Interkulturelle Woche Monsignore Boeck: Geflüchteten zu helfen ist christlicher Grundauftrag

23.09.2019

Am 27. September ist der Tag des Flüchtlings. Monsignore Rainer Boeck ist Diözesanbeauftragter für Flucht, Asyl, Migration und Integration. Für ihn ist die Glaubensgeschichte des Christentums auch immer eine Geschichte von Flucht und Wanderung.

Ein Netz von Ehrenamtlichen und Helfern kümmert sich um Geflüchtete
Ein Netz von Ehrenamtlichen und Helfern kümmert sich um Geflüchtete © Frank Gärtner - stock.adobe.com

mk-online: Monsignore Rainer Boeck, wie bewerten Sie als Diözesanbeauftragter für Flucht, Asyl, Migration und Integration die aktuelle Lage von Flüchtlingen im Erzbistum insgesamt?
Boeck: Natürlich ist die Situation für jeden Flüchtling anders. Was mir besonders am Herzen liegt, ist die Lage in den Ankerzentren. Und die halte ich nach wie vor für verbesserungswürdig. Umgekehrt ist es aber erfreulich, dass in Bayern insgesamt schon gut 40 Prozent der Flüchtlinge in Arbeit sind.

mk-online: Was genau ist Ihre Hauptaufgabe als Diözesanbeauftragter im Feld Asyl und Migration?
Boeck: Es ist wichtig, ein Netz von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen zu bilden. Wir müssen die Helfer begleiten und weiterbilden. Und natürlich schauen wir direkt auf die Geflüchteten. Wie können wir die Situation in den Unterkünften verbessern? Und wenn die Leute anerkannt sind, wie können wir ihnen dann helfen, dass sie Wohnungen und Arbeit zu finden? Viele haben psychische und gesundheitliche Probleme, bei denen wir sie unterstützen müssen, damit sie sich eine Existenz schaffen können.

mk-online: Warum ist es so wichtig, dass die Kirche sich in der Integrationsarbeit engagiert?
Boeck: Das kommt schön zum Ausdruck in dem Brief, den Papst Franziskus zum Weltflüchtlingstag geschrieben hat. Er sagt, dass die Hilfe für Flüchtlinge mit dem christlichen Grundauftrag zusammenhängt. Nämlich sich dem Nächsten zuzuwenden, die Menschen aus der Einsamkeit herauszuholen und besonders Verletzten zu helfen. Der Auftrag, Flüchtenden zu helfen, ist ein Paradebeispiel dafür, ob wir das Christliche umsetzen.

mk-online: Wo sehen Sie Erfolge bei der Integrationsarbeit im Erzbistum?
Boeck: Besonders schön ist es, wenn Geflüchtete, die schon länger hier leben, den Neuankömmlingen helfen. Da gibt es in der Kirche viele Bereiche. Zum Beispiel sind bei der Caritas viele ehemalige Geflüchtete angestellt, die in diesem Feld arbeiten. Aber auch in Bildungswerken oder ehrenamtlich in den Pfarreien arbeiten sie, beispielsweise als Kulturdolmetscher.

Projekt „NesT“

Zurzeit arbeitet Monsignore Boeck mit an einem Pilotprojekt. Es trägt den Namen „NesT“ (Neustart im Team). Dabei wollen Staat, Zivilgesellschaft und Kirche sich gemeinsam um besonders schutzbedürftige Flüchtlinge kümmern. Boeck sucht dafür Mentoren, die sich vor Ort um die Menschen kümmern. Weitere Informationen unter www.neustartimteam.de.

mk-online: Wie wollen Sie es schaffen, auch Geflüchtete, die erst seit kurzem in Deutschland sind, in das kirchliche Leben einzubinden?
Boeck: Die meisten sind natürlich Muslime. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten: Eben auf dem Feld, dass Flüchtlinge anderen Flüchtlingen helfen. Für die geflüchteten Christen sind auch die muttersprachlichen Gemeinden eine gute Möglichkeit, sich zu engagieren. Schwieriger wird es mit einer Anstellung in der kirchlichen Verwaltung, weil da erst bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

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Monsignore Rainer Boeck
Monsignore Rainer Boeck © Schlaug/SMB

mk-online: Inwiefern bekommen Sie Gegenwind bei Ihrer Arbeit für Geflüchtete?
Boeck: Gegenwind gibt's auch aus den kirchlichen Reihen. Die Deutsche Bischofskonferenz hat kürzlich eine Arbeitshilfe zum Thema rausgebracht und verschweigt darin nicht, dass es in der Kirche teilweise populistische, rassistische und fremdenfeindliche Tendenzen gibt. Einige Katholiken fürchten um ihre Identität und fragen mich zum Beispiel, ob in paar Jahrzehnten alles nur noch in Moscheen passiert. Aus dieser Angst entstehen dann Ressentiments.

mk-online: Was entgegnen Sie?
Boeck: Wenn wir auf unsere Glaubensgeschichte schauen, dann ist das auch eine Geschichte von Flucht und Wanderung. Unser Glaube ist ganz eng mit der Hilfe für Flüchtende verbunden. Wer das nicht verstanden hat, hat unseren ganzen Glauben nicht verstanden.

Der Autor
Lukas Schöne
Radio-Redaktion
l.schoene@st-michaelsbund.de


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