ,Omnia videre, multa dissimulare et pauca monere‘ – ,Alles sehen, das Meiste geflissentlich übersehen und nur Weniges anmahnen und korrigieren.‘

MK: Wie viele Seminaristen haben Sie in 13 Jahren bis zur Weihe begleitet?

BAUR: Insgesamt 96 waren es in diesen 13 Jahren.

MK: Empfindet man es als persönliche Niederlage, wenn einer den Weg abbricht oder später als schon Geweihter sein Amt wieder niederlegt?

BAUR: Einen späteren Amtsverzicht gab es in diesen 13 Jahrgängen nur einmal und den kannte ich nur flüchtig, weil das im ersten Semester war. Von denen, die unterwegs ausschieden, gibt es sehr viele, denen ich nach wie vor gern wieder begegne, weil wir im Guten auseinandergegangen sind, und wo zu dem Zeitpunkt klar war, er hat eine richtige und gute Entscheidung getroffen und seinen Weg außerhalb des Priesterseminars zu einem anderen Berufsziel gefunden. Natürlich gab es auch einige Fälle, wo wir nicht im Guten auseinandergegangen sind. Aber oft genug hat sich auch das im Nachhinein klären und bereinigen lassen. An diese Leute denke ich mehrheitlich gern zurück und deswegen war es mir auch ein echtes Anliegen, eine kleine Auswahl von Ex-Seminaristen, die nicht Priester geworden sind, zu meinem Abschied einzuladen. Denn auch ihnen diente das Priesterseminar und hatte Erfolg, wenn jemand hier zu der Einsicht kam: ,Besser anders.‘

MK: Was werden Sie aus dieser Zeit am besten in Erinnerung behalten?

BAUR: Eine ganze Reihe von mitbrüderlichen Kontakten. Ich spreche das Wort ,mitbrüderlich‘ mit Bedacht aus, weil es oft formelhaft verwendet wird für alle, aber bei einigen ist es auch wirklich innerlich so gemeint. Stark in Erinnerung bleiben mir auch eine ganze Reihe an Unternehmungen, gemeinsame Reisen und Fahrten oder der jährliche Skitag.

MK: Was geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?

BAUR: Ich hoffe, er kann sich über dieses Amt wirklich freuen und das schätzen, was er hier bekommt – an Arbeit, aber auch an Möglichkeiten.

MK: Und wie blicken Sir selbst Ihrer neuen Aufgabe in Landshut entgegen?

BAUR: Mit Respekt. Denn da fange ich wieder von vorne an.

Interview: Florian Ertl/Münchner Kirchenzeitung


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